Eine direkte Verbindung zwischen Schloss Morsbroich und den Remisen war nie angelegt. Inhaltlich gibt es sie schon lange zwischen dem Museum und dem Kunstverein, der seine Ausstellungsräume in den ehemaligen Stallungen hat. Ein Trampelpfad ist die kürzeste Verbindung. Insofern passt einmal mehr der Titel „Desire Path“ für ein zweiteiliges Ausstellungsprojekt, das erstmals in beiden Gebäuden stattfindet. Und es gibt weitere gewünschte Abweichungen von den üblichen, vorgeschriebenen Wegen, die durchaus als Metapher zu verstehen sind. Nicht angestellte Kuratoren, sondern Studierende der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität haben die Auswahl zur vereinbarten Thematik getroffen und den gesamten Prozess bis zur Eröffnung – und darüber hinaus noch während der Öffnungszeiten – organisiert und begleitet.
Nathalie Sofie Schulz, Gamze Can, Elif Aydin und Sabrina Görlich haben dazu drei Kunststudierende zweier Düsseldorfer Hochschulen zusammengebracht, die sich dem Thema „Desire Path“ aus ganz unterschiedlichen Richtungen genähert haben. Ganz offensichtlich sind sie in den großformatigen Foto-Arbeiten von Michael M.C. Driesch zu erkennen. Luftaufnahmen, die beim Flug über die Alpen nach Bologna entstanden und sehr deutlich die geraden Linien der von Menschen angelegten Straßen und den unbefestigten, mäandernden Wegen auf einen Berggipfel unterscheiden. Im hinteren Raum des Kunstvereins hat er eine Installation mit originalen und leicht veränderten Gegenständen der Bahn geschaffen. „Einfach niemals ankommen“ steht auf der originalen Zug-Anzeige von einem Bahnhof. Ironischer Blick auf den Zustand der Bahn oder Lebensphilosophie? Sicher steckt beides dahinter und mehr als das.
Juliana Paek hat sich über die vorgeschriebenen Leitlinien hinweggesetzt, Leinwände auf den Boden gelegt und einfach umgedreht, um sie auf der „falschen Seite“ mit Farbe und einer ganzen Reihe ungewöhnlicher Materialien zu bearbeiten. Neben Kaffee, Rost, Red Bull und Sojasoße ist stets etwas koreanische Erde angehäuft. Hinweise auf das Land ihrer Vorfahren gibt sie auch in anderen Arbeiten.
Sehr zurückgenommen, zart, aber ungeheuer detailreich sind die Tuschezeichnungen, die Markus Henschler direkt auf den weißen Wänden angebracht hat. Wohl wissend, dass sie nicht konserviert, sondern irgendwann einfach überstrichen werden. Ein riesiges Gespinst von einer Wegekarte mit Linien, Abzweigungen und erklärenden Beschriftungen, die von akribischer Recherche Leverkusener Geschichte im Vorfeld zeugen. „Werknetz“ hat er die Skizze genannt, die ausgehend vom Bayer-Kreuz diverse Verstrickungen im Zusammenhang mit der Herstellung von Farben, Medikamenten, aber auch Kampfmitteln zeigt.
Für den zweiten Ausstellungsteil im Proberaum des Museums, den Kunstvermittlerin Lucia Riemenschnitter betreut, galten andere Spielregeln. Alle drei Künstler haben sich ein Werk aus der Museumssammlung ausgewählt, die sie besonders anspricht und die geeignet ist, in Dialog mit einer eigenen Arbeit zu treten. Pia Koop und Elisa Stellmach ersannen das besondere Ausstellungsdesign mit Beschriftungen auf dem Boden und ausführlichem Info-Material in allen Räumen. Während der nächsten zehn Tage besteht die Möglichkeit, in den Remisen die Arbeitsweise der drei Künstler kennenzulernen. Der Teil im Proberaum des Museums bleibt bis Januar. Dort wünscht man sich die aktive Beteiligung der Besucher, die ihre Gedanken auf Tafeln schreiben können.