„Genug ist genug“

Aktualisiert am 20.08.2026, 12:03 Uhr

Anna Meixner führt Österreichs Eishockey-Nationalmannschaft als Kapitänin an.
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Österreichs Frauen-Eishockeyteam hat sich erstmals seit 17 Jahren für die A-WM qualifiziert – doch nun droht ein Boykott. Die Spielerinnen werfen dem Verband mangelnden Respekt und unwürdige Bedingungen vor.

Zwischen Österreichs Eishockey-Nationalspielerinnen und dem Österreichischen Eishockeyverband (ÖEHV) brodelt es dramatisch. Die Eishockey-Frauen drohen mit einem Boykott und das aus guten Gründen. Teamkapitänin Anna Meixner erklärte in einer Aussendung der younion-Sportgewerkschaft unmissverständlich: „Genug ist genug. Unter dieser Führung und diesen Bedingungen werden wir nicht mehr für Österreich spielen“, wie „ORF“ berichtet.

Stockbetten, eisige Hütten, Männer-Restbestände

Die Liste der Vorwürfe ist lang. Verteidigerin Antonia Matzka schilderte gegenüber dem ORF konkrete Missstände: Bei Lehrgängen mussten die Spielerinnen in Stockbetten übernachten, sich im Januar in einer unbeheizten Hütte umziehen und als Teamkleidung die übrig gebliebenen Bestände der Männermannschaft tragen – die naturgemäß schlecht passten. Zudem würden Einberufungen trotz beruflicher und schulischer Verpflichtungen oft extrem kurzfristig erfolgen. Darüber hinaus habe der Verband drei langjährige Betreuer aus dem Team abgezogen, zu denen das Verhältnis besonders eng gewesen sei.

Auch ein finanzielles Ungleichgewicht belastet die Situation: Während die männlichen Nationalspieler ein Taggeld erhalten, gehen die Frauen leer aus – obwohl viele von ihnen keinen Profivertrag haben, sondern neben dem Sport arbeiten oder studieren, wie der „Kurier“ in einem Leitartikel anmerkt.

Die Konsequenzen des Streits zeigten sich bereits beim Vier-Nationen-Turnier im slowakischen Bardejov. Praktisch die Hälfte des Kaders kehrte dem Verband den Rücken und fehlte beim Aufbruch am Montag, wie der „Standard“ berichtet.

Die A-WM findet vom 6. bis 16. November in Dänemark statt. Österreich hat sich erstmals seit 17 Jahren wieder dafür qualifiziert.

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Rossi und Huber solidarisieren sich

Prominente Unterstützung erhalten die Spielerinnen von ihren männlichen Kollegen. NHL-Profi Marco Rossi von den Vancouver Canucks stellte sich klar auf die Seite der Frauen: „Wenn man nicht respektiert wird, wären wir Männer auch nicht anders. Man sollte zu 100 Prozent hinter den Frauen stehen“, erklärte der Vorarlberger laut ORF. Auch Graz99ers-Stürmer Paul Huber wurde deutlich: „Man soll sich nicht alles gefallen lassen. Gewisse Basics sollten gegeben sein.“

Der ÖEHV reagierte mit einer schriftlichen Stellungnahme und betonte, die Anliegen „sehr ernst“ zu nehmen. Ab 2027 solle ein neues Vergütungsmodell für alle Senioren-Nationalteams greifen. Eine öffentliche Debatte über interne Personal- und Kaderentscheidungen lehnte der Verband ab. Gewerkschafter Sascha Tomanek hielt dem entgegen, dass von neun im März schriftlich übergebenen Verbesserungsvorschlägen bislang kein einziger bestätigt worden sei. Das zuständige Sportministerium forderte beide Seiten zu einem „Dialog auf Augenhöhe“ auf. (red)

Verwendete Quellen