Wegen des großen Interesses wurde die Schau von Marina Abramović im Gropius Bau um eine Woche verlängert. Nicht wundern, wenn noch dieser Sonntag als letzter Öffnungstag durchs Netz geistert.

Beeilen müssen Sie sich vor allem, wenn Sie noch Niki de Saint Phalles Nanas sehen wollen. Sie hätten ja ständig auf dem Lützowplatz stehen können, wenn nicht Berlin Berlin wäre …

1 bis 22.8.: Nikifizierung – Niki de Saint Phalle Installationsansicht „Nikifizierung – Niki de Saint Phalle“, Galerie Judin (Mercator Höfe), Foto: Niki Charitable Art Foundation / Galerie Judin, Berlin / VG Bild-Kunst, Bonn 2026 (Verwendung der Bilder nur in Zusammenhang mit der Ausstellung bis 22. August 2026) Niki de Saint Phalles Nanas tanzen in den Mercator Höfen.

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Als „ekelhafte Scheußlichkeiten“, „Kulturschande“ und „Schnapsidee einer besoffenen Ratsherren-Stammtischrunde“ wurde 1974 die Aufstellung von drei „Nanas“ in Hannover kommentiert. Für Niki de Saint Phalle ein Schlüsselerlebnis für ihr Verständnis von Kunst als gesellschaftlicher Kraft, das u.a. zum weltberühmten Stravinsky-Brunnen neben dem Centre Pompidou führte.

In Berlin jedoch wurde das Projekt für den Lützowplatz, für das die Künstlerin drei Grazien (Foto) als Sinnbild für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des wiedervereinten Deutschlands schuf, gar nicht erst umgesetzt. Die Ausstellung beleuchtet das komplexe Verhältnis von Niki de Saint Phalle und Deutschland.

Eine ausführliche Besprechung lesen Sie hier.

Galerie JudinPotsdamer Str. 83, Schönebergbis Sa 22.8., 11-18 UhrEintritt freigaleriejudin.com 2 bis 23.8.: Jeppe Hein: You are never really alone Jeppe Hein, You are never really alone, Installationsansicht
Jeppe Hein, You are never really alone, Installationsansicht König Galerie

© Courtesy Jeppe Hein & König Galerie, Berlin/Foto: Roman März

So niedlich, wie die Pinguine durch das brutalistische Kirchenschiff von St. Agnes schippern. Ist ja auch schön kühl hier. Aber, nicht kühl genug. Die (Stein)-Eisschollen, auf denen die kleinen Kerle balancieren, sind auf ein Minimum geschmolzen, was vielleicht nur im Zusammenhang mit dieser großen Installation so zum Vorschein kommt.

Die Spiegelballonskulpturen des Bildhauers Jeppe Hein, die immer auch ihre Umgebung spiegeln und das Abbild der Betrachtenden verzerren, haben nun dieses Mal die Form von Tierkörpern angenommen. Jede Skulptur ist nach Regionen benannt, die mit Pinguin-Lebensräumen verbunden sind, darunter Chile, Argentinien, Peru, Südafrika, Namibia, Australien und Neuseeland. Die Namen stammen aus indigenen Sprachen und beziehen sich auf Ideen der Fürsorge, Führung, Natur und Präsenz.

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Die Schreibweise „Allone“ ist kein Schreibfehler, sondern kombiniert „alles“ und „eins“ und soll darauf hinweisen, dass Individualität und Kollektivität gleichzeitig existieren. Ein gemeinsamer Zustand der Präsenz, in dem sich menschliche und nicht-menschliche Lebensformen ständig ineinander widerspiegeln. Heins Ballons hatten ihren Ursprung 2010 in der Idee, einen Wunsch gen Himmel zu schicken. Wünschen wir für uns alle das Beste.

König GalerieAlexandrinenstr. 118-121, Kreuzbergbis So 23.8., 11-18 UhrEintritt freikoeniggalerie.com 3 bis 23.8.: Bruce Gilden: „Why These?“ Bruce Gilden, GB. West Bromwich. 2014. Peter at the bus station. Bruce Gilden, Peter at the bus station, West Bromwich, GB, 2014.

© Bruce Gilden / Magnum Photos

Fotograf Bruce Gilden schießt den Menschen direkt ins Gesicht – mit seiner Kamera und Blitz. Es sind bevorzugt Menschen vom Rande der Gesellschaft, Gangmitglieder, Obdachlose, Sexarbeitende. Doch in seinen Close-ups, mit denen er sich in Farbe 2013 neu erfand, blendet er die Umstände aus, lässt diese nur so weit zu, wie sie sich in die Gesichter seines Gegenübers eingeschrieben haben.

Der Name seiner Ausstellung „Why These?“ ist nicht nur an den Fotografen adressiert. Er geht als Frage an die Besucher: Warum sind uns diese Bilder unangenehm? Warum versuchen wir, den Blicken auszuweichen, und können trotzdem nicht wegschauen?

Bruce Gilden, Cemetary, Port-au-Prince, Haiti, 1988 zur Ausstellung "Why These?", Fotografiska Berlin, bis 23.8.2026 Bruce Gilden, Cemetary, Port-au-Prince, Haiti, 1988.

© Bruce Gilden / Magnum Photos

Gilden wuchs in Brooklyn, New York, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auf. Als Kind verbrachte er Stunden damit, die „harten Kerle“ auf den Straßen zu beobachten. Das prägte seine lebenslange Faszination für die „Charaktere“, die er später fotografieren würde. 1968 kaufte er seine erste Kamera und brachte sich selbst bei, mit ihr zu fotografieren.

Seine Fotos zeigten schon damals das raue Gesicht der Straße, seit 1998 arbeitet er für die legendäre Fotoagentur Magnum. Für das Fotografiska Museum hat Gilden zusätzlich 19 Aufnahmen aus Coney Island, Haiti, New York und Tokyo ausgewählt, die die wichtigsten Projekte seiner ersten Schaffensphase repräsentieren.

Außerdem laufen derzeit Ausstellungen von Anton Corbijn, Lee Shulman und Carola Lampe.

Fotografiska Berlin 4 bis 23.8.: Björn Melhus. Lost in Finity Ausstellung "Björn Melhus. Lost in Finity", Silent Green, 17.7. bis 23.8.2026
Installationen der Ausstellung (Copyright: Bjørn Melhus: LOST IN FINITY, ©Bernd Brundert) Blick in die Ausstellung „Björn Melhus. Lost in Finity“ im Silent Green.

© Bjørn Melhus: LOST IN FINITY, © Bernd Brundert

Der deutsch-norwegische Videokünstler Björn Melhus hat in seinem persönlichen Umfeld und auch in der Gesellschaft beobachtet, dass ein Gefühl von Endzeitstimmung sich breitmacht. Niemand glaube mehr an ein Happy End. So begann er, sich mit dem jahrtausendealten Thema des Weltuntergangs zu befassen.

Als Fundus für seine neue Schau nahm der Video- und Multimediakünstler sein eigenes Schaffen aus 40 Jahren, das er zerschnippelt, neu gesampelt und zu einer begehbaren Installation gemixt hat. In Melhus’ finalem Trailer zum Weltuntergang ziehen die biblischen Offenbarungen des Johannes im Videoclip vorüber. Die Pferde der apokalyptischen Reiter wechseln mit den Plagen, den Seuchen (natürlich durch Corona-Viren versinnbildlicht) und dem Lamm. Dazwischen rauscht ein Regen aus Elon Musk-Cybertrucks hernieder. Melhus schuf diese Arbeit als Stipendiat der Villa Massimo in Rom. (mino)

Eine ausführliche Ausstellungsbesprechung finden Sie hier.

Je nachdem, wie man seine Apokalypse mag: Am Samstag findet parallel zur Ausstellung auf dem ganzen Gelände von 14-20 Uhr das Sommerfest des Silent Greens statt, mit Konzerten, Führungen und einem Filmprogramm des Arsenals.

Zum Ende seiner Ausstellung tritt Melhus am Sonntag um 19 Uhr mit der Lecture-Performance „Deadly Fruits“ auf.

Silent Green KulturquartierGerichtstr. 35, Weddingbis So 23.8., Fr bis 20 Uhr, Sa/So, 11-20 Uhrsilent-green.net 5 bis 29.8.: Juergen Teller: Guten Morgen Sonnenschein Symposium of Love portfolio, Issue 24, Autumn/Winter 2025. Foto: Courtesy Contemporary Fine Arts COPYRIGHT ©  Symposium of Love portfolio, Issue 24, Autumn/Winter 2025.

© Juergen Teller, VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Juergen Teller ist der zarteste aller Scherzkekse der Fotobranche. Anders ist kaum vorstellbar, wie man Victoria Beckham dazu bekommt, in eine Einkaufstüte zu steigen. Oder Iggy Pop, sein faltiges Rückendekolleté zu schütteln. In seiner Ausstellung „Guten Morgen Sonnenschein“ sind zwar auch Tellers neueste Auftragsarbeiten zu sehen, das Zentrum bilden aber die Diptychen, die vom morgendlichen Ritual des Filterkaffekochens ausgehend, zärtlich von seinem Alltag mit seiner Frau Dovile Drizyte und Tochter Iggy erzählen.

CFA BerlinGrolmannstr. 32/33, Charlottenburgbis Sa 29.8., Mo-Fr 10-18 Uhr, Sa 12-18 Uhrcfa-gallery.com 6 bis 29.8.: Kaspar Müller: Boutique Société X Treasures of Memory 2 Kaspar Müller, "Striped tent" und "Studiolo 3" Kaspar Müller, „Striped tent“ und „Studiolo 3“.

© Kaspar Müller, Foto: Galerie Societé

„Boutique Société × Treasures of Memory 2“ heißt kaspar Müllers Einzelausstellung bei Société. Die Galerie als gedankliche Edelboutique. Im Sinne des Spekulativen Realismus des US-Amerikaners Graham Harman, der die Weltsicht des Anthropozentrismus ablehnt und die Existenz aller Objekte als gleichrangig, real und unabhängig von unserer Wahrnehmung postuliert, kreisen Müllers Objekte, Installationen und seine Malerei um unsere Wahrnehmung und unser Verhältnis zu den kleinen und großen Dingen, den alltäglichen und welthaltigen Themen.

Mit einer gehörigen Portion Augenzwinkern ist all das mehr oder weniger offenkundig um die Ecke gedacht. So, wie Müller Alltags- und Design-Gegenstände künstlerisch adelt – ihre Wertschöpfung von der industriellen Massenproduktion hin zum edlen und einzigartigen Kunstwerk erhöht –, so vollzieht er mit seinen kleinformatigen Ölbildern die Wandlung von der naiven Heimatmalerei zur Konzeptkunst. (meix)

Eine ausführliche Ausstellungsbesprechung finden Sie hier.

Galerie Société 7 bis 30.8.: Marina Abramović: Balkan Erotic Epic. The Exhibition PRESSEBILDER FÜR IM GESPRÄCH AUSSTELLUNG GROPIUS BAU Balkan Erotic Epic. The Exhibition 15.4.23.8.2026
NUTZUNG für Ausstellung kostenfrei bei Nennung kompletten Credits und ohne Bilder zu beschneiden.
Marina Abramović: Balkan Erotic Epic. The Exhibition
Quelle:
https://www.berlinerfestspiele.de/gropius-bau/ueber-uns/presse/presseinformationen/presseinformationen-2026/presseinformationen-marina-abramovic#pressebilder_marina_abramovic Marina Abramović, Women Massaging Breasts I aus der Serie Balkan Erotic Epic, 2005.

© Marina Abramović, Courtesy der Marina Abramović Archives / VG Bild-Kunst, Bonn 2026

400 Meter war die Schlange zur Eröffnung der Ausstellung von Marina Abramović lang. Ob sich das in den letzten Tagen wiederholen wird?

Mit „Balkan Erotic Epic“ zapft die Künstlerin die Kräfte ihrer Vergangenheit an, diesmal in Form erotischer Rituale, die kollektive Energie freisetzen. In einem Video massieren Frauen in traditionellen Gewändern ihre nackten Brüste, um dem beerdigten Geliebten nahe zu sein. In einem anderen zeigen sie im Regen tanzend ihre entblößte Vulva dem Himmel, damit er sich wieder schließen möge und die Äcker nicht weiter überflutet.

Die Szenen wirken drastisch überzogen, geradezu komisch-plakativ, auch wie sich in „Slawische Seele“ Männer mit Daumen in der Weste rechts und links einer barmenden, übergroßen Sängerin aufreihen, aus deren Gamaschenhosen erigierte Penisse hervorstehen. Und doch muss ein Stück Wahrheit dran sein, man kann sich der Wirkung dieser Bilder nicht entziehen. (NK)

Die ausführliche Ausstellungsbesprechung finden Sie hier.

Anlässlich ihres 75-jährigen Jubiläums präsentieren die Berliner Festspiele nach der Ausstellung im Gropius Bau im Oktober 2026 die (derzeit ausverkaufte) neue mehrstündige Bühnenproduktion „Balkan Erotic Epic. The Stage Version“ im Haus der Berliner Festspiele.

Gropius BauNiederkirchnerstr. 7, Kreuzbergbis So 30.8., Mo/Mi-Fr 12-20 Uhr, Sa/So 10-20 Uhr, Performance „Nude with Skeleton“, Mi–Mo 14-18 Uhr15 Euro, erm. 10 Euroberlinerfestspiele.de/gropius-bau/Mehr Kunst in BerlinProbleme mit viel zu vielen Bauprojekten Die Sanierung des Alten Museums ist schon lange nötig Einschulungsfotos gesucht Berlin Museum dokumentiert Wandel von Schule und Alltag 200 Jahre Fotografie bei C/O Berlin Wenn keiner mehr auf den Auslöser drückt 8 bis 30.8.: Edward W. Godwin und Oscar Wilde: Dandys, Dekadenz, Moderne Edward W. Godwin (William Watt, London) Buffet, 1867; zur Ausstellung „Edward W. Goldwin und Oscar Wilde. Dandys Dekadenz Moderne“, Bröhan Museum, Berlin, 2. April bis 30. August 2026 Edward W. Godwin Buffet von 1867 gibt es gleich zweimal in der Ausstellung, in Schwarz und Eiche natur.

© Sammlung Ludewig/ Foto: Martin Adam, Berlin

Der Kult der Schönheit des „Aesthetic Movements“ im viktorianischen Großbritannien setzte einen wesentlichen Impuls für die Entstehung der gestalterischen Moderne. Die Ausstellung zeigt anschaulich und unterhaltsam, wie die Verbindung von Kunst, Design und Lebensstil, wie sie der Designer Edward William Godwin (1833–1886) und Schriftsteller Oscar Wilde (1854-1900) kultivierten, die Entwicklung des Designs maßgeblich beeinflusste.

Bröhan-MuseumSchloßstr. 1a, Charlottenburgbis 30.8., Di-So 11-18 Uhr9 Euro, erm. 6 Eurobroehan-museum.de