Mit einem Konzert- und Liederabend in Linz ist am 15. Todestag des Italieners Luigi Brutti an dessen Lebenszeugnis erinnert worden. Mehr als 100 Menschen kamen am Mittwochabend in die Klosterkirche der Barmherzigen Schwestern. Der österreichische Priester, Liedermacher und Missio-Diözesandirektor Heinz Purrer hatte die Veranstaltung initiiert, nachdem er Brutti erst wenige Monate zuvor für sich entdeckt hatte. Für ein Missio-Projekt im Kongo kamen bei dem Abend mehr als 700 Euro zusammen.
Der Heiligenkreuzer Abt Maximilian Heim (65) tritt nach 16 Jahren an der Spitze der Mönchsgemeinschaft zurück und wird sein Amt „in jüngere Hände legen“. Das hat das Stift am …
Claudia Kaminski – Köln
Brutti, der im Seligsprechungsverfahren als „Diener Gottes“ geführt wird, war am 19. August 2011 im Alter von 26 Jahren nach einem schweren gesundheitlichen Zusammenbruch gestorben – wenige Wochen vor seiner geplanten Hochzeit. Geboren wurde er am 23. November 1984 in Montefiascone bei Viterbo. Nach seinem Studium arbeitete er als Förderlehrer für Kinder mit Behinderungen und setzte sich für deren Integration in den Schulalltag und für Menschen in schwierigen Lebenssituationen ein.
Hier der Beitrag zum Nachhören
Auf dem Konzertprogramm von Purrer und dem Musiker Werner Gumpinger standen auch Lieder, die von Bruttis Gedanken und Glauben inspiriert waren. Zudem wurde eine Wanderausstellung über sein Leben eröffnet, die künftig auch in Pfarren und kirchlichen Einrichtungen gezeigt werden soll.
„Luigi ist für mich ein Wegbegleiter“
Purrer war während eines Italien-Urlaubs erstmals auf Brutti aufmerksam geworden. In der Kathedrale von Viterbo entdeckte er einen Flyer mit dessen Bild. „Ich war überrascht: Ich hatte von diesem Luigi noch nie etwas gehört“, berichtete der Priester im Gespräch mit Claudia Kaminski für Radio Vatikan. Bruttis Lebensgeschichte habe ihn unmittelbar angesprochen: „Seine Lebensgeschichte, ein so kurzes Leben – nur 26 Jahre – und doch hat er so viel bewirkt.“
Ein Text von Luigi Brutti auf dem Flyer der Veranstaltung (c) H. Purrer
Bei seinen weiteren Recherchen erfuhr Purrer, wie Brutti als Jugendlicher einen neuen Zugang zum Glauben gefunden hatte. Bei einem Jugendlager habe er Gott nicht mehr als einen strengen, sondern als einen Gott der Liebe erfahren. Diese Erfahrung habe auch seinen Blick auf andere Menschen verändert. „Das hat sein Herz geöffnet, auch für die Menschen am Rand, für Menschen mit Beeinträchtigungen“, so Purrer. Später absolvierte Brutti eine Ausbildung zum Förderlehrer.
Aus Bruttis Leben entstanden bei Purrer inzwischen zwei Lieder. Eines trägt den Titel „Emmanuel – Gott mit uns“. Darin bezeichnet er Brutti als „Wegbegleiter“ und greift auch dessen Überzeugung auf: „Wenn wir die Welt verändern wollen, beginnen wir bei uns selbst.“ Purrer sagte dazu: „Ich spüre, dass Luigi nicht irgendjemand für mich ist, sondern mein Wegbegleiter, mein Freund, auf den ich mich einlassen möchte, von dem ich lernen kann.“
„Die Liebe zu meinem Lebensstil machen“
Ein zentraler Gedanke in Bruttis geistlichem Leben war die Entscheidung, die Liebe zum eigenen Lebensstil zu machen. Mit 18 Jahren hatte er diesen Vorsatz in seinem geistlichen Tagebuch festgehalten. Für Purrer lag darin auch eine Botschaft für Jugendliche heute. Der Priester hatte selbst drei Jahrzehnte lang junge Menschen im Stift Wilten bei Orientierungstagen und Wochenenden begleitet.
Beim Konzert in Linz (Foto Irmgard Bogenhuber
Viele Jugendliche hätten dabei ähnliche Erfahrungen gemacht wie Brutti, berichtete Purrer: „Wie viele haben mir nach einem Wochenende oder einem Orientierungstag zurückgemeldet, dass sie zum ersten Mal Gott erfahren durften, ihn entdecken durften als einen Gott mit uns – einen Gott, der uns liebt, der uns auf Augenhöhe begegnet, der für uns da ist.“
Brutti selbst hatte in einem an seinem Geburtstag verfassten Gebet über die Möglichkeiten nachgedacht, seinen Glauben weiterzugeben – durch Stimme, Worte, Kunst, Bücher und Lieder. Zugleich sah er die eigenen Grenzen. Entscheidend war für ihn letztlich das eigene Leben als Zeugnis: „Der lauteste Schrei ist meine Existenz. Das größte Geschenk ist mein Leben.“
Beim Konzert in Linz (Foto Irmgard Bogenhuber
Glaube als Lebensentscheidung und Dienst an anderen
Für Don Luigi Fabbri, Vizepostulator im Seligsprechungsverfahren und Generalvikar der Diözese Viterbo, lag die besondere Bedeutung Bruttis ebenfalls darin, dass sein Glaube nicht bei religiösen Überzeugungen stehen geblieben war. „Das Leben mit Gott erfüllt sich in der Freude und in der Fülle darin, für andere nützlich zu sein“, sagte Fabbri.
Gerade Bruttis Arbeit mit Kindern mit Behinderungen sei Ausdruck dieser Haltung gewesen. Sein geistliches Tagebuch, das Brutti mit 17 Jahren begonnen und bis kurz vor seinem Tod geführt hatte, umfasst 21 handgeschriebene Hefte. Seine Eltern hatten die Schriften wenige Tage nach seinem Tod in einer Schublade gefunden. Die theologische Kommission des Seligsprechungsverfahrens hat die Texte inzwischen geprüft; eine Veröffentlichung wird vorbereitet.
Bruttis Botschaft sei auch für die heutige Zeit aktuell, betonte Fabbri. Dazu gehörten der Glaube als Sinn des Lebens, ein versöhnter Umgang mit der eigenen Schwäche und die Aufmerksamkeit für Menschen am Rand der Gesellschaft. In seinem Tagebuch hatte Brutti mit 18 Jahren geschrieben: „Ich entscheide mich dafür, die Liebe zu meinem Lebensstil zu machen.“
Das Seligsprechungsverfahren war 2022 mit der Eröffnung der diözesanen Phase in Viterbo offiziell auf den Weg gebracht worden. Die Untersuchung sammelte weiterhin Schriften, Zeugenaussagen und weitere Belege für Bruttis christliches Tugendleben. Nach Angaben Fabbris hatte sich die Bekanntheit seines Zeugnisses inzwischen über Italien hinaus verbreitet – unter anderem nach Frankreich, Spanien, Portugal, Deutschland, auf die Philippinen, nach Israel, in die USA, nach Sierra Leone und auch nach Österreich.
Der Linzer Konzertabend sollte dazu beitragen, dass Luigi Brutti auch dort bekannter wurde. Purrer zeigte sich nach der Veranstaltung überzeugt, dass seine Geschichte die Besucher erreicht hatte: Die Menschen seien „von Luigis Geschichte sehr berührt“ gewesen.
(kap/vaticannews – cs/ck)