Am Ende hielt sich das angekündigte Unwetter beim Frequency-Auftakt am Donnerstag in Grenzen, teils aber auch der Andrang bei manchen Acts. Als Headliner wurden unter anderem internationale Acts wie die schwedische Popsängerin Zara Larsson oder die irischen Rocker Fontaines D.C. nach St. Pölten geholt. Kurz vor Ende gab es außerdem eine Vorschau aufs nächste Jahr: Beim Frequency 2027 sollen etwa der Rapper Cro und die deutsche Hitband Tokio Hotel auftreten.
Für viele Fans dürfte das Highlight auf der Space Stage die Performance von Popstar Lorde gewesen sein. Jedenfalls war die Begeisterung sichtlich groß, als die Neuseeländerin ihren Auftritt mit dem Superhit „Royals“ von 2013 durchstartete, bei dem die Fans während des Refrains brav mitgrölten. Neben den alten Hits kam Lorde auch mit neueren Nummern wie „What Was That?“ an, zu denen sie im Schlabber-Outfit wild tanzte.
Auch beim Bühnendesign hob sich Lorde von den meisten Acts ab. Teils wurden Röntgenbilder und Herzfrequenzen auf das Set projiziert, während Kameras dynamisch in Szene setzten, wie sich die Sängerin auf der Bühne rekelte. Die klinische Aufmachung dürfte zum Konzept des letztjährigen Albums „Virgin“ gehören. Dieses stelle für sie eine „Reinigung“ dar. „Ich habe mir gesagt: Du musst all die Teile von dir ablegen, die nicht ganz und gar du selbst sind“, monologisierte die Künstlerin vor ihren Zuschauern.
Nach dem melancholischen Lorde-Pop versuchte Kraftklub, die Stimmung für das Finale der ersten von insgesamt drei Festivalnächten noch einmal nach oben zu boxen. Dafür setzte die Chemnitzer Rap-Rock-Truppe einmal mehr auf Konfetti-Regen, viel Nebel und bewährte Songs wie „Marlboro Mann“ zum Mitsingen, während der Tourname „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ in leuchtenden Buchstaben in der Luft hing.
Insgesamt 20 internationale und heimische Acts fuhren bis in die Nacht auf Freitag auf den drei Hauptbühnen einen Genremix von Rap bis Indie-Rock auf. Am späten Nachmittag weckten dabei erstmals die Strahlemänner von SDP das Publikum vor der Space Stage mit ulkigen Rap- und Rock-Nummern wie „Ne Leiche“ und viel Animationsarbeit richtig auf, inklusive Gummitierchen zum Crowdsurfing.
Kurz danach startete Popsängerin Zara Larsson als Publikumsmagnet ins Headliner-Programm – obwohl Fans genau während ihres Auftritts für circa eine Stunde im Regen standen. Weder das Wetter noch kurze Aussetzer der Bildschirme schadeten allerdings dem großen Jubel, als die Schwedin nach ein paar Minuten Verspätung Hits wie „Can’t Tame Her“ und Lieder aus dem letztjährigen Album „Midnight Sun“ performte. „Ihr seid so süß in euren Regenmänteln“, scherzte sie zwischendurch. Kurz vor Ende durfte dann ein Fan den Hit „Lush Life“ auf der Bühne mitsingen und -tanzen.
Für deutlich weniger Andrang sorgten Fontaines D.C. Beim Auftritt der irischen Rockband stand das Publikum wieder im Trockenen, war nach dem Abgang von Zara Larsson aber stark geschrumpft und selbst während brachialer Performances wie „Boys in the Better Land“ nicht sehr energiegeladen. Wenige Tage zuvor hatte die irische Rockband das Erscheinungsdatum ihres neuen Albums „Dopamine Chamber“ im Oktober bekanntgegeben.
Ob es am schwülen Wetter lag oder am versteckten Eingang? Auch bei der vergleichsweise kompakten Infinity Live Stage war der Andrang überschaubar, mit viel Leerraum und müden Festivalgängern, die hinter den vorderen Reihen am Boden sitzen blieben. In der clubartigen Halle gaben sich als Gegenprogramm mehrere Indie-Rocker und Deutschrapper die Klinke in die Hand. Nach der Frankfurterin OG LU gaben dort auch die maskierte Klamauk-Truppe PA69 und der aus dem Berliner Underground aufgestiegene Symba ihre Reime zum Besten. Immerhin konnte letzterer den Raum kurzzeitig zu mehr als der Hälfte füllen.
Dagegen konnte die Electronic Green Stage über das gesamte Programm viele Fans anlocken. Zur Eröffnung der Bühne am frühen Abend wärmten Eurodance-Oldies von Cascada erfolgreich das Publikum auf, das den gesamten Platz vor der Bühne ausfüllte. „Ich freu mich so, dass es nicht regnet“, rief Leadsängerin Natalie Horler erleichtert nach Aufführung des Hits „Evacuate the Dancefloor“ – kurz vor dem ersten Schauer. Danach machten sich diverse DJs – darunter das Wiener Duo Camo & Krooked – an ihr Werk.
Beim Finale setzte die Show von Star-DJ James Hype auf ein neues Gimmick zum Mitmachen. Zuschauer konnten nämlich mit Leuchtarmbändern interaktiv mitbestimmen, welchen Song der Star-DJ als Nächstes auflegen sollte. Wer beispielsweise lieber klassische Nummern von Hype hören wollte, schaltete das Band auf Blau, für unveröffentlichte Lieder auf Rot – in diesem Fall gewannen die Klassiker. Zu Beginn motivierte der spielerische Ansatz noch ein gut gefülltes Gelände. Allerdings war ein starker Abgang von Armbandträgern nach der Hälfte des Sets um Mitternacht nicht zu übersehen.
Nach dem Hauptprogramm weicht in diesem Jahr der Nightpark einer Infinity Nightstage, auf der neben einer Silent Disco das Programm des ersten Festivaltags bis in die Morgenstunden ausklingen soll.
Indes gab es einen ersten offiziellen Ausblick auf das Line Up im kommenden Jahr. 2027 dürften neben dem Rapper Cro die deutschen Hitbands Tokio Hotel und AnnenMayKantereit zu den großen Zugpferden zählen. Als österreichische Acts sind aktuell etwa die Sängerin Mathea sowie die Hip-Hopper Bibiza und Vicky geplant.
Kurz nach der Öffnung des Geländes um 13.30 Uhr bespielten die drei burgenländischen Indie-Rockerinnen lovehead die ersten Ankömmlinge, die großteils in Badegewand – Männer teils oben ohne – vom Campingplatz zur Space Stage pilgerten. Immerhin wurden am Nachmittag Temperaturen von rund 33 Grad verzeichnet. Später wurden die Outfits überwiegend zu Regenponchos, nachdem sich schnell dichte Wolken über den Bühnen bildeten. Allerdings verzog sich das Unwetter am frühen Abend nach rund einer Stunde wieder.
Bei der Anreise, die sich auf mehrere Tage verteilt hat, kam es laut Aussagen vom frühen Nachmittag kaum zu größeren Verzögerungen. Zeitweise habe es am Donnerstag stockenden Verkehr auf den Zufahrten zum Gelände gegeben. „Viele Festivalgäste dürften ihre Anreise aufgrund des Wetters in der vergangenen Nacht auf heute verschoben haben“, teilte der ÖAMTC mit.
Das Rote Kreuz verzeichnete bis Donnerstagmittag 115 Versorgungen – zehn Personen wurden ins Krankenhaus gebracht. Ursachen für die Versorgungen seien vor allem kleinere Verletzungen wie Schürf- und Schnittwunden gewesen oder Verstauchungen, Schmerzen sowie Insektenstiche. Auch aus Sicht der Exekutive sei der Start des Festivals mittags sehr ruhig verlaufen, erklärte Stadtpolizeikommandant Franz Bäuchler.
(Von Klaus Kainz/APA)
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