Der Befund bedeutet allerdings nicht, dass diese Zellpopulation zwangsläufig mit jedem Lebensjahr anwächst. Ein Teilnehmer unter 100 Jahren besaß sogar den höchsten Anteil von CD4 CTLs innerhalb der gesamten Untersuchung. Die starke Vermehrung scheint somit im sehr hohen Alter häufiger zu werden, ist aber weder auf Hundertjährige beschränkt noch ein eindeutiges Kennzeichen jedes außergewöhnlich alten Menschen.
Wenige Zellklone werden besonders häufig
Die Zunahme beruhte zudem nicht einfach auf vielen unterschiedlichen CD4 CTLs. Stattdessen hatten sich bestimmte Zellklone stark vermehrt. Der jeweils häufigste Klon stellte im Mittel 33,3 Prozent der CD4 CTLs eines Teilnehmers. Bei einer hundertjährigen Person entfielen sogar 53,8 Prozent dieser Zellen auf einen einzigen Klon.
Solche Klone tragen denselben T-Zell-Rezeptor und gehen aus der Vermehrung einer gemeinsamen Ausgangszelle hervor. Ihre Dominanz deutet deshalb darauf hin, dass bestimmte Antigene die Immunabwehr wiederholt oder über längere Zeit stimuliert haben. Welche Zielstrukturen diese ungewöhnlich stark vermehrten Zellen tatsächlich erkennen, lässt sich daraus allein jedoch nicht bestimmen.
Hinweise auf eine mögliche Tumorerkennung
Besonders auffällig war der Vergleich der T-Zell-Rezeptoren mit einer öffentlichen Datenbank. Dafür suchten die Forscher nach Sequenzen, die den Rezeptoren des jeweils häufigsten CD4-CTL-Klons eines Teilnehmers ähnelten. Knapp drei Dutzend Übereinstimmungen stammten von Menschen mit Lungen-, Brust- oder Leberkrebs. Bei den untersuchten Hundert- und Superhundertjährigen war keine dieser Krebsdiagnosen bekannt.
Dies liefert einen Hinweis darauf, dass einige der vermehrten CD4 CTLs möglicherweise Zielstrukturen erkennen, die auch bei Krebserkrankungen eine Rolle spielen. Die Ähnlichkeit der Rezeptorsequenzen beweist aber weder, dass sie dasselbe Antigen erkennen, noch dass die Zellen bei den sehr alten Menschen Tumorzellen beseitigt haben. Die genauen Ziele der auffälligen Zellklone sind bislang unbekannt.
Kein Beleg für Schutz vor Krebs
Die Untersuchung erfasste ausschließlich T-Zellen, die im Blut zirkulieren. Sie kann deshalb nicht zeigen, wie sich die ungewöhnlichen CD4 CTLs in Geweben verhalten. Zudem lässt sich aus dem Vergleich von nur 28 Menschen verschiedener Altersgruppen nicht ableiten, ob die starke Vermehrung dieser Zellen zur außergewöhnlichen Langlebigkeit beiträgt oder lediglich eine Begleiterscheinung davon ist.
Auch einen Schutz vor Krebs weist die Studie nicht nach. Als nächsten Schritt will das Team untersuchen, wie sich CD4 CTLs in menschlichen Geweben verhalten. Die bisherigen Daten sprechen vor allem dafür, dass sich das Immunsystem im extrem hohen Alter selektiv umorganisieren kann und einzelne, offenbar wiederholt geforderte T-Zell-Klone stark ausbaut. Ob diese Anpassung tatsächlich zum außergewöhnlich langen Leben beiträgt, bleibt offen.
Quellen:
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20. August 2026
– Robert Klatt