Während der Schwangerschaft ist eine ausreichende Versorgung mit bestimmten Nährstoffen besonders wichtig. Insbesondere auf Folsäure, Jod, Eisen und auch auf n-3-Fettsäuren sollten werdende Mütter der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zufolge achten.

Auch die Bedeutung einer ausreichenden Vitamin-D-Versorgung während der Schwangerschaft wird immer wieder diskutiert. Das fettlösliche Vitamin könnte dabei nicht nur das Risiko für bestimmte Schwangerschaftskomplikationen beeinflussen, sondern möglicherweise auch Jahre später noch mit der Entwicklung des Kindes zusammenhängen. Doch was bewirkt Vitamin D in der Schwangerschaft? Wie könnte das Kind davon profitieren? Und wie viel Vitamin D sollte man einnehmen?

Vitamin D in der Schwangerschaft: Wie wichtig ist eine ausreichende Versorgung?

Vitamin D ist ein essenzielles Vitamin, das unter anderem zur Erhaltung normaler Knochen und Muskelfunktionen beiträgt und an weiteren Stoffwechselvorgängen beteiligt ist, informiert die DGE. Auch während der Schwangerschaft ist eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung wichtig. Nach Angaben der American Pregnancy Association spielt das Vitamin unter anderem eine Rolle bei der gesunden Knochenentwicklung des ungeborenen Kindes. Ein Vitamin-D-Mangel wird zudem mit einem erhöhten Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie einer Präeklampsie in Verbindung gebracht. Auch hinsichtlich Frühgeburten und Infektionen wird ein möglicher positiver Vorteil diskutiert.

Welche langfristigen Vorteile hat Vitamin D in der Schwangerschaft für das Kind?

Vitamin D könnte während der Schwangerschaft nicht nur für die Entwicklung des ungeborenen Kindes wichtig sein, sondern auch langfristig eine Rolle spielen. Darauf deuten zwei Studien hin. Eine im Mai 2026 veröffentlichte Studie von dänischen Forschenden der Universität Kopenhagen untersuchte 498 Kinder im Alter von etwa zehn Jahren. Ihre Mütter hatten während der Schwangerschaft entweder 70 Mikrogramm Vitamin D pro Tag oder 10 Mikrogramm erhalten.

Das Ergebnis: Die Kinder aus der Gruppe mit der hohen Vitamin-D-Dosis schnitten bei Tests zum verbalen und visuellen Gedächtnis besser ab. Auch bei der kognitiven Flexibilität – also der Fähigkeit, das Denken und Verhalten an neue Aufgaben oder Situationen anzupassen – zeigte sich zunächst ein Vorteil. Dieser Unterschied verschwand allerdings nach einer statistischen Korrektur. Bei zahlreichen weiteren Fähigkeiten wie Intelligenz, Aufmerksamkeit oder motorischen Fähigkeiten fanden die Forscher dagegen keine signifikanten Unterschiede. Die höhere Vitamin-D-Dosis machte die Kinder demnach nicht grundsätzlich intelligenter.

Bereits eine 2023 veröffentlichte Beobachtungsstudie eines Gemeinschaftsprojektes US-amerikanischer Universitäten und Forschungskliniken mit 2195 Mutter-Kind-Paaren lieferte einen ähnlichen Hinweis. Die Forschenden verglichen dabei Schwangere mit einem Vitamin-D-Mangel mit Frauen, die während der Schwangerschaft ausreichend mit Vitamin D versorgt waren. Bei den Kindern im Alter von sechs bis 13 Jahren zeigte sich: Ein höherer Vitamin-D-Status der Mutter war mit weniger externalisierenden Verhaltensproblemen verbunden, etwa aggressivem oder impulsivem Verhalten. Da es sich jedoch um eine Beobachtungsstudie handelte, lässt sich daraus kein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang ableiten.

Fazit: Beide Studien liefern interessante Hinweise darauf, dass der Vitamin-D-Status während der Schwangerschaft möglicherweise auch langfristig mit der Entwicklung des Kindes zusammenhängt. Während die Untersuchung aus dem Jahr 2023 einen Zusammenhang mit späteren Verhaltensauffälligkeiten nahelegt, deutet die aktuelle Studie auf bessere Gedächtnisleistungen nach einer höheren Vitamin-D-Supplementierung hin.

Doch bedeutet mehr Vitamin D automatisch mehr Nutzen – oder kann eine hohe Dosis während der Schwangerschaft sogar gefährlich werden?

Hoch dosiertes Vitamin D in der Schwangerschaft: Ist das gefährlich?

Wer während der Schwangerschaft hohe Dosen Vitamin D einnehmen möchte, sollte die geltenden Höchstwerte kennen. In der aktuellen Studie wurde eine tägliche Einnahme von 70 Mikrogramm Vitamin D mit besseren Leistungen beim Gedächtnis im Kindesalter in Verbindung gebracht. Die Dosis liegt damit noch unterhalb des vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) genannten tolerierbaren Höchstwerts von 100 Mikrogramm pro Tag. Schwangere und Stillende sollten diese Menge nicht überschreiten. Bei einer langfristigen Einnahme höherer Dosen können unerwünschte Wirkungen auftreten:

Abnahme der Knochendichte bei älteren Frauen ein erhöhtes Sturzrisiko eine Verschlechterung der Herzfunktion bei Menschen mit Herzerkrankungen

Wer sehr hohe Mengen Vitamin D auf einmal einnimmt, riskiert zudem eine Überdosierung. Eine Vitamin-D-Vergiftung kann dem BfR zufolge diese Symptome auslösen:

Müdigkeit Muskelschwäche Übelkeit Herzrhythmusstörungen Gewichtsverlust

Bei einer längerfristigen Überdosierung können außerdem Nierensteine und Nierenverkalkungen entstehen. Auch die Nierenfunktion kann dadurch beeinträchtigt werden.

Eine zusätzliche Einnahme von Vitamin D empfiehlt die DGE bei Schwangeren und Stillenden grundsätzlich nur dann, wenn eine ausreichende körpereigene Bildung durch Sonnenlicht nicht möglich ist. Das kann beispielsweise in den Wintermonaten, bei weitgehender Bedeckung der Haut oder bei dunkler Hautfarbe der Fall sein. Dann rät die DGE Schwangeren und Stillenden zu einer täglichen Zufuhr von 20 Mikrogramm Vitamin D.