Athen reagiert mit erhöhter Wachsamkeit auf jüngste Warnungen aus Teheran. Nach einem Bericht der Zeitung „Financial Times“ prüft der Iran offenbar die Möglichkeit, US-amerikanische Militärziele in Europa anzugreifen, sollte Washington seine militärischen Operationen gegen die Islamische Republik wieder ausweiten. Besonders im Fokus stehen dabei Ziele in Südosteuropa, darunter in Bulgarien und auf Zypern. Die potenzielle Entwicklung löste auch in Griechenland Besorgnis aus.

Zwei mit dem iranischen Regime vertraute Personen bestätigten der in London erscheinenden „Financial Times“, dass entsprechende Szenarien geprüft worden seien. Nach griechischen Medienberichten steht Verteidigungsminister Nikos Dendias in engem Kontakt mit dem Generalstabschef der griechischen Streitkräfte, General Dimitrios Choupis.

Im Mittelpunkt der Beratungen stehen die Bewertung des aktuellen Bedrohungsgrades, mögliche zusätzliche Maßnahmen zum Schutz griechischer Einrichtungen sowie die Frage, in welcher Form Griechenland befreundete und benachbarte Staaten – insbesondere Zypern und Bulgarien – unterstützen könnte. Das Nachrichtenportal „in.gr“ berichtete unter Berufung auf die aktuellen Entwicklungen, dass auch die Verlegung einer Patriot-Batterie zum US-Stützpunkt Souda auf Kreta geprüft werde.

Griechenland hatte bereits zu Beginn der Eskalation Maßnahmen zur Verstärkung seiner Luftverteidigung eingeleitet. Patriot-Einheiten wurden demnach auf verschiedene Stellungen verteilt, um unter anderem den östlichen Bereich des Athener Fluginformationsgebiets, den südlichen Teil Bulgariens und den Luftraum über Zypern besser abzusichern.

Auch die neue griechische Fregatte „Kimon“ wurde in die regionale Luftverteidigungsarchitektur einbezogen. Die mögliche Verlegung einer Patriot-Batterie nach Souda würde vor allem dem Schutz der dortigen strategisch wichtigen US-Einrichtungen dienen und zugleich die Abschreckungsfähigkeit im östlichen Mittelmeer erhöhen.

In Griechenland wird dabei besonders darauf geachtet, nicht nur das eigene Territorium, sondern auch die sicherheitsstrategische Lage im unmittelbaren Umfeld zu berücksichtigen. Die Sorge in Athen beruht vor allem auf der Befürchtung, dass der Konflikt nicht auf den Nahen Osten begrenzt bleiben könnte. Nach Einschätzung griechischer Sicherheitskreise verfügt der Iran über ballistische Mittelstreckenraketen, mit denen grundsätzlich Ziele in Teilen Südosteuropas erreicht werden könnten.

Die „Financial Times“ bezeichnete die iranische Bedrohung für Ziele in Europa zugleich als „real, aber begrenzt“: Iranische Mittelstreckenraketen könnten zwar gegen US-Einrichtungen in Süd- und Südosteuropa eingesetzt werden, ihre Fähigkeit, Ziele auf größeren Entfernungen präzise und mit großer Wirkung zu treffen, sei jedoch eingeschränkt.

Neben einem direkten Raketenangriff befürchten westliche Sicherheitsdienste auch asymmetrische Operationen. Der Iran könnte versuchen, mit verbündeten oder ihm nahestehenden bewaffneten Organisationen außerhalb seines unmittelbaren Territoriums Druck auszuüben. Das britische Blatt verweist zudem auf Überlegungen Teherans, im Falle einer weiteren Eskalation kritische Infrastruktur wie Unterseekabel im Raum der Straße von Hormuz anzugreifen.

Die iranischen Revolutionsgarden haben darüber hinaus erklärt, dass ausländische Militärbasen, die für Angriffe gegen den Iran genutzt würden, als legitime Ziele betrachtet werden könnten.

Besonders sensibel ist die Lage auf Zypern. Die Insel ist aufgrund ihrer geografischen Nähe zum Nahen Osten und der britischen Sovereign Base Areas in Akrotiri und Dhekelia seit Beginn der Eskalation ein wichtiger Bestandteil der regionalen Sicherheitslage. Die Financial Times nennt Zypern ausdrücklich als mögliches Ziel eines iranischen Vergeltungsschlags. Hintergrund ist unter anderem, dass der britische Luftwaffenstützpunkt Akrotiri bereits im März durch eine Drohne angegriffen wurde.

Auch zypriotische Medien berichten seit Monaten über die wachsende Gefährdung. „Philenews“ meldete nach dem Drohnenangriff auf Akrotiri eine deutliche Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen und berichtete von erhöhter Alarmbereitschaft der Behörden. In einem weiteren Bericht wurde unter Berufung auf die britische Presse darauf hingewiesen, dass die britischen Militärbasen auf Zypern aufgrund ihrer Bedeutung für westliche Operationen besonders exponiert seien.

Die iranische Botschaft in Nikosia hatte bereits zuvor eine scharfe Erklärung veröffentlicht und angekündigt, Teheran werde auf militärische Angriffe „mit Stärke und Entschlossenheit“ reagieren. Diese Rhetorik gewinnt vor dem Hintergrund der jüngsten Warnungen zusätzliche Bedeutung. Gleichzeitig versucht die Republik Zypern, ihre Luftverteidigung und die Sicherheitsmaßnahmen rund um kritische Einrichtungen zu verstärken. „Philenews“ berichtete bereits im März von einer erhöhten Alarmbereitschaft und einer Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen im Zusammenhang mit der Eskalation.

Für Athen ist Zypern dabei nicht nur aus bilateraler Solidarität von Bedeutung. Ein Angriff auf britische oder amerikanisch genutzte Einrichtungen auf der Insel hätte unmittelbare Auswirkungen auf die Sicherheitslage im östlichen Mittelmeer und könnte Griechenland aufgrund seiner geografischen Nähe sowie seiner militärischen und politischen Verbindungen zu Zypern direkt betreffen.

Entsprechend wird in Athen geprüft, wie die eigene Luftverteidigung im Bedarfsfall zur regionalen Stabilisierung beitragen könnte. Die griechische Regierung steht damit vor einem schwierigen Balanceakt. Einerseits soll die Bereitschaft zur Abwehr möglicher Bedrohungen erhöht werden, andererseits will Athen vermeiden, selbst zum unmittelbaren Akteur in einem sich ausweitenden Konflikt zwischen Washington und Teheran zu werden.

Die Diskussion über die Patriot-Systeme in Souda zeigt jedoch, dass die griechischen Streitkräfte die Möglichkeit einer Ausweitung des Konflikts auf den europäischen Raum inzwischen ernst nehmen. Auch das Portal „in.gr“ berichtete über entsprechende Überlegungen und die erhöhte Bereitschaft der griechischen Streitkräfte.

Damit rücken Griechenland, Zypern und Bulgarien in einer neuen sicherheitspolitischen Konstellation näher zusammen. Die jüngsten Berichte bedeuten zwar nicht, dass ein iranischer Angriff auf europäischem Boden unmittelbar bevorsteht. Sie zeigen jedoch, dass Teheran im Falle einer erneuten groß angelegten US-Offensive offenbar bereit ist, über die bisherigen regionalen Grenzen hinauszudenken. Für Athen bedeutet dies vor allem eines: Die Gefahr einer Ausweitung des Konflikts muss bei der Planung der nationalen und regionalen Verteidigung inzwischen ausdrücklich berücksichtigt werden.

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