Zur ethischen Regulierung von KI gehören für den Papst ein robuster Rechtsrahmen und „unabhängige Aufsicht“. Das hat Leo XIV. an diesem Freitag vor Mitgliedern des „International Catholic Legislators Network“ im Vatikan hervorgehoben. Verantwortungsträger müssten KI weise lenken, Nutzer sie aufgeklärt verwenden. Besonderen Schutz brauche die menschliche Familie, führte er aus.

Anne Preckel – Vatikanstadt

Das „International Catholic Legislators Network“ war diese Woche zu seiner Jahrestagung in Frascati bei Rom zusammengetreten. An diesem Freitag besuchten die Teilnehmer den Papst – gemeinsam mit den Kardinälen Christoph Schönborn und Charles Maung Bo, die Schirmherren des Netzwerkes sind.

Papst Leo erinnerte die rund 200 Teilnehmer an ihre Berufung, den Umgang mit der Technologie im Sinne des Gemeinwohls politisch zu gestalten. „Eine fundierte Gesetzgebung sollte wissenschaftliche und technologische Kreativität fördern und zugleich die grundlegenden Menschenrechte und Freiheiten wahren. Sie sollte die Nutzer vor Ausbeutung schützen, die Privatsphäre wahren, Transparenz beim Einsatz neuer Technologien gewährleisten und sicherstellen, dass diese die demokratischen Institutionen stärken.“

Dazu bedürfe es „angemessener rechtlicher Rahmenbedingungen, unabhängiger Aufsicht, Aufklärung der Nutzer und einer Politik, die sich nicht ihrer Aufgabe entzieht“, zitierte der Papst aus seiner KI-Enzyklika „Magnifica Humanitas“ (vgl. Nr. 106). Eine Kontrolle der KI könne lokal, national und international wirken und stelle sicher, „dass nicht eine einzelne Ideologie oder ein einzelnes Interesse die in Systeme der Künstlichen Intelligenz eingebetteten Werte bestimmt“.

„Die entscheidende Frage bleibt dieselbe: Hilft die Technologie den Menschen, geschwisterlicher und verantwortungsbewusster sich selbst und einander gegenüber zu handeln? In dieser Hinsicht bieten die Prinzipien der kirchlichen Soziallehre – die unantastbare Würde jedes Menschen, das Gemeinwohl, die universale Bestimmung der Güter, Subsidiarität und Solidarität – sichere Kriterien für die Urteilsbildung.“

Versuchung der Machtausübung

Papst Leo griff in seiner Rede mehrere Passagen aus seiner KI-Enzyklika „Magnifica humanitas“ auf. Er kritisierte „neue Formen technologischer Abhängigkeit“ zum Nachteil ärmerer Nationen, den Missbrauch von Innovationen als Instrumente ideologischen und wirtschaftlichen Kolonialismus, die „subtile Herrschaft“ der Algorithmen und die Machtkonzentration bei „digitalen Plattformen ohne Rechenschaftspflicht“, die „die Würde der Arbeitnehmer der Optimierung von Systemen unterordnen“.

„Solche Entwicklungen offenbaren ein neues Gesicht der alten Versuchung zu Herrschaft und Machtausübung ohne den Geist des Dienens“, brachte es der Papst auf den Punkt, der betonte, sich bei der Ausrichtung und dem Nutzen der Technologie an der kirchlichen Soziallehre zu orientieren.

„Die Welt braucht keine künstliche Intelligenz, die das Menschsein schmälert; sie braucht vielmehr eine von Weisheit erleuchtete menschliche Intelligenz, eine vom Gewissen geleitete politische Autorität und eine von Nächstenliebe gelenkte technologische Innovation. Nur so wird die künstliche Intelligenz nicht zu einem Rivalen der Menschheit, sondern zu einem Diener des Gemeinwohls.“

Familie schützen

Als besonders schützenswert hob der Papst die menschliche Familie als „Schule der Menschlichkeit“ und Teil einer „Zivilisation der Liebe“ hervor. Die Familie sei ein Gegengewicht zur „Kultur der Macht“, denn sie bilde menschliche Herzen, erziehe zu Nächstenliebe, Mitgefühl und Verantwortung.

„Denn in der Familie lernen wir zuerst Vertrauen vor Kalkül, Großzügigkeit vor Wettbewerb, Dialog vor Spaltung und Liebe vor Macht. Die künstliche Intelligenz darf niemals dazu führen, dass diese Keimzelle der Gesellschaft ausgehöhlt wird – sei es durch die Reduzierung von Menschen und Beziehungen auf Daten und Simulationen, durch die Überflutung junger Geister mit Inhalten, die das Begehren verzerren, oder durch Wirtschaftsmodelle, die das Familienleben wirtschaftlich prekär machen.“

Das „International Catholic Legislators Network“ solle deshalb eine Politik fördern, die Ehe und Familie stärke, Eltern in ihrem Erziehungsauftrag unterstütze und jungen Menschen ermögliche, „zuversichtlich in die Zukunft zu blicken“.

Herausforderungen, Chancen .. und Kontrolle

Das Thema der Jahrestagung des „International Catholic Legislators Network“ war in diesem Jahr „Menschenwürde und künstliche Intelligenz: Herausforderungen, Chancen und Kontrolle“. Das 2010 in Trumau, Österreich, gegründete ICLN will Politiker und Gesetzgeber international vernetzen, die Prinzipien der katholischen Soziallehre ernstnehmen. Die ICLN-Konferenz samt üblicherweise Papstaudienz findet jährlich statt.

(vatican news – pr)