„Zum 80. Geburtstag durften wir die Festspiele so erleben, wie sie sein sollen.“ Hans-Peter Metzler, Präsident der Bregenzer Festspiele, strahlt bei der Abschlusskonferenz der Festspiele übers ganze Gesicht. Grund dafür hat er: Sollten – Stand Freitagnachmittag – die drei Vorführungen von „La traviata“ am Wochenende wie geplant über die Seebühne gehen, wäre 2026 mit 273.000 Besuchern ein Rekordjahr. Nach einem trockenen und für Freilichtoper wahrlich perfekten Sommer, gab es am vergangenen Donnerstagabend die erste Absage der Saison wegen Gewitter. Doch auch wenn der Besucherrekord aus dem Jahr 2018 wegen weiterer Regenabsagen nicht geknackt werden sollte, sind die Verantwortlichen der Festspiele mit der vorläufigen Bilanz mehr als zufrieden.
Zum Jubiläum hatte sich Intendantin Lilli Paasikivi ein besonderes Geschenk ausgedacht. Beim Singalong am 1. August war das Publikum auf der Tribüne nicht zum Zuhören gekommen, sondern um selbst zu singen. Vor allem Chöre aus der Region, aber auch von weiter her, mehr als 6000 Sängerinnen und Sänger, schmetterten zusammen mit den Solisten auf der Bühne berühmte Opernchöre. „Wie wussten nicht, ob es funktioniert, aber wir wollten den Geburtstag mit denen feiern, die wesentlich zum Erfolg beitragen: mit unserem Publikum“, so Paasikivi. Ob diese erfolgreiche Veranstaltung wiederholt wird, kann Pressesprecherin Babette Karner noch nicht sagen. Für das kommende Jahr schließt sie es allerdings aus.
Volle Ränge dank Seebühnen-Erfolg und breitem Programm
„Wenn die Lokomotive Seebühne funktioniert, zieht das auch die anderen Produktionen mit“, sagt der kaufmännische Direktor der Festspiele, Michael Diem. Tatsächlich begeisterte die emotionale Aufführung von „La traviata“ auf dem See vor allem Opernliebhaber und diejenigen, denen der „Freischütz“ im vergangenen Jahr zu verspielt war. Ausverkauft waren alle 28 Aufführungen ohnehin bereits seit Ostern.
Doch auch die anderen 50 Produktionen hatten eine fast 100-prozentige Auslastung. So waren die vielgelobten Aufführungen von Leoš Janáčeks Oper „Die Ausflüge des Herrn Brouček“ im Festspielhaus mit 98 Prozent fast ausverkauft, ebenso das Chorkonzert „Im Herzen des Barock“ mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und die Musiktheater auf der Werkstattbühne: „The Passion of the Common Man“, „Bach Nirvana“ und „YUM!“. „Es ist wichtig, dass wir auch Neues schaffen und jungen Künstlern eine Chance geben“, betont Lilli Paasikivi. Weshalb es in der kommenden Saison auch wieder ein Opernstudio geben werde.
Budgetkürzungen zwingen zu Fokus auf Musiktheater
Dennoch wird die Programmplanung für den kommenden Sommer keine Auflage von „das hatten wir schon immer so“. Denn schon 2025 wurden die Subventionen von Bund, Land und der Stadt Bregenz um 30 Prozent gekürzt, was eine Einbuße von jährlich 2,1 Millionen Euro bedeutet. „Wir müssen im nächsten Jahr ein bisschen vorsichtiger sein“, formuliert es der Herr der Finanzen, Micheal Diem, ebenfalls vorsichtig. Was schon feststeht, ist, dass die Kooperation mit dem Wiener Burgtheater ausgesetzt wird, auch wenn deren Vorführungen von „Der eingebildete Kranke“ in diesem Jahr ebenfalls zu 98 Prozent ausverkauft waren. Man wolle sich auf das Musiktheater konzentrieren, die DNA der Festspiele. Die kulturelle Vielfalt der Programmpunkte soll allerdings erhalten bleiben, so Babette Karner.
Der Anstieg bei den Ticketpreisen soll lauf Diem moderat blieben und unterhalb der Inflationsrate liegen. Neu ist, dass Karten für die Seebühne, wo im zweiten Jahr „La traviata“ gespielt wird, bereits ab dem letzten Spieltag am kommenden Sonntag gekauft werden können. Auch die Oper im Festspielhaus, wo Paasikivi in alter Tradition auf selten gespielte Raritäten setzt, steht bereits fest. Es ist Othmar Schoecks „Penthesilea“, deren Premiere am 21. Juli die Bregenzer Festspiele 2027 eröffnen wird. Am 22. Juli folgt die Wiederaufnahme von Verdis Oper, 2028 steht Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ auf dem Programm.
Der Vorverkauf für 2027 startet am 23. August 2026 um 21 Uhr unter www.bregenzerfestspiele.com und Tel. 0043/5574-4076.