Jane Schoenbrun sorgte vorletztes Jahr mit dem Film I Saw the TV Glow für Aufsehen. Ein kryptischer Genre-Remix, der die Ästhetik übernatürlicher 90er-Serien wie Buffy verwendete, um über unausgelebte Queerness zu reden. Kein Wunder also, dass auch der Folgefilm Teenage Sex and Death at Camp Miasma viel mehr will, als nur einen Meta-Slasher über das Reboot eines fiktiven Horror-Franchise auf die Leinwand zu bringen.
Wer mitreden möchte, was einen der originellsten Filme des Jahres angeht, kann ab dem 20. August ein deutsches Lichtspielhaus des Vertrauens aufsuchen. Und das solltet ihr auch – nicht nur, weil der Film auf Rotten Tomatoes einen furchtbar positiven Kritiken-Score von 96 Prozent vorweist.
Horror-Highlight Teenage Sex and Death at Camp Miasma im Kino: Dem kleinen Tod auf der Spur
Die junge Filmemacherin Kris (Hacks-Star Hannah Einbinder) wird von einem Hollywood-Studio angeheuert, dem klassischen Horror-Franchise Camp Miasma neues Leben einzuhauchen. Der langjährigen Filmreihe, in der seit den 80ern ein Slasher namens Little Death sein mörderisches Unwesen treibt, will sie ein reflektiertes Elevated-Horror-Update in Form eines Reboots verpassen, das auch die problematischeren Aspekte des Originals adressiert. Dann kommt jedoch alles anders als erwartet.
Teenage Sex and Death at Camp Miasma – Trailer (English) HD
Zur Recherche besucht Kris das allererste Final Girl der Reihe, Billy Presley (Akte X-Star Gillian Anderson), die mittlerweile zurückgezogen in der alten Camp Miasma-Location lebt, wo sie Little Death ein Museum gewidmet hat. Vom akademisierten Ansatz der Regisseurin hält der Originalstar wenig, will aber trotzdem mit ihr zusammenarbeiten, denn über ihre Liebe zum Horror finden die beiden Frauen auf ungeahnte Weise zueinander.
Aber stimmt es wirklich, dass Little Death immer wieder zurückkehrt? Und was hat es mit dem Loch am Boden des Sees auf sich, aus dem die Filme kommen? Ein orgasmischer Showdown voller Höhepunkte kündigt sich an.
Horror-Hommage und queere Kino-Kunst
Wie ihr vielleicht ahnt, ist Teenage Sex and Death at Camp Miasma kein reiner Meta-Slasher wie Scream oder Freddy’s New Nightmare, der einen fiktiven Killer auf die „echten“ Protagonistinnen loslässt. Trotzdem trieft der stilisiert in Szene gesetzte Genre-Liebesbrief nur so vor aufrichtiger Verehrung von Genre-Vertretern à la Freddie Krueger, Jason Voorhees und Angela Baker (aus Blutiger Sommer), während Schoenbrun und Protagonistin Kris in Echtzeit die Diskrepanz zwischen der schieren Freude am Massaker und den queer-feministischen Ansprüchen verhandeln.
Dabei hätte leicht ein zu Tode reflektierter Film herauskommen können, wie Einbinders Filmfigur ihn womöglich aus dem Camp Miasma-Reboot gemacht hätte. Das Ergebnis ist aber viel mehr Candy als Kaviar, wie auch Moviepilot-Chefredakteurin Jenny Jecke in ihrem Film-Check aus Cannes attestierte: „Trotz des ganzen konzeptuellen Gepäcks, das Kris durch den Schnee zur Villa schleift, obsiegt die pure Freude an Blutfontänen. In Teenage Sex and Death at Camp Miasma ist der Horror nämlich ein Mittel zur Befreiung: von der Scham und vom Druck, die großen Vorbilder zu kopieren.“
Nehmt also am besten sowohl euren B-Horror-Filmclub, als auch den Gender-Studies-Lesekreis mit in den Film.