21.08.2026 – Am 22. Juli brach in Saumos, im Gebiet des Regionalen Naturparks Landes de Gascogne im Südwesten Frankreichs ein Feuer aus. Auslöser war möglicherweise eine Maschine zur Vegetationspflege, das Funken versprühte oder Feuer fing. In der Folge wurden Debatten laut, deren Einsatz in Hitze- und Trockenphasen grundsätzlich zu verbieten. Denn vorherige und bestehende Hitzewellen und Dürre in Verbindung mit starkem Wind sorgten dafür, dass sich das Feuer rasant ausbreitete.
Mit dem Wind breitete sich das Feuer zunächst in Richtung Südwesten aus. In der vor allem bei Campern beliebten Urlaubsregion an der Atlantikküste, mussten zunächst tausende Urlauber in und bei Le Porge, Lège-Cap-Ferret und der Bucht von Arcachon evakuiert werden. Dann drehte der Wind. Es entstand zwischenzeitlich ein pyrocumulonimbus, ein durch den Brand selbst erzeugtes Gewitterwolken-System. Dessen Blitze und starke Winde beschleunigten die Ausbreitung zusätzlich.
Die Gegend um Lacanau musste ebenfalls evakuiert werden und rasch breitete sich das Feuer in Richtung Bordeaux aus. In Vororten der Stadt mussten Menschen ebenfalls ihre Häuser räumen, der Flughafen war zweitweise gesperrt. Mit über 220.000 Menschen stemmte Frankreich die größte Evakuierungsmaßnahme in ihrer Geschichte. Mehrere europäische Länder eilten mit Löschflugzeugen und Rettungskräften zu Hilfe. Bis das Feuer Anfang August eingedämmt werden konnte, brannte eine Fläche von 420 Quadratkilometern ab – zum Vergleich: Die Großstadt Köln hat eine Fläche von 405 km2.
Heiße, trockene und windige Bedingungen
Das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung hat, mit Beiträgen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, nun ermittelt, wie stark sich die zunehmend heißen, trockenen und windigen Bedingungen infolge des Klimawandels auf das Ausmaß betroffener Flächen von Waldbänden in Europa auswirken könnte.
In einem Szenario einer weiteren Globalen Erwärmung um 1,8 Grad bis Ende des Jahrhunderts würde dann jährlich etwa 39 Prozent mehr Fläche verbrennen als im heutigen Durchschnitt. Es ist ein Szenario, dass den unteren Bereich dessen markiert, wie stark die Temperaturen im globalen Mittel ansteigen werden, sollten alle Staaten ihre selbst gesetzten Klimaziele einhalten.
Sollte die globale Durchschnittstemperatur jedoch um 3,6 Grad ansteigen, auch das ein realistisches Szenario, könnten sich von Waldbrand betroffene Flächen fast verdreifachen, um 192 Prozent. PIK-Forscher Maik Billing ist Leitautor der Studie, er sagt: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die verbrannte Fläche selbst bei einer vergleichsweise geringen Erwärmung um etwa 1,8 °C deutlich zunehmen könnte. Wenn wir jedoch mehr Emissionen verursachen und die globalen Temperaturen um etwa 3,6 °C steigen, werden Brände wesentlich häufiger auftreten, insbesondere im Mittelmeerraum sowie in weiten Teilen West- und Mitteleuropas, einschließlich Gebieten, in denen es bisher kaum Brände gab.“
Auslöser: menschliche Aktivitäten
Während der Klimawandel die Ausbreitung von Bränden begünstigt, sind es fast ausschließlich menschliche Aktivitäten, die Auslöser der Brände sind – konkret in 96 Prozent der Fälle. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung hat in diesem Zuge ermittelt, inwieweit Prävention, Erkennung und Bekämpfung von Bränden helfen können, deren Flächeninanspruchnahme zu mindern. Das Ergebnis: Kontinuierliche Verbesserungen im Brandmanagement könnten die Brandfläche in einem 1,8 Grad-Szenario um 92 Prozent und bei etwa 3,6 Grad Celsius um 72 Prozent reduzieren.
Senckenberg-Forscher und Co-Autor der Studie Thomas Hickler, kommentiert: „Unsere Szenarien zeigen, dass höhere Investitionen in das Waldbrandmanagement in Europa, etwa in die Ausbildung von Einsatzkräften, eine angemessene Ausrüstung und eine gute Koordination, z. B. zwischen Forstwirtschaft, Naturschutz und Feuerwehr, einen erheblichen Unterschied bewirken können.“ Sollten die Brände jedoch wirklich extreme Ausmaße annehmen, könnte unsere Fähigkeit, sie einzudämmen, an ihre Grenzen stoßen, so Hickler. „Wir wissen noch nicht, wann dieser Punkt erreicht ist. Die jüngsten Rekordbrände in Frankreich zeigen deutlich, dass wir das nicht einfach aus den Erfahrungen der Vergangenheit ableiten können.“
Prävention wird angegangen
Beim Großfeuer im Department Gironde wurden, neben der direkten Bekämpfung der Brandherde zu Luft und am Boden, kilometerlange Schneisen in die Wälder geschlagen, um die Ausbreitung zu stoppen – Medienberichten zufolge waren es bis zu 50 Meter Breite Schneisen auf einer Länge von rund 150 Kilometern. Teilweise hatte die Maßnahme Erfolg, teilweise aber überwanden Funken die Barrieren.
Für die Zukunft wird darüber diskutiert die Anlage von Brandschneisen auf nationaler Ebene verpflichtend zu machen und im Forstgesetz zu verankern. Aus einem zu errichtenden Fonds könnten Eigentümer der Gebiete entschädigt werden. Zudem wird der Umbau der Wälder diskutiert, weg von der Monokultur schnell wachsender aber leicht brennbarer Pinien, hin zu einem Mischwald.
Auch soll es striktere Einschränkungen bei Extremwettern, wie Dürre geben, mit dem Verbot bestimmter Maschinen und dem Betreten von sensiblen Naturflächen durch den Menschen. Zudem sollen Frühwarnsysteme verstärkt und Maschinen zur Brandbekämpfung aufgestockt werden – eine Maßnahme, die schon seit verheerenden Bränden im Jahr 2022 in Angriff genommen wurde. mg