
AUDIO: Malaria: Frischt künftig jeder Mückenstich die Impfung auf? (4 Min)
Impfung
Stand: 22.08.2026 10:35 Uhr
Beinahe jede Minute stirbt weltweit ein Kind an Malaria, die meisten auf dem afrikanischen Kontinent. Die Gesundheitsversorger vor Ort haben große Probleme mit Resistenzen, Medikamente verlieren ihre Wirkung. Umso wichtiger sind Impfungen gegen Malaria. Die jüngste Erfolgsmeldung dazu stammt aus Australien: Man habe eine neue Impfung entwickelt, heißt es da. Die sorge auch dafür, dass jeder neue Stich der Malariamücke die Immunität weiter stärkt. Ist das ein Gamechanger?
Malaria ist eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt: Ausgelöst wird sie durch winzige Parasiten, die von Mücken übertragen werden. Nach dem Stich gelangen sie über die Leber ins Blut, wo sie dann Symptome auslösen. Das Impfprinzip nutzt diesen Weg durch den Körper, um ihn gegen die Parasiten immun zu machen, erklärt der Tropenmediziner und Infektiologe Peter Kremsner vom Universitätsklinikum Tübingen: „Die Parasiten werden gespritzt und dann mit einem – in diesem Fall neuen – Anti-Malariamittel behandelt. Sie sind schon in der Leber und können eine Immunantwort auslösen.“ Das führe dann auch zu einem Immunschutz.
Prinzip weder neu noch innovativ
Der Malaria-Erreger bleibt also so lange im Körper, dass das Immunsystem ihn kennenlernen kann. Die Krankheit selbst bricht aber nicht aus, weil ein Medikament ihn quasi in letzter Minute abtötet. Parasit und Wirkstoff werden also zeitversetzt verabreicht Die australischen Forscher wollen den idealen Zeitpunkt dafür gefunden haben.
Was ist Malaria?
Malaria ist eine Infektionskrankheit, die durch einzellige Parasiten ausgelöst wird. Sie werden durch den Stich infizierter Anopheles-Mücken übertragen. Die Parasiten gelangen zunächst in die Leber und anschließend ins Blut. Typisch sind Fieber, Schüttelfrost und starke Abgeschlagenheit. Unbehandelt kann Malaria besonders für kleine Kinder lebensgefährlich sein.
Doch Kremsner zeigt sich von dieser Meldung nicht beeindruckt. Das Prinzip sei weder neu noch innovativ, sagt er: „Das ist zwar ganz schön und das Malariamittel ist auch neu, aber davon gibt es auch einige andere.“ Das Konzept der Abschwächung – auch als Chemoattenuierung von Malariaparasiten bekannt – sei beileibe nicht neu. Schon seit Langem werde es in vielen Versuchen weltweit angewendet. Doch es war tatsächlich das Forschungsteam von Kremsner selbst, das die ersten Versuche dieser Art gemacht hat, erzählt er. Vor mehr als zehn Jahren habe man schon zeigen können, dass das Prinzip beim Menschen funktioniert – mit Schutzraten von bis zu 100 Prozent.

Was macht die Malaria-Impfung so kompliziert?
Die Impfung gegen Malaria ist schwierig, weil der Erreger ständig seine Form verändert und herkömmliche Impfungen an ihre Grenzen kommen. Bei der neuen Impf-Art kommt es aber auf das Timing an, erklärt der Tübinger Infektiologe: „Je später die Medikamente einsetzen mit der Wirkung, desto besser funktioniert diese Art von Immunisierungsstrategie oder Vakzinierung.“ Auch das haben sowohl sein Team als auch andere Forschende bereits zeigen können, betont Kremsner.
Das Impfprinzip
Bei einer „chemoattenuierten Impfung“ bekommt man lebende Malaria-Parasiten – zusammen mit einem Medikament, das ihre Entwicklung stoppt, bevor sie krank machen können. So hat das Immunsystem Gelegenheit, den Erreger kennenzulernen und eine Abwehr aufzubauen. Wird der Körper später erneut mit Malaria-Parasiten infiziert, kann das Immunsystem schneller reagieren und die Erreger bekämpfen.
Neu an ihrer Impfung sei vor allem, dass sie weniger Parasiten verabreichten als bisher und die auch nicht genetisch abschwächten. Deshalb sorge jeder neue Stich für eine solide neue Immunisierung, so die Australier. Das Problem: Bisher haben die Forschenden das nur in Mäusen gezeigt. Doch bei Malaria ist vieles nicht übertragbar. Wenn etwas in der Maus geht, funktioniert es noch lange nicht beim Menschen, bilanziert Kremsner.
Jeder Stich soll Immunität auffrischen

Aber ist dann am Versprechen der Auffrischung durch den Stich überhaupt etwas dran? „Das ist schwer zu beweisen“, sagt Kremsner. „Aber das kann gut so sein. Das trifft aber dann auch für die anderen Ansätze, die schon geprüft wurden, genauso zu, dass jede weitere Infektion dann zu einer gewissen Auffrischung einer Immunantwort führt.“ Das sei auch bei den Menschen zu beobachten, die in den Tropen aufwachsen, erklärt der Mediziner. „Dort bekommt man immer wieder Malaria und und irgendwann gibt es eine natürliche Immunisierung durch die Infektionen und die durchgemachten Malaria-Episoden.“
Damit man diese Teilimmunität behält, braucht es aber häufige Reinfektion, ergänzt der Tropenmediziner. Afrikanische Studierende in Deutschland würden sie nach nur zwei, drei Jahren schon verlieren. In jedem Fall ist das Prinzip der „chemoattenuierten Impfung“ realistisch. Dass sie noch nicht auf dem Markt ist, liegt Kremsner zufolge eher an praktischen Gründen: Die Parasiten aus den Mücken zu isolieren sei aufwändig und teuer – und für Forschungsansätze, die ohne auskommen fehle das Geld für große Sprünge.

Steel, Ryan W. J. et al.: Chemovaccination with a late-liver-stage antimalarial induces durable immunity against malaria. In: Science (2026). DOI: 10.1126/science.aea7605.