Computeranimation wie bei einem 30 Jahre alten PlayStation-Spiel vom Schwarzmarkt und Synchronstimmen, die wie in einer alten Telefonzelle aufgenommen klingen. Das sind die Zutaten des DIY-Animationsfilms Niu Lai (Die Kuh kommt), den ein chinesisches Mutter-Sohn-Duo namens Sun Lifang und Xin Yumeng im Alleingang produziert hat. Nur würden wir euch kaum davon berichten, wenn es sich dabei nicht gleichzeitig um das wohl profitabelste Filmprojekt aller Zeiten handeln würde.
Gegen diese Mega-Marge kommt nicht mal der chinesische Überfliegerfilm Ne Zha 2 an, der letztes Jahr mit weit über 2 Milliarden US-Dollar zum weltweit erfolgreichsten Film des Jahres wurde. Aber was hat es mit dieser Cash-Cow aus China auf sich?
Das goldene Kalb der Kinokassen: China kriegt nicht genug vom Lachnummer-Film
Wie Reuters meldet, hat Niu Lai bei einem überschaubaren Budget, das nicht höher als umgerechnet 200 US-Dollar gewesen sein soll, bereits das Äquivalent von über 4 Millionen Dollar eingespielt – etwa das 20.000-fache! Und das, nachdem der Film über ein Kalb, das kaum laufen kann und nach einer grüneren Wiese sucht, seinem Aufwand und Antlitz entsprechend in der ersten Woche floppte. Dann schaltete sich die geballte Macht des chinesischen Internets ein, die das amateurhafte Animationsabenteuer mit einer gehörigen Prise Ironie boosteten und zum Erfolg brachten.
In chinesischen Kinos spielen sich Szenen ab, die zuweilen an das kulturelle Phänomen des Minecraft Films erinnern. Junge Menschen füllen in Scharen die Lichtspielhäuser und sind Teil einer Bewegung, die sich der Absurdität durchaus bewusst ist. „In einem vollen Kino voller Fremder wird es zu einem wirklich interaktiven, immersiven Gemeinschaftserlebnis“, kommentierte Regisseur Remo Zhu gegenüber dem Nachrichtendienst.
Mittlerweile gibt es neben unzähligen Memes, die das chinesische Netz fluten auch jede Menge Merch mit den liebenswert unattraktiven Charakteren aus Niu Lai. Aber hinter dem unverhofften Erfolg der kleinen Kuh steckt noch viel mehr.
Lieber die CGI-Kuh statt KI und Kontrolle
Die trashige Kino-Kuh zum Hit zu machen, ist nicht nur Kinokassen-Shitposting, das man mit seinem Geld befeuert. Hinter dem Abfeiern des minderwertigen Films steckt eine echte Rebellion. Gegen aufgeblasene Blockbuster und vor allem gegen KI. Das betont auch der Historiker Tong Bingxue, der den Erfolg von Niu Lai seit jeher auf X mitverfolgt und trackt: „Viele Leute haben das Gefühl, dass es im Zeitalter der KI ehrlich und weitaus kraftvoller ist, Filmemacher zu haben, die noch an ‚handgemachter‘ Animation und echter Mühe festhalten, anstatt an polierten, aber inhaltsleeren Produktionen.“ Egal, wie krude dieses Gegenangebot aussieht, wie man sieht.
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Das Phänomen erinnert auch an das Box-Office-Jahr hierzulande und in den USA. Während die großen Studios zwar jetzt mit Spider-Man: Brand New Day einen großen Hit an der Hand haben, bevorzugte vor allem das junge Publikum in der ersten Jahreshälfte handgemachte und relativ kostengünstige Horrorfilme wie Backrooms und Obsession – Du sollst mich lieben (der das etwa 500-fache seines Budgets einspielte), während Blockbuster wie Star Wars: The Mandalorian and Grogu hinter den Erwartungen zurückblieben.
Die kleine Kuh aus Niu Lai machte aber nicht nur an der Kinokasse halt. Wie Reuters ebenfalls berichtet, setzen chinesische Meme-Investor:innen derzeit auf allerlei Unternehmen, die eine Kuh als Logo haben – um dem Kinokalb auch auf diese Weise zu huldigen. Ob das jedoch zu einem Bullenmarkt führen wird, bezweifeln menschliche Finanzexperten.