
AUDIO: Diabetes-Typ-2: Zahl der Jugendlichen steigt stark an (2 Min)
Kinderkrankheit
Stand: 22.08.2026 14:20 Uhr
Typ-2-Diabetes wurde lange Zeit vor allem mit Menschen mittleren und höheren Alters in Verbindung gebracht. Doch dieses Bild verändert sich. Eine aktuelle Langzeitstudie aus den USA zeigt, dass die Zahl der Neuerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark gestiegen ist. Die Entwicklung wirft auch die Frage auf, ob sich ein ähnlicher Trend in Deutschland beobachten lässt. Gerade für Mitteldeutschland wären die Folgen dramatisch, da die Zahl der Typ-2-Diabetes bereits heute deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegen.
Forschende des Colorado Diabetes Registry haben die Entwicklung von Diabetes-Erkrankungen bei jungen Menschen unter 20 Jahren zwischen 2002 und 2023 untersucht. Ihr Ergebnis: Während die Zahl der Neuerkrankungen mit Typ-1-Diabetes nur leicht zunahm, stieg die Inzidenz von Typ-2-Diabetes bei 10- bis 19-Jährigen nahezu um das Zehnfache.
US-Studie: Verzehnfachung innerhalb von zwei Jahrzehnten
Lag die Rate im Jahr 2002 noch bei 2,37 Neuerkrankungen pro 100.000 Jugendliche, erreichte sie 2023 bereits 22,3 Fälle pro 100.000. Besonders auffällig: Seit 2014 beschleunigte sich der Anstieg nochmals deutlich.
Die Autoren warnen, dass Typ-2-Diabetes bei Jugendlichen oft aggressiver verläuft als bei Erwachsenen. Komplikationen an Herz, Nieren, Augen oder Nerven könnten dadurch bereits in jungen Jahren auftreten. Dennoch bestehe das Risiko, dass „der Diabetes eines jungen Menschen übersehen oder falsch behandelt wird“, sagt Tessa Crume von der Colorado School of Public Health in Aurora, Colorado, USA, die Hauptautorin der Studie. Eine alleinige Lebensstiländerung hätte sich bei Jugendlichen als deutlich weniger wirksam erwiesen als bei Erwachsenen, so Crume weiter. „Und viele junge Patienten benötigen Medikamente und haben dennoch Schwierigkeiten, ihren Blutzucker zu kontrollieren.“

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Deutschland: Noch deutlich niedrigere Zahlen, aber gleicher Trend
Von einer solchen Entwicklung ist Deutschland zwar noch weit entfernt. Die Richtung ist jedoch dieselbe. Nach Daten der Diabetes-Surveillance des Robert Koch-Instituts erkrankten zwischen 2014 und 2022 jährlich durchschnittlich rund 230 Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren neu an Typ-2-Diabetes. Die Inzidenz lag im Mittel bei 4,4 Fällen pro 100.000 Personenjahren.
Besonders bemerkenswert ist die zeitliche Entwicklung: Die Neuerkrankungsrate stieg im Untersuchungszeitraum um durchschnittlich 6,7 Prozent pro Jahr. Bei Jungen war der Anstieg mit zwölf Prozent jährlich sogar noch ausgeprägter. Im Pandemiejahr 2021 wurden die höchsten Werte beobachtet.
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft geht davon aus, dass im Jahr 2022 bereits rund 1.000 Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren mit Typ-2-Diabetes lebten. Fachleute sehen vor allem die steigende Verbreitung von Übergewicht und Adipositas als wesentliche Ursache.

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Mitteldeutschland besonders betroffen
Für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen liegen keine vergleichbar detaillierten Jugenddaten vor. Bei Erwachsenen zählen die drei Länder jedoch seit Jahren zu den Regionen mit der höchsten Diabetesbelastung Deutschlands.
Laut AOK-Gesundheitsatlas waren 2024 in Sachsen-Anhalt 15,93 Prozent der erwachsenen Bevölkerung von Typ-2-Diabetes betroffen. Thüringen folgte mit 14,63 Prozent, Sachsen mit 13,91 Prozent. Der bundesweite Durchschnitt lag bei 11,21 Prozent.
Bereits frühere Analysen hatten gezeigt, dass Sachsen-Anhalt bundesweit zu den Regionen mit den höchsten Neuerkrankungsraten zählt. Auch die Barmer bezeichnete das Land zuletzt als bundesweiten Spitzenreiter bei Typ-2-Diabetes.
Experten sehen darin ein Warnsignal. Regionen mit einer hohen Verbreitung von Übergewicht, Bewegungsmangel und sozial bedingten Gesundheitsrisiken bei Erwachsenen könnten langfristig auch stärker von Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen betroffen sein. Belastbare regionale Zahlen fehlen bislang jedoch.

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Prävention rückt stärker in den Fokus
Die neuen Daten aus den USA und Deutschland zeigen übereinstimmend, dass Typ-2-Diabetes längst keine reine Alterskrankheit mehr ist. Zwar bleibt die Erkrankung bei Jugendlichen insgesamt selten, die Entwicklung weist jedoch nach oben.
Mediziner fordern daher verstärkte Präventionsmaßnahmen bereits im Kindesalter. Dazu gehören mehr Bewegung im Alltag, gesündere Schulverpflegung, weniger stark verarbeitete Lebensmittel und eine frühzeitige Unterstützung von Familien bei Übergewicht und Adipositas. Denn je früher Typ-2-Diabetes beginnt, desto länger sind Betroffene dem Risiko schwerer Folgeerkrankungen ausgesetzt.
gp