Lesen Sie hier in einer Arbeitsübersetzung von Radio Vatikan, was Papst Leo XIV. in seiner Predigt bei der heiligen Messe am Hafen von Rimini gesagt hat. Sämtliche Wortmeldungen der Päpste und die jeweiligen Übersetzungen finden Sie auf vatican.va.
Beim 47. Meeting von Rimini steht auch das Heilige Land im Mittelpunkt. Die Fondazione Terra Santa bringt vom 21. bis 26. August Begegnungen, Konzerte und kulturelle Initiativen in …
Liebe Brüder und Schwestern,
es erfüllt mich mit großer Freude, diese Eucharistie mit euch und für euch – die Kirche von Rimini – feiern zu dürfen. Ich tue dies am Ende eines ereignisreichen Tages, an dem ich die Republik San Marino und das „Meeting für die Freundschaft unter den Völkern“ besuchen durfte.
Nun, da wir in den Tag des Herrn eintreten, ist der Augenblick gekommen, das Geheimnis zu feiern, das allem seinen tiefsten Sinn gibt und zugleich Höhepunkt und Quelle unseres gesamten pastoralen Handelns ist.
Im Evangelium, das wir gerade gehört haben (vgl. Mt 16,13-20), fragt Jesus seine Jünger: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ (V. 15). Petrus antwortet im Namen aller: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (V. 16). Auch wir sind nach zwei Jahrtausenden gerufen, dieses Glaubensbekenntnis zu bekräftigen: Wir sind hier, weil wir glauben, dass Jesus der Messias ist, der ewige Sohn des Vaters, geweiht und in die Welt gesandt, „um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ (Mt 20,28).
Ja, liebe Freunde, in den Worten des Petrus erkennen wir die Wahrheit, die uns mit Freude und Hoffnung erfüllt, und so finden wir auch den Weg, der zum Leben führt: den Weg Gottes, der sich in den Dienst des Menschen stellt (vgl. Phil 2,5–8); den Weg des Meisters, der sich niederbeugt, um den Jüngern die Füße zu waschen (vgl. Joh 13,12–15); den Weg des Hirten, der sich hingibt für seine Herde (vgl. Joh 10,11). In diesem Licht wollen wir die Geste Jesu betrachten, der Petrus die Schlüssel übergibt (vgl. Mt 16,19-20). Denn in der Kirche ist Autorität Dienst.
„Unsere Berufung besteht darin, uns Christus, dem Armen, Christus, dem Diener, Christus, dem Christus, der die Sünden der Welt sühnt, gleichgestalten zu lassen“
Der Papst, die Bischöfe, die Priester und die Diakone sind als Erste dazu berufen, dies zu leben. Ihnen soll sich das ganze Volk Gottes anschließen – jeder entsprechend seiner Berufung. Der Diener Gottes Don Oreste Benzi hat dies in eurer Mitte auf eindrucksvolle Weise bezeugt. „Unsere Berufung besteht darin, uns Christus, dem Armen, Christus, dem Diener, Christus, dem Christus, der die Sünden der Welt sühnt, gleichgestalten zu lassen,“ hat er gesagt. „Christus, dem menschgewordenen Gott, der lebt in unserer Mitte, in einer unmittelbaren Form der Teilhabe, ausgehend von den Letzten“ (Con questa tonaca lisa, hg. von Valerio Lessi, Bologna 1991, S. 42.)
In der Kirche betrifft der Auftrag, zu „binden“ und zu „lösen“, nämlich all jene, die im Namen des Herrn gerufen sind, Verantwortung und Autorität auszuüben. Aber er beschreibt auch einen Lebensstil und eine Aufgabe, die jeden Getauften betreffen: die Menschen anzunehmen, zusammenzuführen, willkommen zu heißen, zu befreien, zu vergeben – und jedem, der in der Sünde und ihren Folgen gefangen ist, dabei zu helfen, frei zu werden. So sollen wir zu gerechten und weisen Verwaltern der Gaben werden, die uns Gott anvertraut hat, damit alles in der Liebe zum Wohl aller beitragen kann.
In der ersten Lesung (vgl. Jes 22,19-23) hat uns der Prophet Jesaja von Schebna berichtet: einem Verwalter, dem König Hiskija ein großes Projekt zur religiösen, moralischen und sozialen Erneuerung Jerusalems und des Königreichs Juda anvertraut hat. Aus Ehrgeiz und Habgier hat dieser mächtige Mann jedoch begonnen, die ihm übertragene Autorität zu missbrauchen, Reichtümer für sich selbst und seinen Kreis aus Freunden und Verwandten anzuhäufen und über die Menschen zu herrschen. Er hatte vergessen, dass das Wichtigste an dem Vorhaben, in das ihn sein Herr einbezogen hatte, nicht die finanziellen Mittel und die Macht waren, sondern die Möglichkeit, durch sie einen Plan der Erneuerung zum Wohl der gesamten Gemeinschaft voranzutreiben. Deshalb wurde er seines Amtes enthoben und man hat seine Mission Eliakim anvertraut, einem ehrlichen Mann, frei von Beeinflussungen – nach den Worten des Propheten (vgl. Vers 23): rechtschaffen wie ein an fester Stelle in die Wand eingeschlagener Pflock.
Alles, was wir sind und haben, ist ein Geschenk Gottes
Die Botschaft ist klar: Alles, was wir sind und haben, ist ein Geschenk Gottes, das uns anvertraut wurde, damit wir in seinen Händen füreinander da sein können: Werkzeuge des Heils in der Gerechtigkeit – angefangen bei den Orten und Menschen, mit denen wir jeden Tag leben und arbeiten, um uns mit einem großen und offenen Herzen der ganzen Welt zuzuwenden.
Der heilige Paulus spricht in der zweiten Lesung von den Ratschlüssen Gottes und sagt, dass diese unergründlich sind – nicht wegen der Komplexität seiner Gedanken, sondern wegen der überwältigenden Größe seiner Liebe, die all unser Vermögen und all unsere Erwartungen übersteigt: „Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung“ (Röm 11,36). Gott ist einfach, weil er die reine Liebe ist. Und er ruft auch uns dazu, mit einem Herzen zu lieben, das dem seinen ähnlich ist, indem wir unsere Wege an seine Wege und unsere Gedanken an seine Gedanken angleichen (vgl. V. 33).
Diese Werte – Aufrichtigkeit, Uneigennützigkeit und Wohlwollen – liegen der Region Romagna bekanntlich besonders am Herzen. Die Menschen hier sind geradlinig und von heiterem Wesen, aber auch fleißig und solidarisch. Davon zeugen die zahlreichen Beispiele von Heiligen und Seligen, die hier geboren wurden, tätige Nächstenliebe geübt und das Evangelium gelebt haben – manche sogar bis zum Martyrium. Zeugnis davon gibt auch das vielfältige Engagement, das bis heute in den verschiedenen kirchlichen Gemeinschaften lebendig ist: in den Pfarreien, in den Familien, in der Katholischen Aktion, in den unterschiedlichen Bewegungen und Verbänden und in den Werken der Fürsorge und der christlichen Bildung. Auch wegen dieses Reichtums – neben der natürlichen und künstlerischen Schönheit der Adriaküste und des Hinterlandes – kommen jedes Jahr unzählige Menschen aus vielen Teilen Italiens und der ganzen Welt in diese Region, um hier ihren Urlaub zu verbringen.
In diesem Zusammenhang möchte ich euch ermutigen, den Einsatz fortzusetzen, mit dem ihr dafür sorgt, dass diese Gegend nicht nur Erholung und Vergnügen zu bieten hat, sondern auch Nahrung für den Geist. Als Johannes Paul II. vor vielen Jahren hier zu Besuch war, hat er im Zusammenhang mit dieser Berufung gesagt: „Sich zu erholen bedeutet nicht, sich von sich selbst zu trennen. Im Gegenteil: es bedeutet, zu sich selbst zu finden und sich mit seinem Innersten auszusöhnen“ (Predigt bei der Heiligen Messe in Rimini, 29. August 1982).
Die Unterhaltung und Zerstreuung, die nur Leere im Herzen hinterlässt
Die Welt, in der wir leben, bietet viele Formen der Unterhaltung und Zerstreuung. Manche davon führen jedoch eher zur Verlorenheit und zum Verderben als zu einer wahren „Rückkehr zu sich selbst“ – und hinterlassen nur eine Leere im Herzen. Manche nennen sie „Flucht“, als wäre das gewöhnliche Leben ein Gefängnis, dem man entkommen müsste. Wir aber wissen, dass der wahre Ort, an dem wir Erholung finden und Gott begegnen können – um so auch wirklich einander zu begegnen –, nicht draußen im Chaos liegt, sondern in uns selbst, in der Tiefe unserer Seele. Als christliche Gemeinschaft sind wir daher in besonderer Weise gerufen, diese Erfahrung zu pflegen und weiterzugeben: durch Offenheit und Gastfreundschaft – sowohl persönlich als auch in unseren Einrichtungen –, durch die Sorge um unsere Kirchen und ihre Atmosphäre der Sammlung und des Gebets, durch unsere Bereitschaft zu helfen und Nächstenliebe zu üben. Und dies gilt sowohl für jene, die nach einem Jahr harter Arbeit eine wohlverdiente Zeit der Erholung suchen, als auch für jene, die an Leib und Seele verwundet sind und fern ihrer Heimat Zuflucht, Nahrung und Unterstützung erflehen.
Euer Bischof hat in einem Brief an die Diözese geschrieben: „Das Gebet, die Einheit, das Zuhören, der Mut, die Einfachheit, die Dankbarkeit, die Schönheit […] mögen Haltungen benennen, die in jedem Augenblick des Lebens gegenwärtig sein sollen“ (Bischof Nicolò Anselmi, Hirtenbrief Amerai, sarai felice e godrai di ogni bene, ora e nei secoli eterni, 14. Oktober 2024).
Liebe Brüder und Schwestern, indem ich euch allen diese wichtige Einladung noch einmal ans Herz lege – als Anregung für eure persönliche Besinnung und euer Engagement –, danke ich euch herzlich für eure Gastfreundschaft und für eure gläubige und freudige Teilnahme. Ich vertraue euch der Fürsprache Mariens, der allerseligsten Jungfrau, des heiligen Gaudentius und eurer heiligen Schutzpatrone an.
(vatiannews – übersetzung: silvia kritzenberger)