Ein Vitamin-D-Mangel kann sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen. Knochenschmerzen, Muskelschwäche, eine erhöhte Infektanfälligkeit oder neurologische Beschwerden können mögliche Symptome sein. Betroffen sind dabei nicht wenige Menschen: Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) erreicht ein großer Teil der Bevölkerung nicht die wünschenswerten Vitamin-D-Werte.

Ein ausgeprägter Mangel kann langfristig auch schwerwiegende Folgen haben. Bei Kindern kann beispielsweise Rachitis entstehen, bei Erwachsenen kann es zu einer Osteomalazie, also einer Erweichung der Knochen, kommen. Im höheren Alter kann ein Vitamin-D-Mangel zudem mit einem erhöhten Risiko für Osteoporose verbunden sein.

Für eine bestimmte Personengruppe können die Folgen noch weitaus gravierender sein. Bei ihnen steigt das Sterberisiko um 123 Prozent. Doch für wen wird ein Vitamin-D-Mangel zum besonders hohen Gesundheitsrisiko?

Vitamin-D-Mangel: Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Bestimmte Personengruppen haben ein höheres Risiko für einen Vitamin-D-Mangel als andere. Dazu gehören laut der DGE beispielsweise Menschen, die sich kaum oder gar nicht im Freien aufhalten, wie pflegebedürftige oder chronisch kranke Menschen. Oder auch Personen, die ihre Haut vollständig bedecken, sowie Menschen höheren Alters.

Doch auch eine weitere Gruppe ist besonders gefährdet: Menschen mit Adipositas. Darauf deutet eine internationale Studie hin, für die Wissenschaftler die genetischen Daten von mehr als 42.000 Menschen aus 21 Kohortenstudien in den USA und Europa ausgewertet haben. Die im Fachjournal PLOS Medicine veröffentlichte Untersuchung zeigte einen signifikanten Zusammenhang zwischen einem hohen Body-Mass-Index (BMI) und einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel im Blut.

Ein möglicher Grund dafür ist, dass Vitamin D im Fettgewebe gespeichert wird. Bei Menschen mit Adipositas steht mehr Fettgewebe als „Speicher“ zur Verfügung. Dadurch kann sich das Vitamin stärker im Fettgewebe verteilen, während weniger davon im Blut zirkuliert. Mit zunehmendem Körperfett kann dem Körper somit mehr Vitamin D aus dem Blutkreislauf entzogen werden. Das kann einen Vitamin-D-Mangel begünstigen – und dieser bleibt nicht ohne Folgen.

Sterberisiko: Wie gefährlich ist ein Vitamin-D-Mangel bei Adipositas?

Menschen mit Adipositas haben ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-D-Mangel. Für diese Personengruppe könnte eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung jedoch besonders problematisch sein. Wie sich die Kombination aus abdominaler Adipositas – also einer bauchbetonten Form der Fettleibigkeit – und Vitamin-D-Mangel auf das Sterberisiko auswirkt, hat ein Team aus brasilianischen und britischen Forschenden untersucht.

Für die 2026 im Fachmagazin Diabetes, Obesity and Metabolism veröffentlichte Studie werteten sie Daten von insgesamt 5520 Teilnehmenden ab 50 Jahren über einen Zeitraum von sechs Jahren aus. Das Ergebnis: Bei Personen mit abdominaler Adipositas und Vitamin-D-Mangel war das Sterberisiko deutlich erhöht. Im Vergleich zur Referenzgruppe – Menschen ohne abdominale Adipositas und mit ausreichender Vitamin-D-Versorgung – lag es um 123 Prozent höher.

Verglichen wurden Menschen mit und ohne starkem Bauchfett sowie mit ausreichender Vitamin-D-Versorgung, einer Vitamin-D-Insuffizienz oder einem Vitamin-D-Mangel. Als abdominale Adipositas galten bei Frauen mehr als 88 Zentimeter und bei Männern mehr als 102 Zentimeter Taillenumfang. Dabei zeigte sich, dass sowohl eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung als auch viel Bauchfett jeweils mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden waren. Im Vergleich zur Referenzgruppe:

Menschen mit Vitamin-D-Insuffizienz, aber ohne abdominale Adipositas, hatten ein um 91 Prozent erhöhtes Sterberisiko. Bei Menschen mit Vitamin-D-Mangel, aber ohne abdominale Adipositas, lag das Risiko um 81 Prozent höher. Menschen mit abdominaler Adipositas hatten ohne einen Vitamin-D-Mangel oder ohne eine Vitamin-D-Insuffizienz ein um etwa 50 Prozent erhöhtes Sterberisiko.

Am höchsten war das Risiko jedoch bei den Menschen, bei denen beide Faktoren zusammenkamen: abdominale Adipositas und Vitamin-D-Mangel. Ihr Sterberisiko war 2,23-mal so hoch wie das der Referenzgruppe.

Vitamin-D-Mangel und Adipositas: Worauf sollten Betroffene achten?

Wer an Adipositas leidet, sollte seinen Vitamin-D-Status besonders im Blick behalten. Die Studienautorinnen und -autoren betonen, dass eine frühzeitige Erkennung und Behandlung eines Vitamin-D-Mangels und Adipositas dazu beitragen könnten, das erhöhte Risiko zu verringern.

Dabei sollten Betroffene berücksichtigen, dass ihr Vitamin-D-Bedarf erhöht sein kann. Denn Vitamin D kann sich teilweise im Fettgewebe einlagern und dadurch weniger für den Körper verfügbar sein. Bei Erwachsenen mit (morbider) Adipositas empfiehlt die Stiftung Orthoknowledge deshalb, die Vitamin-D-Dosis um das Eineinhalb- bis Zweifache zu erhöhen.

Für Menschen ohne ausreichende körpereigene Vitamin-D-Bildung empfiehlt die DGE einen Schätzwert von 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag. Bei regelmäßigem Aufenthalt im Freien kann der Körper jedoch einen Großteil des Vitamin-D-Bedarfs selbst bilden. Eine höhere Dosis sollten Menschen mit Adipositas allerdings nicht auf eigene Faust einnehmen, sondern zuvor ärztlich abklären. Denn auch eine Überversorgung mit Vitamin D ist durch die Einnahme hoch dosierter Präparate möglich und kann ernsthafte gesundheitliche Folgen haben.