Man kann es nicht direkt vergleichen, aber in den Rückblenden sieht man, wie Gerti Bruckner als Jungpolizistin in den 80er-Jahren unter dem Patriarchat in ihrem Job leidet. Irgendwie fühlt sich das so an, als würde sie die Wut und den Grant, den sie abbekam, in einer anderen Form an Heidi Mai weitergeben …
Stach: In einer anderen Art und Weise, ja. Sie musste sich ihren Platz mühsam erkämpfen, wurde ständig von Männern überholt und es blieb ihr nichts anders übrig, als die Zähne zusammenzubeißen und darauf zu hoffen, dass ihr Zeit noch kommen würde. Irgendwann geht einer in Pension und dann ist sie endlich dran. Es geht in der Gegenwart aber nicht darum, dass Gerti nicht eine andere Frau unterstützen will, sondern dass sie das Gefühl hat, sie gehöre dorthin und man hätte ihr etwas genommen, was sie ihr ganzes Arbeitsleben lang verdient hätte.
Hage: Es geht eher um einen beruflichen Konflikt zwischen den beiden Frauen. Wir Menschen sind ziemliche Gewohnheitstiere. Viele Frauen aus der Generation von Gerti haben es angelernt bekommen, dass sie die einzigen Frauen sind und es nur eine geben kann. Heute ist vieles davon aufgebrochen, aber Gewohnheiten wird man nicht so schnell los. Wenn man eingetrichtert bekommt: „Okay, ich muss nur auf mich schauen. Ich habe niemanden, dem ich vertrauen kann“. Da ist schwer zu denken, auch wenn das wichtig ist, man sollte lieber Banden bilden, solidarisch sein und sich vereinigen. Intellektuell lässt es sich schnell begreifen, aber rein emotional stecken da tiefe Wunden dahinter.
Stach: Erst langsam merken die beiden Frauen, dass sie sich aufeinander verlassen können.
Hage: Das ist schön, auch gesamtgesellschaftlich gesehen. Seit den 80er-Jahren wird dir eingetrichtert, dass du alles allein schaffen musst und für alle Dinge allein verantwortlich bist. Es geht immer um den Individualismus, aber es geht uns allen besser, wenn wir zusammenhalten.