Die wichtige Rad- und Fußwegsverbindung zwischen Graz-Andritz und Gösting wird bis Jahresende neu errichtet. Am heutigen Montag ist der wohl aufsehenerregendste Schritt passiert: der Einhub des Brückenteils mit einem riesigen Kran.
Auch wenn man Schaulustige aus Sicherheitsgründen lieber draußen behalten wollte, bei einem Kran mit diesen Dimensionen bleibt es nicht aus. Familien postieren sich mit Campingstuhl und Picknickdecke am Bauzaun, Hundebesitzerinnen bleiben staunend am Murufer unten stehen, die Terrassen mit bestem Blick auf das Geschehen sind gut gefüllt. Der Star des Tages: die 280 Tonnen schwere Brücke, die künftig den neuen Pongratz-Moore-Steg bilden soll – die heiß ersehnte Verbindung über die Mur zwischen Andritz und Gösting, die seit Sommer 2023 aus Sicherheitsgründen gesperrt werden musste. Dieses Riesentrumm, das in vier Teilen angeliefert wurde, wurde vor Ort zusammengeschweißt und „schwebte“ in einem Stück über die Mur. Seit den frühen Morgenstunden hing es bereits in der Luft und wurde ganz langsam zu seinem Bestimmungsort hingedreht.
Schon die Anlieferung des blauen Riesen-Krans – ein 1.000-Tonnen-Raupenkran der Firma Liebherr mit 80 Metern Höhe beim Hauptausleger und 45 Metern Arbeitsradius – hat 50 Einzeltransporte erfordert, die Aufbauzeit dauerte etwa eine Woche. „Nur vier dieser Kräne sind in ganz Mitteleuropa zu finden“, sagt Wolfgang Toman, Projektleiter seitens der Grazer Stadtbaudirektion. Selbst erfahrene Fachleute vom Bau sehen einen Hub dieser Größenordnung nicht alle Tage.
Warum es so lange dauert
Die lange Projektzeit von mehr als dreieinhalb Jahren für einen – wie viele glaubten, einfachen – Steg über die Mur hatte für viel Unverständnis in der Bevölkerung gesorgt. Tatsächlich dauerten alleine die Verfahren für Wasserrecht, Naturschutz und Straßenbau samt gesetzlichen Fristen ein ganzes Jahr, ein weiteres ging für die Planung und eines gerade für den Bau drauf. „All diese Themen müssen in einem Rechtsstaat ordentlich abgearbeitet werden“, sagt Stadtbaudirektor Bertram Werle. Dazu laufen ja sämtliche Leitungen – Gas, Wasser, Internet – über den Steg. Die Leitungsträger (Energie Steiermark, Energie Graz, E-Werk Gösting, Holding Graz Wasserwirtschaft) finanzieren den 6,5 Millionen Euro teuren Neubau mit.
© Foto FischerEinhub des Pongratz-Moore-Stegs in Graz – im Foto: der Projektleiter der Stadtbaudirektion, Wolfgang Toman, Vizebürgermeisterin Judith Schwentner, Bürgermeisterin Elke Kahr, Stadtbaudirektor Bertram Werle
Rund 20 Meter wird die Brücke über die Bäume gehoben, dann ungefähr 40 Meter weit in Richtung Mur bewegt und über dem Fluss „schwebend“ um 90 Grad gedreht. Eine präzise Positionierung ermöglichen Quer- und Längsführungen, das Tragwerk wird auf beiden Seiten der Mur von zwei Manitou-Teleskopladern mit Seilwinden geführt und gesichert. Die größte Herausforderung ist für die ARGE Granit-Klöcher, die örtliche Bauaufsicht, die Kranfirma Felbermayr und die Projektleitung der Stadtbaudirektion die Drehung des Tragwerks im schwebenden Zustand, wie auch das „Einfädeln“ unter der 110-kV-Stromleitung, die für die Bauarbeiten abgeschaltet werden musste.
Besonders spannend wird aber auch die Feinarbeit, als die Brücke dann kurz nach 11 Uhr auf der Montagekonstruktion abgesetzt wird: Bauarbeiter ziehen sie mit Stahlseilen an die Position und bringen dann unter dem Riesentrumm sitzend, dieses millimetergenau an seinen Bestimmungsort – nur einen Zentimeter beträgt die zulässige Einbautoleranz.
Die Freude ist auch bei den Stadtchefinnen groß: „Ein spektakuläres Bauwerk“, sagt Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne) anerkennend, jetzt sei „ein großer Schritt geschafft“. „Etwas ganz Besonderes“, fand auch Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ): „Damit haben wir jetzt eine Brücke, die über Jahrzehnte alle Stückln spielt.“
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Zum Finale des Einhubs ist Millimeterarbeit von Hand gefragt – starke Männer ziehen das Trumm am Seil in Position © Foto Fischer1968 errichtet
Neu gebaut werden musste die 1968 eigentlich nur als Leitungssteg mit Fußgängerquerung errichtete Verbindung ja, weil die alte nicht mehr sicher war, wie eine Überprüfung für eine Laufveranstaltung ergeben hatte. Der neue Steg erfüllt nun alle Erfordernisse, die Fahrbahnbreite beträgt 4,5 Meter, der Steg ist barrierefrei – und macht in Rostrot natürlich auch optisch etwas her. „Unseren Murstegen, auch dem Edegger- und dem Augartensteg ist gemein, dass sie auch beim Design höchste Ansprüche erfüllen“, sagt Stadtplanungschef Bernhard Inninger.
Die ersten des 20 Mann starken Bauteams, das unmittelbar am Einhub beteiligt war, hüpfen schon am Montagvormittag unter Applaus der Schaulustigen und der Kollegen über die Brücke. Bis der Rest den neuen Pongratz-Moore-Steg zu Fuß oder per Rad nutzen kann und somit nicht mehr einen langen Umweg in Kauf nehmen muss, dauert es aber noch etwas: Die endgültigen Lager werden exakt ausgerichtet, es folgen die weiteren Leitungsbauarbeiten, die Betonage der Technikschächte, der Abbruch der bestehenden Brücke sowie die Montage von Geländer, Fahrbahnbelag und Beleuchtung. Frühestens Ende 2026, spätestens Anfang 2027 ist es soweit.
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Visualisierung: So soll der Steg im Betrieb aussehen © AXIS Ingenieurleistungen ZT GmbHMehr zum Pongratz-Moore-Steg in Graz
