Mit dem Grunddurchgangende sprang der SK Sturm Graz noch auf den Tabellenthron, den man erst zum dritten Mal in der Saison 2025/26 innehat und erstmals wieder seit Oktober. Damit geht das Ingolitsch-Team als Gejagter in die Finalrunde. Zuvor lud der amtierende Meister seine Mitglieder zu einem Infoabend ins Herz der steirischen Landeshauptstadt. Rund 1.000 Anhänger folgten der Einladung in den Stefaniensaal des Congress Graz. Wirklich neue Erkenntnisse präsentierte die Klubführung zwar kaum, doch ein Thema zog sich wie ein roter Faden durch den Abend: die seit Jahren ungelöste Stadionproblematik.

Stadionfrage bleibt wirtschaftlicher Bremsklotz
Der Termin für die Veranstaltung war lange vor dem letzten Spiel des Grunddurchgangs angesetzt worden. Dass die Mannschaft von Cheftrainer Fabio Ingolitsch am Sonntag zuvor einen 2:0-Erfolg gegen den SCR Altach feiern konnte, sorgte im Saal jedoch für eine spürbar gelöste Stimmung. Präsident Christian Jauk betonte dabei, dass sich der Verein seinen Mitgliedern unabhängig von der sportlichen Situation stelle. Gleichzeitig rückte er einmal mehr die strukturellen Nachteile rund um das Grazer Stadion in den Mittelpunkt.
Wie Jauk erläuterte, entgehen dem Klub aufgrund fehlender Vermarktungsrechte im städtischen Stadion jährlich beträchtliche Einnahmen. Im Vergleich zu Konkurrenzvereinen bezifferte er den wirtschaftlichen Nachteil auf etwa sieben bis zehn Millionen Euro pro Saison. Langfristig könnte sich daraus ein finanzieller Schaden im zweistelligen Millionenbereich entwickeln.
Eine rasche Entscheidung über einen möglichen Umbau scheint derzeit ebenfalls unwahrscheinlich. Innerhalb des Vereins geht man nicht davon aus, dass vor den Grazer Gemeinderatswahlen Ende Juni ein entsprechender Beschluss fällt. Zwar kursieren bereits Ideen – etwa ein VIP-Klub für rund 1.800 Gäste, 18 Skyboxen, eine auf etwa 5.500 Plätze vergrößerte Fankurve sowie eine Gesamtkapazität von rund 20.000 Zuschauern –, doch konkrete Pläne liegen bislang nicht vor.

Deutlich geringerer Umsatz erwartet
Auch wirtschaftlich zeichnet sich ein spürbarer Unterschied zur Vorsaison ab. Finanzchef Thomas Tebbich führte aus, dass die außergewöhnlich hohen Einnahmen der Spielzeit 2024/25 vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen gewesen seien: rund 30 Millionen Euro aus der Teilnahme an der Champions League sowie etwa ebenso viel aus Transfererlösen. Insgesamt hatte der Klub damals einen Umsatz von 92 Millionen Euro erzielt.
Für die laufende Saison erwartet Sturm hingegen deutlich geringere Einnahmen. Nach aktueller Prognose dürfte sich der Gesamtumsatz auf etwa 52 Millionen Euro belaufen – trotz weiterhin starker Erlöse im Merchandising-Bereich, der zuletzt rund 4,3 Millionen Euro einbrachte.
Eine vorsichtig optimistische Nachricht hatte Vizepräsident Peter Schaller dennoch parat. Sollte es tatsächlich zu einem Umbau des Stadions kommen, sieht der Verein die Möglichkeit, die Heimspiele weiterhin in Graz auszutragen. Ein Ausweichen auf eine andere Spielstätte wäre demnach nicht zwingend notwendig.
Der Mitgliederabend zeigte damit ein vertrautes Bild: sportliche Zufriedenheit und wirtschaftliche Stabilität auf der einen Seite – und eine Stadionfrage, die beim größten Klub der Steiermark weiterhin ungelöst bleibt.
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Fotocredit: Gepa-Admiral