Schweiz trifft Ecuador, die Anden auf das Universum – das Duo Hermanos Gutiérrez bewies am Mittwochabend auf der Frischluft-Stage im Posthof einmal mehr, dass Grenzen oft nur in den Köpfen der Menschen existieren. Ein inspirierendes Konzert!
Das Ambiente auf der Frischluft-Stage im Linzer Posthof war an diesem wettertechnisch idealen Konzert-Mittwoch zumindest auf der Stage ein minimalistisches. Die Brüder Estevan und Alejandro Gutiérrez brauchen keine opulente Produktion, um die gut 1000 Anwesenden in ihren Bann zu ziehen. Die Musik reicht hier völlig aus.
Los ging es aber pünktlich um 20 Uhr mit Céline Dessberg. Die französische Chansonnière spielte an diesem Abend im Duo den ersten von mehreren Support-Gigs für den Mainact Hermanos Gutiérrez. Minimalistisch, mit Harfe und Gitarre eröffnet sie mit einem halbstündigen Set den Konzertabend. Die französisch-mongolische Heritage erzeugt einen ganz eigenen Klangkosmos, der zwar anders, aber irgendwie dann doch auch stimmig zum Mainact ist. Auch wenn man kein Französisch versteht bemerkt man schnell, wie sich die Zuhörenden in den Klängen verlieren. Macht Spaß und passt fast wie angegossen zu einem lauen Mittwochabend.
Los Ojos Del Condor heißt die neue Platte, die Hermanos Gutiérrez an diesem Abend im Posthof präsentierten. Beziehungsweise fast zu einer pre-listening-Session luden, erscheint die Platte doch erst dieser Tage. Der Condor, ein Vogel, der die Anden und somit einen kleinen Teil der Heimat des Duos bevölkert und so etwas wie der Hauptprotagonist der Platte ist. Produziert wurde die Platte auch wieder von Dan Auerbach (Black Keys, kennt man, oder?), die Musik von Hermanos Gutiérrez bekannt sphärisch, vielschichtig, aber nie langweilig. Die Setlist selbst ist eine ausgewogene – von Low Sun, Tres Hermanos, El bueno y el malo über Sonido cósmico, Los chicos tristes bis zu Journals und Esperanza fehlts da an nix. Desert Medley zur Konzertmitte inklusive.
Man merkt dem Duo während des gesamten Sets an, dass hier Musik nicht nur „im Rahmen eines Konzertes“ runtergespielt, sondern zelebriert wird. Nicht selten erwischt man einen Moment, wo einem der Beiden ein Lächeln über die Lippen kommt. Hermanos Gutiérrez ist ein Duo, das einen ganz eigenen Sound kreiert hat. Ein Sound, der Grenzen überschreitet, zum Träumen einlädt nach Ausflügen in die Wüste nun auch die Anden als „zweite Heimat“ des Duos in den Vordergrund stellt. Ein Konzert, das im wahrsten Sinne des Wortes ein Erlebnis ist. Hui, war das gut!
Foto: Christoph Leeb