Brüssel – Er erklärte der Autorität den Krieg, allerdings mit den sanftesten denkbaren Waffen: Sahnetorten. Der belgische Künstler, Autor und Regisseur Noël Godin, der über Jahrzehnte mit spektakulären Tortenattacken auf Politiker, Unternehmer und Intellektuelle Schlagzeilen machte, ist im Alter von 80 Jahren gestorben.

Godin verstand seine Aktionen als Mischung aus politischer Provokation, Satire und anarchistischem Humor. Berühmt wurde er vor allem durch das sogenannte „Tortenattentat“ auf Microsoft-Mitgründer Bill Gates 1998 in Brüssel, das weltweit Aufmerksamkeit erregte. Der Belgier bezeichnete Tortenwürfe als Mittel gegen Eitelkeit, Arroganz und Selbstgefälligkeit prominenter Persönlichkeiten.

Bill Gates bekam 1998 in Brüssel eine Torte „serviert“.

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Zu den Zielen seiner Aktionen zählten unter anderem der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy, den Godin über drei Jahrzehnte hinweg insgesamt achtmal mit Torten attackierte, außerdem der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy, Ryanair-Chef Michael O’Leary und der Sänger Patrick Bruel. Nicht immer warf er selbst: Oft agierten Mitstreiter in seinem Namen.

Geboren wurde Godin 1945 in Lüttich. Neben seinen Aktionen arbeitete er als Filmkritiker, Autor und Regisseur. Unter dem Pseudonym „Georges Le Gloupier“ kultivierte er die Figur des professionellen Tortenwerfers und kündigte viele seiner Aktionen mit dem Ruf „Gloup! Gloup!“ an.

Für seine Anhänger war Godin weniger ein Spaßmacher als ein Aktionskünstler, der öffentliche Demütigung als satirisches Werkzeug verstand. Seine Kritiker sahen darin bloß geschmacklose Angriffe. Unbestritten ist jedoch, dass er eine Form des politischen Happenings populär machte, die weit über Belgien hinaus Bekanntheit erlangte. Mit seinem Tod verliert Europa eine der ungewöhnlichsten Figuren zwischen Kunst, Anarchismus und Komik. (TT, APA)