Geheimdienste haben Verdacht
Sabotagewelle in Europa: Russland heuert wohl Kriminelle an
Aktualisiert am 24.08.2026 – 11:41 UhrLesedauer: 3 Min.
Ein ukrainischer Soldat feuert in der Region Dnipropetrowsk eine Haubitze ab (Archivbild): Die westlichen Waffenlieferungen sind für die Ukraine essenziell. (Quelle: IMAGO/Dmytro Smolienko/imago)
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In mehreren Ländern sind zuletzt Betriebe beschädigt worden, die Ausrüstung für die Ukraine herstellen. Ermittler prüfen ein Muster, das für die Nato heikel ist.
Westliche Geheimdienstquellen haben Russland für eine neue Welle von Sabotageakten gegen europäische Rüstungsbetriebe verantwortlich gemacht. Der Kreml soll laut einem Bericht des britischen „Telegraph“ lokale Kriminelle anwerben, um Hersteller anzugreifen, die Waffen oder Militärtechnik für die Ukraine liefern.
Die Angriffe seien nach Einschätzung von Geheimdienstvertretern so angelegt, dass sie knapp unterhalb der Schwelle für den Nato-Bündnisfall nach Artikel 5 bleiben. Ziel sei es, die Entschlossenheit der Nato zu testen und die Unterstützung für die Ukraine zu erschweren.
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Ein Nato-Vertreter sagte dem „Telegraph“, Russland habe seine Destabilisierungskampagnen gegen Verbündete in den vergangenen Jahren beschleunigt – unter anderem durch Cyberangriffe, Mordversuche und Sabotageakte. Die verdeckten Operationen gelten als Teil der hybriden Kriegsführung Moskaus.
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Brände und Explosionen in mehreren Ländern
Zuletzt kam es zu mehreren Vorfällen in Staaten, die Rüstungsgüter oder Militärtechnik für die Ukraine bereitstellen:
Litauen: Die Behörden erhoben Anklage gegen sechs Personen wegen eines mutmaßlichen Versuchs, im Jahr 2024 eine Fabrik niederzubrennen. Der Betrieb liefert dem Bericht zufolge Funkwellenscanner an die Ukraine.Tschechien: Am 20. März dieses Jahres zerstörte ein Feuer ein Werk fast vollständig, das Drohnen und Wärmebildtechnik für die Ukraine herstellt. Vier Verdächtige wurden im Zuge von Ermittlungen zu einer möglichen russischen Beteiligung festgenommen.Bulgarien: Am 10. August erschütterte eine schwere Explosion ein Werk des Rüstungsherstellers EMCO. Das Unternehmen produziert unter anderem 155-Millimeter-Artilleriemunition für die Ukraine. Ausgelöst worden sein soll der Brand zunächst durch ein Feuer in einem Lastwagen nahe einem Lagerhaus.Italien: Drei Tage nach dem Vorfall in Bulgarien kam es zu einer Explosion in einer Munitionsfabrik von KNDS Ammo Italy in Colleferro bei Rom. Ursache war nach bisherigen Angaben ein ungeklärtes Feuer in einer Anlage zur Verarbeitung von Schießpulver.Estland: Am 15. August wurde ein Gebäude des Unternehmens Milrem Robotics in Tallinn in Brand gesetzt. Die Firma liefert unbemannte Bodenfahrzeuge an die ukrainischen Streitkräfte. Lettland nahm drei eigene Staatsbürger fest, die verdächtigt werden, an dem Brandanschlag beteiligt gewesen zu sein.
Italienische und bulgarische Behörden spielten eine mögliche russische Beteiligung dem Bericht zufolge herunter. Gerade das erschwert aus Sicht westlicher Sicherheitskreise eine gemeinsame Reaktion der Nato-Staaten.
Kriminelle statt Agenten angeheuert
Nach einer westlichen Geheimdiensteinschätzung setzt der russische Militärgeheimdienst GRU bei solchen Operationen zunehmend auf kriminelle Netzwerke statt auf eigene Agenten vor Ort. Mittelsmänner sollen über Messengerdienste wie Telegram rekrutiert und bezahlt werden, teils mit Kryptowährungen.
Viele Ausführende wüssten demnach nicht, dass sie letztlich für Russland handelten. So könne Moskau die Verantwortung abstreiten und zugleich die Schwelle für eine direkte militärische Reaktion der Nato vermeiden.

