Sie liebte den Scherenschnitt, hatte einen feinen Sinn für Humor und scheute sich nicht vor ungewöhnlichen Motiven: Luise Neupert gehört zu den Künstlerinnen, deren Werk eng mit Schmölln und dem Altenburger Land verbunden ist. In diesem Jahr wird ihr Schaffen gleich an mehreren Orten gewürdigt. Anlass ist ihr 100. Geburtstag.

Fünf ostdeutsche Künstlerinnen zeigen vielfältige Positionen100 Jahre Luise Neupert im Altenburger Land

Luise Neupert. © Funke Medien Thüringen | Museum Burg Posterstein / www.burg-posterstein.de

100 Jahre Luise Neupert im Altenburger Land

Das Museum Lyonel Feininger in Quedlinburg widmet sich aktuell der Künstlerin Luise Neupert.© Funke Medien Thüringen | Museum Burg Posterstein / www.burg-posterstein.de

Besonders bemerkenswert ist die Zusammenarbeit zwischen dem Museum Burg Posterstein und dem Museum Lyonel Feininger in Quedlinburg. Dort wurde am 20. August die Ausstellung „Frauen sind“ eröffnet. Sie stellt fünf Künstlerinnen aus Ostdeutschland vor – neben Luise Neupert sind Grita Götze, Kat Menschik, Kerstin Grimm und Tanja Pohl vertreten.

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Die Ausstellung will dabei keine abschließende Antwort darauf geben, was weibliche Kunst oder weibliche Darstellung ausmacht. Stattdessen treffen höchst unterschiedliche künstlerische Positionen aufeinander. Neuperts Arbeiten sind Teil dieses vielstimmigen Panoramas.

Scherenschnitt-Kunst im Fokus der Jubiläumsausstellung

Auch das Museum Burg Posterstein hat zum Jubiläumsjahr einen besonderen Schwerpunkt gesetzt. Noch bis zum 15. November 2026 ist dort die Ausstellung „Mehr als Schwarz und Weiß: Nackte Nymphen und scharfe Schnitte“ zu sehen. Im Mittelpunkt stehen rund 60 originale Scherenschnitte der Künstlerin sowie Arbeiten, die sie gemeinsam mit ihrem Mann Hans Neupert geschaffen hat.

100 Jahre Luise Neupert im Altenburger Land

100 Jahre Luise Neupert: „Nackte Nymphen und scharfe Schnitte“ – die Schau begeistert aktuell auf Burg Posterstein.© Funke Medien Thüringen | Museum Burg Posterstein / www.burg-posterstein.de

Zwischen Nymphen, Werbung und feinem Humor

Luise Neupert wurde am 14. September 1926 in Chemnitz als Elise Luise Keil geboren. Sie studierte unter anderem an der renommierten Staatlichen Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Dort lernte sie auch ihren späteren Mann Hans Neupert kennen, den sie 1952 heiratete.

100 Jahre Luise Neupert im Altenburger Land

100 Jahre Luise Neupert im Altenburger Land.© Funke Medien Thüringen | Museum Burg Posterstein / www.burg-posterstein.de

Das Paar zog nach Schmölln, wo beide als freiberufliche Gebrauchsgrafiker arbeiteten. Gemeinsam entwickelten sie einen unverwechselbaren Stil. Tänzerinnen, Nixen, Nymphen und elegante Damen und Herren tauchten in ihren Arbeiten auf. Humor und Erotik wurden zu einem Markenzeichen.

Luise Neupert – Termine und Ausstellungen

Bis 18. September 2026
„Märchenhaft geschnitten“ – Ausstellung in der Rathausgalerie Schmölln

13. September 2026, 15 Uhr
Scherenschnitt-Workshop auf Burg Posterstein
Teilnahme: 10 Euro inklusive Museumseintritt

14. September 2026, 18 Uhr
Geburtstagsfest zum 100. Geburtstag von Luise Neupert in der Galerie im Rathaus Schmölln
Mit Musik, Erinnerungen von Wegbegleitern, Film sowie Minestrone und Zitronenkuchen nach Rezepten der Künstlerin.

Bis 15. November 2026
„Mehr als Schwarz und Weiß: Nackte Nymphen und scharfe Schnitte“ – Sonderschau im Museum Burg Posterstein

Bis 11. Januar 2027
„Frauen sind“ – Ausstellung im Museum Lyonel Feininger in Quedlinburg mit Werken von Luise Neupert und vier weiteren Künstlerinnen.

Scherenschnitte und Gebrauchsgrafik neu interpretiert

Luise Neupert machte sich darüber hinaus mit ihren ungewöhnlichen Scherenschnitten einen Namen. Ihre Arbeiten zeigen, dass die vermeintlich traditionelle Technik alles andere als altmodisch sein muss.

Auch die Gebrauchsgrafik des Ehepaares ist in Posterstein zu sehen. Ausgestellt werden unter anderem Werbekalender, Verpackungen und Broschüren, die für Unternehmen aus der DDR entstanden. Dazu zählen Arbeiten für Wiratex, AKA-Electric, MALIMO, Zeiss-Jena, Lucie Kaiser Altenburg, Wolle & Seide Meerane und das Chemiefaserkombinat Schwarza.

Fast 11.500 Besucher auf Burg Posterstein

Das Interesse an der Ausstellung ist groß: Die Sonderschau „Mehr als Schwarz und Weiß: Nackte Nymphen und scharfe Schnitte“ haben bereits fast 11.500 Besucherinnen und Besucher gesehen.

Dass Neuperts Werk auch Jahrzehnte später noch zum Schmunzeln anregt, zeigt ein Video-Interview aus dem Jahr 2005. Darin trägt die Künstlerin einen ihrer humorvollen Limericks vor. Ihre selbstironische Art gehörte ebenso zu ihr wie die ungewöhnlichen Motive ihrer Scherenschnitte.

Am 13. September 2026 können Interessierte die Technik sogar selbst ausprobieren. Der Freundeskreis Scherenschnitt Schmölln, den Luise Neupert einst gründete, lädt um 15 Uhr zu einem Scherenschnitt-Workshop auf Burg Posterstein ein. Die Teilnahme kostet zehn Euro, der Museumseintritt ist darin bereits enthalten.

100 Jahre Luise Neupert im Altenburger Land

Der Freundeskreis Scherenschnitt Schmölln, den Luise Neupert einst gründete, lädt im September zu einem Scherenschnitt-Workshop auf Burg Posterstein ein.© Funke Medien Thüringen | Museum Burg Posterstein / www.burg-posterstein.de

Auch Schmölln feiert seine außergewöhnliche Künstlerin

Eine weitere Ausstellung ist noch bis zum 18. September 2026 in der Rathausgalerie Schmölln zu sehen. Unter dem Titel „Märchenhaft geschnitten“ stehen ebenfalls von Luise Neupert inspirierte Arbeiten im Mittelpunkt.

Zum Geburtstagsfest in Schmölln am 14. September um 18 Uhr in der Galerie im Rathaus kommen Wegbegleiter, Freunde und Zeitzeugen zusammen, um persönliche Erinnerungen an die Künstlerin zu teilen. Für die musikalische Begleitung sorgen Matthias und Michael von Hintzenstern. Außerdem wird ein von Gunther Auer zusammengestellter Film über das Leben und Wirken Neuperts gezeigt.

Aktuelle Nachrichten aus dem Altenburger Land

Selbst kulinarisch wird an die Künstlerin an diesem Abend erinnert: Neben Sektempfang und kleinen Köstlichkeiten werden nach ihren Rezepten Minestrone und Zitronenkuchen serviert.

So wird das Jubiläumsjahr zu einer besonderen Reise durch das Leben und Werk einer Frau, die Schmölln über Jahrzehnte mitgeprägt hat – und deren Kunst nun weit über das Altenburger Land hinaus wieder Aufmerksamkeit bekommt.

red/jabo