
AUDIO: „Blue Port“-Lichtkünstler Michael Batz wird 75 (3 Min)
Stand: 25.08.2026 09:12 Uhr
Michael Batz ist Lichtkünstler und Theaterpionier: Alle zwei Jahre taucht er den Hamburger Hafen in blaues Licht. Seit Jahrzehnten erschafft er aus Hamburger Geschichten Theaterstücke. Heute feiert er seinen 75. Geburtstag.
Licht ist sein Lebensthema. Wenn Michael Batz alle zwei Jahre den Hamburger Hafen blau macht und Schiffe, Kräne und Kulissen beleuchtet, seufzen die Hamburger und die Besucher der Stadt und knipsen ihr Handy mit „Blue Port“-Fotos voll. Los ging es 2006 mit den Blue Goals: Blaue Tore an markanten Punkten der Stadt.
Eigentlich leuchteten sie, um 20 Jahre Städtepartnerschaft mit Shanghai zu feiern, dann aber auch als Lichtparty zur Fußball-Weltmeisterschaft. „Das war der Durchbruch für Lichtkultur in Hamburg überhaupt. Da wurde einem großen Publikum begreiflich, was es bedeutet, Licht als Kunstobjekt und Kunstmedium zu begreifen. Plötzlich konnte man eine Stadt so gestalten, lesbar und spannend machen“, sagt der Künstler Batz.

Batz springt für kranken Beleuchter ein – ein Schlüsselmoment
Schon viel früher wurde bei Michael Batz der Lichtschalter umgelegt: Beim Studententheater in Marburg hatte es Klick gemacht. Eigentlich schrieb er dort als junger Mann Stücke für die Bühne, eines Tages war aber der Beleuchter krank. „Ich saß dann vor einem riesigen Schaltkasten und habe verzweifelt irgendwelche Regler gezogen“, erinnert sich Batz. „Es war ein Schlüsselerlebnis, als ich begriff, was man mit so einer einfachen technischen Bewegung machen kann: Schauspieler zum Leben erwecken, sie verfälschen, ihnen ein Geheimnis geben oder sehr banal erscheinen lassen.“

Bis zum 13. September wird jeden Abend der Park der Gärten illuminiert. Die Veranstaltung verbindet Natur, Licht und Kunst.
Die Straße ist die beste Schule
Nach dem Studium kommt Michael Batz nach Hamburg, beginnt zunächst, an einer Schule zu arbeiten. Der Lehrerberuf ist aber nur ein Zugeständnis an die Mutter, die sich einen ordentlichen Lebensweg für ihren Sohn wünscht. Sein Herz schlägt für die Bühne. Mit Horst Schroth macht er in der Hamburger Innenstadt Straßentheater.
Noch heute schwärmt er, wie viel man auf der Mönckebergstraße habe lernen können: „Man kann das Gegenüber einschätzen, mit wem man es zu tun hat, wie man ins Gespräch kommen kann, wie man Brücken bauen kann und zwar innerhalb von Sekunden, ja Sekundenbruchteilen. Das lernt man auf der Straße. Das ist eine der besten Schulen, die ich kenne“, sagt Batz.
Hamburger Speicherstadt zur Bühne gemacht

Von 1984 bis 2018 wurde der „Hamburger Jedermann“ in der Speicherstadt inszeniert.
Anfang der 1980er-Jahre ist er bei der Gründung der Kulturfabrik Kampnagel dabei. Auf der Suche nach besonderen Bühnen stößt er auf die Speicherstadt, die damals noch hinter Zollschranken im Freihafen liegt. Hier inszeniert Batz 25 Jahre lang den „Hamburger Jedermann“ als Open-Air-Sommertheater zwischen alten Speichern und Fleeten. „Der Ort war neu und er war anders“, erinnert sich Batz an die Zeit kurz nach der Wende. „Unsere Bühne war winzig, aber der Raum drumherum hatte das Volumen von drei Opernhäusern. Und mit dieser wahnsinnigen Fassade gegenüber, wo dann der Tod sein ‚Jedermann!‘ herausrief, war das schon magisch.“
Über die Jahre verlor die Speicherstadt aber diese besondere Atmosphäre: „Es wurde laut und lauter. Irgendwann kamen am Wochenende 39 Busse, die links und rechts von der Bühne geparkt haben.“ Batz ist immer noch auf der Suche nach besonderen Hamburger Orten, für die man passgenau ein Theaterstück entwickeln könnte.
Buch- und Theaterprojekte
Aus der Stadtgeschichte gräbt er bis heute immer wieder spannende Themen aus und macht daraus Buch- oder Theaterprojekte. Seine Bände über die „Speicherstadt-Story“, die „Chilehaus-Story“, die Recherche über „Das Haus des Paul Levy“ in der Rothenbaumchaussee sind Glanzstücke der Stadtgeschichte. Gerade schreibt Batz für die Kammerspiele ein Theaterstück über Harry Hermann Spitz, den Unterhaltungschef des NWDR, der den Holocaust überlebte und in der Nachkriegszeit denunziert und drangsaliert wurde. Die Premiere ist Anfang 2027 geplant.
In diesem Jahr wird der Hafen golden
Und dann ist da natürlich noch das Licht im Hafen: Zum 25. Geburtstag des Musicals „König der Löwen“ wird der vom 24. September bis zum 4. Oktober golden leuchten. Im nächsten Jahr wird es wieder blau sein.

Mehr als als 16 Millionen Fans haben das Musical an der Elbe gesehen. Seit dem 2. Dezember 2001 läuft das Musical inklusiver tanzender Puppen in der Hansestadt.
Beim „Blue Port“ musste er schon mal draufzahlen
Reich wird man mit dem „Blue Port“ übrigens nicht. „Es ist praktisch ehrenamtlich“, sagt Michael Batz. „Das Projekt wird nur zu einem kleineren Teil von der Stadt Hamburg unterstützt. Ich muss dann also durch die Gemeinde gehen und schlicht und einfach um Beteiligungen betteln“, erzählt der Künstler. Es habe auch Jahre gegeben, in denen er das Defizit habe selber ausgleichen müssen.
Während die Stadt schön schimmert, ist das Lichtkonzept bei Batz zu Hause nicht sehr ausgefeilt. „Das würde mir keiner glauben. Das sieht aus wie bei Hempels unterm Sofa. Das ist ganz wenig Licht. Und ich liebe nach wie vor Kerzen“, sagt er lachend. Mit 75 geht es weiter, als wäre nichts gewesen: „Ruhestand wird es nicht geben“, sagt Michael Batz. „Ich will weiterarbeiten, aber ich muss es in gewisser Weise auch.“
Video:
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