Nato-Ostflanke unter Druck
So will Europa Russlands Billigdrohnen stoppen
25.08.2026 – 10:27 UhrLesedauer: 4 Min.
Ein Bundeswehrsoldat der Panzerbrigade Litauen (Archivbild): Er steuert eine Drohne in Nemencine im Osten des Landes. (Quelle: Juliane Sonntag/imago)
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Russische Drohnen dringen immer öfter in den Nato-Luftraum ein. Doch will sich das Bündnis verteidigen, ergeben sich mehrere Probleme.
Die Nato-Staaten haben begonnen, russische Drohnen über ihrem Bündnisgebiet abzuschießen. Damit bröckelt die jahrelange Zurückhaltung beim Umgang mit solchen Flugkörpern. Grund dafür sind immer häufigere Drohnenvorfälle an der Nato-Ostflanke, darunter wiederholte Verletzungen des Luftraums von Bündnisstaaten. Bei einem Vorfall gab es Verletzte.
Zwar gelingt es der Nato, Drohnen mit Kampfjets abzufangen, auf lange Sicht steht Europa jedoch vor einem Kostenproblem: Der Einsatz teurer Luft-Luft-Raketen lässt sich bei häufigen Vorfällen kaum durchhalten.
Der Wendepunkt liegt in Rumänien
Russische Drohnen gelangen nicht erst seit diesem Jahr auf Nato-Gebiet. So stürzten seit 2023 während der Angriffe auf ukrainische Häfen mehrfach Fluggeräte auf der rumänischen Seite der Donau ab. Im September 2025 schossen verbündete Kampfjets erstmals mindestens drei von 19 russischen Drohnen in einer einzigen Nacht über Polen ab. Im Dezember zerstörte die Türkei eine aus Richtung des Schwarzen Meeres kommende Drohne, deren Herkunft ungeklärt blieb. Über Estland und Lettland schossen Nato-Jets 2026 zudem mehrere ukrainische oder mutmaßlich ukrainische Drohnen ab, die vermutlich infolge russischer Störmaßnahmen vom Kurs abgekommen waren.
Besonders betroffen ist Rumänien. Das Verteidigungsministerium in Bukarest hat seit Jahresbeginn mehr als 25 Fälle erfasst, in denen Drohnen unerlaubt in den nationalen Luft- oder Seeraum eingedrungen sind.
Zum Wendepunkt wurde nach Einschätzung des rumänischen Sicherheitsanalysten Iulian Chifu der Einschlag in Galați. Eine Untersuchung des Ministeriums ergab, dass ein in Russland gebauter Geran-2 mit einem rund 30 Kilogramm schweren Sprengkopf das Dach eines Wohnhauses getroffen und zwei Menschen verletzt hatte. Am 24. Juli zerstörte eine rumänische F-16 erstmals eine Drohne über eigenem Gebiet. Drei weitere Abschüsse folgten.
Teure Raketen, billige Ziele
Die Einsätze zeigen, dass die Nato reagieren kann. Sie zeigen aber auch, warum Kampfjets allein keine dauerhafte Lösung sind. Generalsekretär Mark Rutte brachte das Missverhältnis bereits im Mai auf den Punkt: „Wir können nicht ständig 20.000 Dollar teure Drohnen mit drei oder vier Millionen Dollar teuren Raketen ausschalten.“ Die Nato benötige günstigere Systeme und könne dabei von der Ukraine lernen.
Ein möglicher Ausweg sind Abfangdrohnen. Polen hat bereits das US-System Merops erhalten. Seine Surveyor-Abfangdrohnen kosten jeweils rund 15.000 Dollar. Laut US-Brigadegeneral Curtis King war Merops nach konservativer Schätzung für rund 40 Prozent der Abschüsse von Shahed-Drohnen in der Ukraine verantwortlich.
Die günstigere Technik bringt allerdings ein neues Problem mit sich. Luftfahrtexperte Justin Bronk verweist auf den hohen Personal- und Logistikaufwand, den Tausende solcher Systeme entlang der gesamten Nato-Ostflanke verursachen würden. Für einzelne Eindringlinge seien Kampfjets deshalb vorerst einfacher einzusetzen.
