Der Volksgarten ist der Dauerbrenner in der Grazer Sicherheitsdebatte. In der Wahrnehmung vieler spitzt sich die Lage derzeit zu. Anrainer fühlen sich mit dem Problem alleine.

„Dealer an jeder Ecke, Mopeds, die über den Fußweg rasen, auf dem Kinder gehen, minderjährige Mädchen, die mit Kriminellen rumhängen, und nicht ansprechbare Süchtige in fragwürdiger Pose“: So beschreibt Anrainerin Katerina Peterevska das Bild, welches ihr täglich im Volksgarten begegnet. Sie sei müde, sagt sie. Die Polizei einzuschalten, sei sinnlos. Peterevska ist wütend und enttäuscht und damit ist sie nicht alleine.

Mehrere Leserinnen und Leser hatten sich nach unserem Bericht, in dem ein Lendplatz-Gastronom Alarm schlug, an die Kleine Zeitung gewandt und über prekäre Zustände in der Gegend um den Volksgarten in Graz-Lend geklagt. Tatsächlich ist das Problem in Lend latent aktuell. Die Schutzzone, welche die Polizei vor zwei Jahren im Volksgarten eingerichtet hat, wurde erst im Juli bis Ende des Jahres verlängert.

das Bild zeigt Spritzen, die am Erdboden liegen. Im Hintergrund erkennt man den Kinderspielplatz. © privatUtensilien wie Spritzen bleiben achtlos am Boden im Volksgarten liegen

Auch die Stadtpolitik ist längst auf das Problem aufmerksam geworden. Derzeit wird der Volksgarten täglich gereinigt, um zumindest Gefahren durch herumliegende Nadeln zu minimieren. „So dicht war der Reinigungsrhythmus noch nie“, verriet Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) der Kleinen Zeitung am Rande eines Interviews. Vizebürgermeisterin Schwentner hat Büsche entfernen lassen, um das Gelände besser einsehbar zu gestalten.

Zudem hat Kahr das Friedensbüro damit beauftragt, im Volksgarten Angebote zu schaffen, um das Klima zu verbessern und den Park für die Grazerinnen und Grazer zu attraktivieren. Es gehe darum, den Volksgarten nicht den Drogen zu überlassen. Dafür ist die Ordnungswache vermehrt präsent. Auch die Beleuchtung wurde verstärkt. Mit der Polizei steht die Stadt im ständigen Austausch.

Elke Kahr sitzt neben ihrer Vize Judith Schwentner in einem Interview. Sie gestikuliert mit beiden Händen in Richtung ihres Gesprächspartners. © Klz / Stefan PajmanElke Kahr beauftragte das Friedensbüro, im Volksgarten unterstützend tätig zu werden. Das Klima im Grätzl verbessern

Im Frühjahr erweckt das Friedensbüro den alten Kiosk im Volksgarten wieder zum Leben. Er wird zum „Nachbarschaftskiosk“. Der soll eine niedrigschwellige Anlaufstelle sein und so für mehr Sicherheit sorgen. Neben Aktivitäten wie Singen, Schach und Spikeball bietet der Kiosk auch regelmäßig einen Raum für Jugendarbeit oder die Gesundheitsdrehscheibe der Stadt. Bei einer regelmäßig stattfindenden Denkfabrik brainstormen Anrainerinnen und Anrainer Ideen und Lösungen für das Viertel.

Das Bild zeigt einen kleinen grün-weiß gestrichenen Stand im Volksgarten. Davor ist ein Lastenrad mit dem Logo des Grazer Friedensbüros geparkt. © Stadt GrazVor seiner Wiedereröffnung war der Kiosk im Volksgarten ein Würstelstand

„Viele wundern sich zuerst über die Niederschwelligkeit, bedanken sich dafür, kommen Kaffee trinken und kurz plaudern. Von unterschiedlichsten Nutzerinnen und Passanten wurde bereits erklärt, wie hilfreich und wichtig der offene Kiosk sei“, berichtet das Friedensbüro. Man habe bereits Kontakt zu den unterschiedlichen Gruppen geknüpft, die den Park nutzen.

Beziehungsarbeit nennt man das, was das Friedensbüro im Volksgarten leitet. Ein vielfältiges Angebot soll das Miteinander im Grätzl fördern und sich positiv auf das Klima auswirken. Das bewirkt, dass Dealer sich im Park zumindest nicht unbeobachtet fühlen. Gegen die Delinquenz im Volksgarten fehlt aber noch die Handhabe. Das obliegt der Exekutive.

Ein Holzzaun trennt einen bereich vom Park ab. Zwei Männer sitzen im Hintergrund im Schatten einer Mauer. Sie suchen augenscheinlich nach Venen. © privatDer Volksgarten ist sei Jahren eine Anlaufstelle für suchtkranke Menschen.Wie sehr schützt die Zone?

Eine Schutzzone, wie im Volksgarten, dient dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor strafbaren Handlungen. In der Zone sind Beamte ermächtigt, Personen, von denen anzunehmen ist, dass sie strafbare Handlungen begehen werden, das Betreten der Schutzzone zu verbieten und sie gegebenenfalls wegzuweisen.

Die Polizei hat vor zwei Jahren auf Druck der Politik im Volksgarten eine Schutzzone eingerichtet. Die könne die Drogenkriminalität zwar nicht verhindern, helfe aber dabei, Kinder davor zu schützen, damit in Berührung zu kommen. Zwischen Juli 2024 und Juli 2026 haben Beamte 1062 Betretungsverbote ausgesprochen. Es gab 1499 Anzeigen. Den Schwerpunkt bildeten Missachtungen bereits ausgesprochener Betretungsverbote sowie Delikte nach dem Suchtmittelgesetz. Aktuellere Zahlen konnte die Polizei auf Anfrage nicht bereitstellen.

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