Europas Anleihemärkte ziehen 2026 deutlich Kapital an. Bei Aktien bleiben die USA führend, doch Anleger diversifizieren ihre Portfolios zunehmend.

Stephen Jones, Chief Investment Officer bei Aegon Asset Management, beobachtet im laufenden Jahr eine deutliche Verschiebung zugunsten festverzinslicher Anlagen. Europa zählt dabei zu den größten Nutznießern der Kapitalströme, während die USA bei Aktien weiterhin die führende Position behaupten.

Besonders auffällig ist die anhaltende Nachfrage nach europäischen Anleihen. Investment-Grade-Kreditfonds verzeichneten laut wöchentlicher EPFR-Analyse der BofA bis August fast 20 Wochen in Folge Zuflüsse. Seit Jahresbeginn summierten sie sich auf rund 40,6 Mrd. EUR bzw. etwa 1,9% des verwalteten Vermögens. Noch stärker gefragt waren europäische Staatsanleihefonds mit Zuflüssen von mehr als 5% des verwalteten Vermögens.

USA oder Europa ? - das ist hier die Frage

USA oder Europa ? – das ist hier die Frage

Dabei gehen Anleger nicht wahllos ins Zinsrisiko. Besonders gefragt sind Investment-Grade-Fonds mit kurzer und mittlerer Laufzeit. Hintergrund sind die gestiegenen Renditen am langen Ende und steilere Zinskurven. Trotz höherer Kupons entwickelten sich die Gesamtrenditen langlaufender Anleihen zuletzt deutlich negativ.

Auch europäische High-Yield-Fonds verbuchten seit Jahresbeginn rund 3,3 Mrd. EUR an Zuflüssen. Euro-orientierte Strategien schnitten dabei besser ab als US-orientierte Produkte. Hinzu kommen moderate, aber anhaltende Allokationen in Schwellenländeranleihen, insbesondere in Hartwährungen. Jones sieht zudem anhaltendes Interesse an globalen High-Yield-Fonds und europäischen ABS, die beide vergleichsweise geringe Duration bieten.

Bei den Aktienkapitalflüssen ist das Bild differenzierter. Europa verzeichnete im ersten Halbjahr passive Aktienzuflüsse von fast 200 Mrd. EUR. Diese wurden jedoch weitgehend durch Abflüsse aus aktiv gemanagten Aktienfonds kompensiert. Anleger bleiben Aktien damit grundsätzlich treu, bevorzugen aber zunehmend kostengünstige Indexlösungen.

Geografisch bleibe der Unterschied deutlich: Europa gewinnt bei Anleihen, während die USA bei Aktien weiterhin das bevorzugte Ziel globaler Kapitalströme sind. Die Kombination aus attraktiven Renditen, stabilen Kreditfundamentaldaten und geringerer Zinsvolatilität lockt zusätzliches Kapital in europäische Staats- und Unternehmensanleihen. Bei Aktien profitieren die USA dagegen weiterhin von struktureller ETF-Nachfrage sowie der Stärke von Wirtschaft und Technologie.

Stephen Jones

Jones sehe daher keine Abkehr der internationalen Anleger von den USA. Vielmehr diversifizieren sie ihre Portfolios stärker. Die zentrale Verschiebung sei weniger USA versus Europa als vielmehr Aktien versus Anleihen – mit Anleihen als Gewinner des vergangenen Jahres.

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