Dem Fernwärmeprojekt südlich von Graz steht ein in den 1980ern ausgewiesenes Naturdenkmal im Weg. Die Projektwerber stellen einen Antrag auf Aufhebung.

Anfang des Jahres hat das Energieprojekt „Sonnenspeicher Süd“ eine große Hürde genommen: Mit der Bestätigung des Bundesverwaltungsgerichts, wonach für die Errichtung des 270 Millionen Euro teuren Fernwärmespeichers südlich von Graz keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) notwendig ist, ersparen sich die Projektwerber wertvolle Zeit.

Besorgte Anrainer zogen dagegen zwar vor den Verfassungsgerichtshof, blitzten aber ab. Ob sich nun der Verwaltungsgerichtshof mit ihrer Beschwerde befasst, ist noch offen, aufschiebende Wirkung hat sie jedenfalls nicht.

Fossilien als Stolperstein

Deshalb wurde die Umsetzung des Projekts, das ein Viertel des Fernwärmebedarfs von Graz decken soll, weiter vorangetrieben. Dabei offenbarte sich allerdings ein möglicher Stolperstein. Konkret geht es um Fossilienfunde im Projektgebiet, die seit den 1980ern als Naturdenkmal besonderen Schutz genießen.

Ein Teil des Steinbruchs in Wildon steht unter Schutz © Wärmespeicher Weitendorf GmbHEin Teil des Steinbruchs in Wildon steht unter SchutzAntrag auf Aufhebung

Das ist den Projektwerbern freilich bekannt. Anders als bisher von ihnen angenommen, ist der Warmwasserspeicher aber nicht mit dem Naturdenkmal-Status vereinbar. Weshalb sie nun bei der Bezirkshauptmannschaft Leibnitz einen Antrag auf Aufhebung der Unterschutzstellung einbringen. „Anders wäre es uns natürlich lieber gewesen. Wir werden aber auf jeden Fall Maßnahmen ergreifen, um den langfristigen Schutz der Fossilien zu gewährleisten“, betont Projektwerber Heimo Ecker-Eckhofen.

Visualisierung des Projekts mit den einzelnen Anlageteilen © Sonnenspeicher SüdVisualisierung des Projekts mit den einzelnen Anlageteilen

Was wie ein Widerspruch klingt, begründet er mit den baulichen Maßnahmen. Geplant ist, einen Steinbruch in Wildon mit 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser zu fluten und abzudecken. Das darunter liegende Wasser soll durch Solarkollektoren und ein Biomasseheizwerk auf 120 Grad erhitzt und ins Fernwärmenetz eingespeist werden. Vom Speicherwasser überdeckt würde auch jene fossilreiche Tonmergelschicht, deren Schutzstatus aufgehoben werden soll. Um sie zu erhalten, wollen die Projektwerber sie freiwillig mit einer Folie abdecken.

Zugänglich wären die Fossilien unter dem Wasser freilich nicht mehr. Das seien sie aber auch jetzt nicht, da es sich um ein abgesperrtes Bergbaugebiet handle. Bei Einstellung des Betriebes werde der Steinbruch ohnehin durch Oberflächenwässer geflutet – allerdings ohne adäquaten Fossilienschutz. Für die Aufhebung des Naturdenkmals spreche auch, dass es in der Region ähnliche Vorkommen gebe.

Öffentliches Interesse

Als wichtigstes Argument bringen die Projektwerber aber das öffentliche Interesse ins Spiel. „Der Sonnenspeicher Süd funktioniert, es gibt in Österreich kein Projekt zur Dekarbonisierung, das weiter fortgeschritten ist“, meint Gilbert Frizberg. Pro Jahr sollen dadurch rund 75.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Für den Bau des Speichers spreche auch eine Wertschöpfung für die steirische Wirtschaft von rund 104 Millionen Euro, im jährlichen Betrieb sollen es knapp neun Millionen sein.

Es gibt in Österreich kein Projekt zur Dekarbonisierung, das weiter fortgeschritten ist

— Gilbert Frizberg, Projektwerber

Diese Zahlen gegen den Schutzstatus aufzuwiegen, ist nun Aufgabe der BH Leibnitz. Mit einem Ergebnis wird erst in mehreren Monaten gerechnet. Sollte das Naturdenkmal tatsächlich fallen, soll Mitte/Ende 2027 der Baustart und 2029 die Inbetriebnahme des Sonnenspeichers Süd erfolgen.

Sonnenspeicher Süd

Ein noch aktiver Steinbruch in Weitendorf bei Wildon soll in einen gigantischen Warmwasserspeicher umgewandelt werden.

Dazu soll der Steinbruch mit 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser aus der Kainach geflutet und mit einem schwimmenden Deckel isoliert werden.

Dieses Wasser wird mittels Solarthermie-Kollektoren (Nettofläche 28 Hektar) auf bis zu 90 Grad aufgeheizt.

Um die notwendigen 120 Grad für die Einspeisung in das Fernwärmenetz zu erreichen, wird direkt nebenan in einem 50-Megawatt-Biomasseheizwerk Hackgut verfeuert.

Das heiße Wasser wird über eine vier Kilometer lange Leitung nach Mellach transportiert, wo es in das bestehende Fernwärmenetz eingespeist wird.

Pro Jahr sollen 365 Gigawattstunden Wärme ins Grazer Fernwärmenetz eingespeist werden. Das entspricht rund einem Viertel des aktuellen Bedarfs.

Die geschätzten Projektkosten liegen bei mehr als 270 Millionen Euro.