Die Oberbank hat im ersten Halbjahr des laufenden Jahres ein deutliches Plus beim Ergebnis eingefahren. Verantwortlich dafür ist neben dem Provisionsgeschäft auch ein gestiegenes Beteiligungsergebnis.
Wie der designierte Vorstandsvorsitzende Martin Seiter in Linz mitteilte, stieg der Gewinn nach Steuern im Vergleich zur Vorjahresperiode um elf Prozent auf 199 Mio. Euro. Pro Aktie verbesserte sich der Gewinn von 5,08 auf 5,64 Euro. Das operative Zinsergebnis sank hingegen leicht um 0,5 Prozent auf 311,9 Mio. Euro. Seiter zeigte sich selbst von diesem Positiv-Trend überrascht. „Ich habe selbst nicht mit diesem starken Ergebnis gerechtnet“, betonte er, „vor allem das zweite Quartal hat meine Vorstellungen deutlich übertroffen und das dritte Quartal ist sehr gut angelaufen.“ Dennoch will Seiter auch weiter „auf Sicht“ fahren, eine Gewinnrevision wird es nicht geben. „Wir sind an der Börse und die geopolitische Situation ist zu unsicher, um klare Prognosen für das gesamte Geschäftsjahr treffen zu können.“
Beteiligungsergebnis als Wachstumstreiber
Bis 2030 soll die Dividende zu 2023 verdoppelt werden, was auch so im Geschäftsplan fixiert ist. Wachstumstreiber im ersten Halbjahr war neben dem Provisionsergebnis, das um 13,4 Prozent auf 129,1 Mio. Euro zulegte, vor allem das Beteiligungsergebnis. Das Provisionsgeschäft profitierte vom Private Banking.
Das At-Equity-Ergebnis aus den assoziierten Unternehmen BKS Bank, BTV Vier-Länder-Bank (zusammen 50 Prozent) und dem Linzer Stahlkonzern voestalpine (50 Prozent) verbesserte sich um 82,9 Prozent auf 39,5 Mio. Euro und lag damit laut Seiter im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Um 9,6 Prozent auf 24,6 Mio. Euro wurden die Risikovorsorgen im Kreditgeschäft erhöht. Die Forderungen an Kunden wuchsen seit Ende 2025 um 4,3 Prozent auf 22,367 Mrd. Euro, die Kundeneinlagen stiegen im gleichen Zeitraum um 3,0 Prozent auf 20,831 Mrd. Euro. Die Quote der notleidenden Kredite (Non-Performing Loans, NPL) verbesserte sich von 2,99 auf 2,94 Prozent. Das Verhältnis von operativem Aufwand zu Erträgen (Cost-Income-Ratio) sank von 43,65 auf 42,35 Prozent.
Kommerzgeschäft über dem Gesamtmarkt
Über dem Gesamtmarkt mit einem Plus von nur 2,5 Prozent lag das Kreditvolumen im Kommerzgeschäft , das sich im ersten Halbjahr um 4,8 Prozent auf 18,6 Mrd. Euro erhöht hat. Das Wachstum rührt unter anderem von der guten Nachfrage nach Investitions- und Exportfinanzierungen. Die hohen Lohn- und Energiekosten treiben die Unternehmen in Richtung Automatisierung, Digitalisierung und effizienzsteigernde Maßnahmen. Kapazitätsausweitungen passieren fast ausschließlich im Ausland, so Seiter. Die Industrie und der Mittelstand hätten in den letzten Jahren gut vorgesorgt und sind gut aufgestellt.
Große Hoffnung auf Ungarn-Geschäft
In Österreich habe die Oberbank weitere Marktanteile gewonnen. Überproportional gut gelaufen seien Deutschland mit einem Plus von 6,35 Prozent bei den Kreditfinanzierungen und Tschechien mit einem Zuwachs von 6,29 Prozent. Spitzenreiter aber sei Ungarn, wo man sich über zweistellige Zuwachsraten freuen kann, in Zahlen 11,25 Prozent. In Ungarn herrscht Aufbruchsstimmung, seit 2007 ist die Oberbank in dem Nachbarland aktiv und unterhält mittlerweile zwölf Standorte. Auch die Leasingsparte und Finanzierungen im Tourismus haben sich sehr gut entwickelt. Deutschland bleibt wichtigster Expansionsmarkt. 45 Standorte in zehn Bundesländern hat die Oberbank dort.
Bald unter Aufsicht der EZB
Das Eigenkapital der Bank stieg zum Halbjahr um 7,6 Prozent auf 4,493 Mrd. Euro., auch bei der Bilanzsumme sei man mit 29,8 Mrd. Euro ganz klar im Plan. Ab 30 Milliarden steht die Oberbank unter Aufsicht der EZB. „Wir erwarten, dass dieser Prozess im nächsten Jahr startet.“ Die Bank bereitet sich bereits seit fünf Jahren darauf vor, er selbst freue sich auf die Beaufsichtigung. Die Kernkapitalquote stieg zum Halbjahr um 0,4 Prozentpunkte auf 19,2 Prozent.
Als „Lotto-Sechser“ bezeichnete Seiter die anstehende Übernahme der deutschen Commerzbank durch die italienische Uni-Credit. „Viele Mittelständler sehen sich mit der Situation konfrontiert, dass aus ihren bisher zwei Banken plötzlich eins plus eins wird. Das ist nicht dasselbe und man sucht nach Alternativen.“ Hier will die Oberbank ein wenig „Cherry-Picking“ machen. Überraschend ist das ungebrochene Interesse an Wohnbaufinanzierungen im Privatkundengeschäft. Der Trend geht aber weg vom Neubau und hin zum Kauf von Häusern und Wohnungen und der anschließenden Sanierung.