Rheinmetall erhält Großaufträge von Bundeswehr und Litauen, zeigt neue Technologien. Analysten bewerten die Aktie unterschiedlich, der Kurs erholt sich.

Rheinmetall hat in den vergangenen Tagen gleich mehrere Militärgeschäfte publik gemacht – von einem litauischen Truppenlager über eine verlängerte Bundeswehr-Order bis zu Rüstungstechnik-Demonstrationen. Die Aktie reagiert am Mittwoch mit einem Plus von 2,2 Prozent auf 1.144,60 Euro und setzt damit die Erholung der vergangenen Wochen fort.

Bundeswehr-Auftrag über eine halbe Milliarde Euro

Den größten Einzelposten liefert eine Auftragsverlängerung der Bundeswehr für mobile Rettungsstationen. Der Bruttowert übersteigt 500 Millionen Euro und umfasst 149 zusätzliche geschützte und ungeschützte Systeme. Die Produktion soll im ersten Quartal 2027 anlaufen – ein Termin, der Rheinmetall über das kommende Jahr hinweg Planungssicherheit gibt.

Parallel dazu meldete der Konzern den ersten Auftrag im Rahmen des Programms G-CAP II SU in Litauen: ein modulares Lager für bis zu 2.000 Soldaten mit einem Volumen von 250 Millionen Euro. Beide Aufträge zusammen unterstreichen, wie breit Rheinmetall inzwischen zwischen Logistik, Unterbringung und medizinischer Versorgung für Streitkräfte aufgestellt ist.

Technologiedemonstrationen ergänzen das Bild

Neben den kommerziellen Abschlüssen zeigte Rheinmetall gemeinsam mit Hensoldt während der Übung Timber Express in Manching die Integration passiver Sensortechnologie in ein Luftverteidigungssystem.

Zudem demonstrierte der Konzern erstmals den Start seines Loitering-Munition-Systems FV-014 aus einem containerisierten Raketenwerfer auf einem HX-Lastwagen. Solche Vorführungen dienen weniger dem unmittelbaren Umsatz als der Positionierung für künftige Ausschreibungen in Europa.

Analysten uneins über weiteres Kurspotenzial

Die Nachrichtenflut trifft auf ein gemischtes Analystenbild. RBC startete Mitte August die Coverage mit der Einstufung Outperform und begründete dies mit der attraktiven Positionierung des Konzerns gegenüber der europäischen Wiederaufrüstung.

Kurz darauf stufte Jefferies die Aktie ebenfalls auf Buy hoch. JPMorgan blieb dagegen bei Neutral und nannte ein Kursziel von 1.350 Euro – deutlich über dem aktuellen Niveau, aber ohne die Kaufempfehlung der Konkurrenz.

Die unterschiedlichen Einschätzungen spiegeln die Nervosität wider, die seit der Kürzung der Umsatzprognose Anfang August im Markt steckt. Nach der Streichung des Fregattenprogramms F126 hatte Rheinmetall die Erwartung für 2026 auf eine Spanne von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro gesenkt, zuvor waren 14 bis 14,5 Milliarden Euro veranschlagt.

Charttechnisch noch kein klares Signal

Trotz des jüngsten Auftragsreigens bleibt die Aktie von ihrem 52-Wochen-Hoch bei 2.007 Euro, erreicht am 3. Oktober vergangenen Jahres, weit entfernt – der Abstand beträgt 43 Prozent.

Zum 200-Tage-Durchschnitt von 1.420,47 Euro liegt der Kurs ebenfalls klar im Minus, während er den 50-Tage-Durchschnitt von 1.093,47 Euro um 4,7 Prozent überschreitet. Das deutet auf eine kurzfristige Stabilisierung hin, ohne dass der langfristige Abwärtstrend seit Jahresbeginn – die Aktie notiert 26 Prozent im Minus – bereits als überwunden gelten kann.

Anleger dürften den Blick nun auf den kommenden DZ Bank Expert Day richten, bei dem weitere Details zur Auftragslage und zur Profitabilität nach der gesenkten Guidance erwartet werden.

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