Der britische Schauspieler Tim Curry ist im Alter von 80 Jahren verstorben. Seine Rolle im Musical „Rocky Horror Show“ machte ihn zum Weltstar.

Schon mit seinem ersten Engagement als Schauspieler soll Tim Curry seine Mutter schockiert haben. Patricia Curry saß Berichten zufolge beschämt im Publikum, als ihr Sohn 1968 im Musical „Hair“ nackt auf der Bühne tanzte. Einige Jahre später dürfte sie erneut rot geworden sein, als er 1973 in der „Rocky Horror Show“ mit Make-up in Strapsen und Stöckelschuhen auftrat. Doch als Dr. Frank N. Furter fand Tim Curry die Rolle seines Lebens. Im konservativen Großbritannien der 1970er-Jahre war das sexuell aufgeladene Musical von Richard O‘Brien gewagt. Dass ein Stück über einen außerirdischen, bisexuellen Wissenschafter in Frauenkleidern – „der Transvestit vom Planeten Transsexual aus der Galaxie Transylvania“ – ein weltweites Phänomen werden würde, konnte niemand ahnen. Doch das wurde es.

Der Schauspieler und Sänger wurde 1946 als Timothy James Curry in der Grafschaft Cheshire geboren und verbrachte seine Kindheit wegen der Militärkarriere seines früh gestorbenen Vaters teilweise in Hongkong. An der Universität Birmingham studierte er Schauspiel. Bevor ihn sein „Hair“-Kollege O‘Brien zur „Rocky Horror Show“ holte, hatte er unter anderem in der Royal Shakespeare Company mitgewirkt und für kleinere Fernsehrollen vor der Kamera gestanden.

„Rocky Horror Show“: Premiere vor 85 Besuchern

Vor nur 85 Leuten wurde die „Rocky Horror Show“ am 16. Juni 1973 uraufgeführt. Nach zähen Startwochen wurde das Obergeschoss des Royal Court Theatre irgendwann zu klein. Zwei Jahre nach der Uraufführung sang Curry als Dr. Frank N. Furter auch auf der großen Kinoleinwand „Sweet Transvestite“. Die Verfilmung unter dem Titel „Rocky Horror Picture Show“ machte den Mann mit dem breiten Grinsen weltbekannt. Dem Ruhm konnte Curry wenig abgewinnen. „Ich genieße das nicht“, sagte er einmal dem „Guardian“, „aber ich spiele das Spiel mit.“

Tim Curry in der Verfilmung des Kult-Musicals wurde zur Filmikone © APATim Curry in der Verfilmung des Kult-Musicals wurde zur Filmikone

Trotzdem war Curry vorerst überwiegend im Fernsehen zu sehen, nicht im Kino. Und er spielte regelmäßig im Londoner West End und am Broadway in New York. Als Wolfgang Amadé Mozart in der Broadway-Version von „Amadeus“ war er für einen Tony als Bester Hauptdarsteller nominiert. Obendrein versuchte er sich als Popstar. Schon als Kind hatte er in der Kirche gesungen. Dass er das konnte, hatte er als Frank N. Furter allen bewiesen. Der Soundtrack der „Rocky Horror Picture Show“ verkaufte sich millionenfach. Doch seine eigenen Alben waren keine kommerziellen Erfolge. Die Single „I Do The Rock“, geschrieben mit Filmkomponist Michael Kamen („Stirb langsam“), schaffte es immerhin in die US-Charts.

Späte Karriere in Hollywood

Ab den 1980er-Jahren klappte es dann doch noch mit der Filmkarriere. Er spielte in John Hustons Musical „Annie“ und der Krimikomödie „Alle Mörder sind schon da“. Für Ridley Scotts „Legende“ mit Tom Cruise schlüpfte er 1985 als Herr der Finsternis in ein Teufelskostüm. Das Fantasy-Abenteuer floppte, genießt aber heute Kultstatus. Curry war in seinem spektakulären Kostüm allerdings kaum zu erkennen. Ende der 1980er-Jahre übersiedelte er in die USA. „Ich bin nach L.A. gezogen, weil sie dort die Kameras auf einen richten“, sagte er der „New York Times“. „Und ich möchte, dass sie das machen.“ Es sollte sich lohnen.

In den 1990er-Jahren stand er deutlich häufiger vor der Kamera, wenn auch überwiegend in Nebenrollen. Legendär ist sein Auftritt als furchterregender Clown Pennywise im Horror-Klassiker „Es“. Danach konzentrierte er sich zunehmend auf Sprechrollen. Unzähligen Figuren in Zeichentrick-, Kinderserien und Videospielen lieh er seine markante Stimme und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet.

Leben nach dem Schlaganfall

Seit einem Schlaganfall im Jahr 2012 – Curry war damals 67 Jahre alt – ist er teilweise gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Seinen Humor verlor er dadurch nicht. „Am Tag vor dem Schlaganfall hab ich drei Schachteln geraucht“, scherzte er im „Guardian“-Interview. „Das werde ich nicht wieder machen.“ Er ließ sich nicht unterkriegen und arbeitete weiter als Sprecher. Als die „Rocky Horror Picture Show“ 2016 fürs Fernsehen neu verfilmt wurde, wirkte Curry als Erzähler mit. Auf Conventions und Festivals begeisterte er seine Fans mit Anekdoten aus seinem bewegten Leben. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er seine Autobiografie „Vagabond“, die er als Hörbuch einsprach.

Laut seiner Website war Tim Curry nie verheiratet und hat keine Kinder. Ansonsten ist über sein Privatleben nichts bekannt. In „Vagabond“ erklärte er, warum: „Affären des Herzens oder im Bett gehen euch – bei allem Respekt – verdammt noch mal nichts an.“

Nun ist er im Alter von 80 Jahren in seinem Haus in Los Angeles verstorben.