Es war ein Rennen um Minuten und Sekunden: Dass Brunner noch lebt, hat er seiner Tochter zu verdanken. Die Achtjährige reagierte bei einem lebensbedrohlichen Notfall entschlossen und besonnen.

Stich löste anaphylaktischen Schock aus

Der Mann war am Donnerstag, 20. August gegen 16.30 Uhr mit dem Schneiden von Fliederpflanzen im Garten des Hauses in Imbach beschäftigt, als ihn eine Hornisse stach. „Ich habe sie noch auf mich zufliegen gesehen, da hat sie mich auch schon in die Stirn gestochen“, erinnert sich Brunner.

Er drückte ein Coolpack gegen seine Stirn, aber sofort bemerkte er, dass sein Körper stark auf das Insektengift reagierte und er einen sogenannten anaphylaktischen Schock erlitt. „Ich hatte das bisher noch nie!“ Als Herzrasen und Schweißausbrüche einsetzten, setzte er mit dem Handy einen Notruf ab. Zuerst konnte er noch selbst telefonieren. „Dann habe ich gesagt, ich gebe das Telefon jetzt meiner Tochter und bin bewusstlos geworden.“

Kind alarmierte zusätzlich auch seine Mutter

Lilly handelte perfekt. Während sie noch mit der Notrufzentrale verbunden war, alarmierte sie mit ihrer Apple-Watch ihre Mutter, die Allgemeinmedizinerin und Notärztin Marie-Jeanne Brunner, die sich in der Ordination in Rohrendorf aufhielt.

Während diese sofort nach Hause raste, holte ihre Tochter die Fernbedienung des Tores, und als die Mutter ankam, wies die Volksschülerin gerade das Rettungsteam ein …

Ärztin half ihrem Mann in letzter Minute

Die Ärztin konnte rasch mit einer Injektion helfen, und mit dem Rotkreuzauto ging es ins Klinikum Krems.

„Ich hatte nur mehr einen Blutdruck von 50 zu 30“, weiß Brunner, dass er seiner Tochter sein Leben verdankt. „Man sieht, wie wichtig es ist, dass Kinder früh mit Erster Hilfe in Kontakt kommen.“

Lilly Brunner (8)

Lilly hat schon viel über Erste Hilfe gelernt: „Und das habe ich mir gemerkt.“

Foto:
Martin Kalchhauser

Wieso wusste sich Lilly zu helfen? Schon mit drei, vier Jahren begleitete sie ihre Mutter zu Kindernotfallkursen. „Wir haben auch in der Schule darüber gesprochen“, erzählt die Schülerin der Kremser Mary-Ward-Volksschule. Das Rote Kreuz vermittelte dort schon kindgerechte Erste Hilfe-Tipps. „Das habe ich mir gemerkt!“

Für Notärztin ist Tochter eine „kleine Heldin“

Dass sie ihrem Vater das Leben gerettet hat, ist für die Achtjährige nicht sehr aufregend. Dafür findet ihr Verhalten rundum viel Anerkennung. Lillys Mama: „Ich bin Notärztin und habe schon viele Notfälle erlebt – aber selten so viel Besonnenheit. Danke, meine kleine Heldin! Ohne dich wäre dieser Tag anders ausgegangen.“ Und Papa hat ihr auch schon oft gesagt, wie dankbar und stolz er ist. Seine Schätzung („Sicher schon hundert Mal.“) korrigiert Lilly schmunzelnd: „Sicher schon eine Million Mal!“