Die japanische Künstlerin wurde mit ihren bunten Punkten, Spiegelräumen und Kürbis-Skulpturen weltberühmt
Tokio – Die japanische Künstlerin Yayoi Kusama ist tot. Wie das Yayoi Kusama Museum in Tokio mitteilte, starb sie bereits am 14. August in einem Krankenhaus der japanischen Hauptstadt. Kusama wurde 97 Jahre alt. Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete als Todesursache von Multiorganversagen.
Kusama galt als eine der bedeutendsten und erfolgreichsten Künstlerinnen der Gegenwart. Weltweit bekannt wurde sie mit ihren charakteristischen „Polka Dots“, farbigen Punktmustern, die sie auf Gemälden, Skulpturen, Installationen und ganze Räume übertrug. Ebenso ikonisch wurden ihre leuchtenden Kürbis-Skulpturen und die spektakulären „Infinity Mirror Rooms“, die durch Spiegel, Licht und sich wiederholende Muster den Eindruck grenzenloser Räume erzeugen.
Arbeiten von Yayoi Kusama in Köln.
© IMAGO/Kolvenbach
Geboren wurde Kusama 1929 in Matsumoto in der Präfektur Nagano. Ihre Kindheit beschrieb sie später als schwierig. Schon früh litt sie unter Halluzinationen, Depressionen und Angstzuständen. Die Muster aus Punkten und Netzen, die sie nach eigenen Angaben seit ihrer Jugend sah, wurden zum Ausgangspunkt ihres künstlerischen Schaffens.
1958 übersiedelte sie nach New York und fand dort Anschluss an die Avantgarde-Szene. Mit ihren Installationen, Performances und Gemälden erregte sie rasch Aufmerksamkeit. Internationale Bekanntheit erlangte sie unter anderem 1966 mit „Narcissus Garden“, einer Installation aus 1500 spiegelnden Kugeln, die sie ohne Genehmigung bei der Biennale von Venedig präsentierte.
Lebte freiwillig in eine psychiatrischen Klinik
Trotz künstlerischer Anerkennung blieben wirtschaftlicher Erfolg und persönliche Stabilität zunächst aus. 1973 kehrte Kusama nach Japan zurück. Vier Jahre später ließ sie sich freiwillig in eine psychiatrische Klinik in Tokio einweisen. Dort lebte sie bis zuletzt. In unmittelbarer Nähe unterhielt sie ihr Atelier und arbeitete weiterhin nahezu täglich an neuen Werken.
Ab den 1990er-Jahren wurde Kusama zunehmend als internationale Ausnahmekünstlerin gefeiert. Ihre Ausstellungen zogen Millionen Besucher an, ihre Arbeiten erzielten Höchstpreise auf dem Kunstmarkt. 2012 gestaltete sie eine viel beachtete Kooperation mit dem Luxuslabel Louis Vuitton.
Die Künstlerin setzte sich ihr Leben lang mit vermeintlich einfachen Formen auseinander.
© IMAGO/Kolvenbach
„Selbstauflösung“ in Punkten
Charakteristisch für Kusamas Kunst war die Vorstellung der „Selbstauflösung“: Punkte, Netze und Spiegel sollten die Grenzen zwischen Mensch, Kunstwerk und Umgebung aufheben. Oft inszenierte sie sich selbst als Teil ihrer Arbeiten, gekleidet in dieselben Muster, die auch ihre Werke prägten.
Ihre vermeintlich einfachen Punkte wurden so zum Symbol einer lebenslangen Auseinandersetzung mit Wahrnehmung, Unendlichkeit und psychischer Erkrankung. Mit ihren Kürbissen, Spiegelwelten und farbenstarken Installationen schuf Kusama ein Werk, das weit über die Grenzen der Kunstwelt hinaus wirkte. (TT, APA)
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