Nach der ruhigsten Phase des Jahres, in der an den vergangenen sechs Wochenenden nur ein Grand Prix stattfand, startet die MotoGP mit dem Grand Prix von Aragonien in den arbeitsreichsten Abschnitt der laufenden Saison.

Die restlichen zehn Rennen werden an den kommenden 14 Wochenenden ausgetragen. Fehler und Verletzungen könnten dabei direkte Auswirkungen auf den Titelkampf haben.

Im Mittelpunkt steht weiterhin das Duell zwischen Aprilia und Ducati. Die beiden Hersteller haben sich bislang einen engen Schlagabtausch geliefert. Vor dem Rennen in Aragonien scheint Aprilia einen leichten Vorteil zu besitzen. Allerdings wartet mit dem MotorLand eine Strecke, die besonders Ducati entgegenkommen könnte.

1. Kann Marc Marquez in Aragon zurückschlagen?

Marc Marquez dürfte in Aragonien besonders genau beobachtet werden. Der amtierende Weltmeister hat auf dem spanischen Kurs eine beeindruckende Bilanz vorzuweisen.

Seit seinem MotoGP-Debüt 2013 gewann der Spanier dort sieben Rennen in der Königsklasse. Seit seinem Wechsel zu Ducati im Jahr 2024 ist Marquez im MotorLand sogar ungeschlagen. Entsprechend spricht vieles für einen achten Sieg des Ducati-Piloten. Allerdings könnte die Aufgabe in diesem Jahr schwieriger werden.

Zum einen hat Aprilia im Vergleich zum Sachsenring, der gerade einmal zwei Rennen zurückliegt, deutlich aufgeholt. Zum anderen reist Marquez nach einem enttäuschenden Wochenende in Silverstone nach Aragonien. Dort hatte der 33-Jährige sichtlich zu kämpfen und musste sich mit Rang sieben begnügen.

Besonders auffällig war, dass Marquez ausgerechnet in Bereichen Probleme hatte, die auf dem Silverstone Circuit einst zu seinen Stärken zählten. Gegen einige seiner Ducati-Markenkollegen konnte der Spanier kaum Widerstand leisten, während die Aprilia-Fahrer das Geschehen an der Spitze dominierten.

Trotzdem wollte Marquez nicht in Panik verfallen. Ein einzelnes Rennen entscheidet schließlich noch keine WM. Zudem hatte bereits Assen gezeigt, dass der Ducati-Pilot in dieser Saison auf bestimmten Strecken verwundbar sein kann.

Entscheidend wird deshalb sein, wie Marquez auf jenen Kursen auftritt, die ihm besonders liegen. Aragonien gehört eindeutig dazu. Ein starkes Wochenende könnte ihm die Möglichkeit geben, wichtige Punkte auf die Spitze gutzumachen.

2. Wie schlägt sich Johann Zarco beim Comeback?

Auch Johann Zarco steht in Aragonien im Fokus. Der LCR-Honda-Pilot soll erstmals seit seinem schweren Unfall beim Katalonien-Grand-Prix im Mai wieder an einem MotoGP-Rennen teilnehmen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Franzose am Donnerstag den obligatorischen Fitnesscheck besteht.

Hinter Zarco liegt eine mehr als 100 Tage lange und schmerzhafte Rehabilitationsphase. Beim ersten Neustart des Rennens in Barcelona war sein Bein in der Ducati von Francesco Bagnaia eingeklemmt worden. Dabei wurde sein Knie verletzt.

Eine ursprünglich geplante Operation war am Ende aber doch nicht nötig. Zarco und seine Ärzte entschieden sich für eine konservative Behandlung und Rehabilitation zu Hause. Weil die Genesung in den vergangenen Wochen schneller voranschritt als zunächst erwartet, konnte er seine Rückkehr früher als geplant ansetzen.

Große sportliche Erwartungen an sein Comeback gibt es nicht. Denn Zarco verfügt aufgrund seiner langen Verletzungspause über keinerlei aktuelle MotoGP-Fahrpraxis. Während seiner Auszeit trainierte er auf einer Supermoto und einem Honda-Superbike.

Für LCR ist seine Rückkehr trotzdem von großer Bedeutung: Das Team kann damit erstmals seit Monaten wieder mit seiner vollständigen Fahrerpaarung antreten.

Auch Fermin Aldeguer wird bei Gresini voraussichtlich wieder ins Geschehen eingreifen. Der Spanier hatte die vergangenen beiden Rennwochenenden verpasst. Damit dürfte Maverick Vinales der einzige reguläre MotoGP-Fahrer sein, der beim Aragon-Grand-Prix nicht im Starterfeld steht. Für ihn tritt Pol Espargaro an.

3. Hat KTM seine verlorene Motorleistung zurück?

KTM könnte in Aragonien einen wichtigen Schritt nach vorne machen. Der österreichische Hersteller hat in diesem Monat notwendige Änderungen an seinen problematischen Motoren vornehmen dürfen. Auslöser waren mehrere technische Schwierigkeiten und Ausfälle an der Maschine von Pedro Acosta.

Um die Zuverlässigkeit zu verbessern, musste KTM in den vergangenen Rennen deshalb Leistung opfern und die Motoren in ihrer Performance etwas zurücknehmen.

Für die notwendigen Arbeiten benötigte KTM zunächst die Zustimmung der Konkurrenz, da die Motoren bereits versiegelt waren. Nach der erteilten Genehmigung konnte KTM die Änderungen rechtzeitig vor dem Aragon-Grand-Prix durchführen.

Ob die RC16 nun tatsächlich wieder mit voller Motorleistung eingesetzt werden kann, wird sich erst auf der Strecke zeigen. Für die vier KTM-Piloten im MotoGP-Geld ist die Entwicklung aber unabhängig davon eine wichtige Nachricht.

Bisher hat sich KTM hinter Ducati und Aprilia als drittstärkster Hersteller etabliert. Gleichzeitig wartet die Mannschaft inzwischen seit vier Rennwochenenden auf einen weiteren Podestplatz. Der letzte gelang Pedro Acosta beim Grand Prix von Ungarn. Gerade deshalb zählt in Aragonien jedes zusätzliche PS.

4. Gelingt Francesco Bagnaia Wiedergutmachung?

Francesco Bagnaia dürfte ebenfalls mit einem klaren Ziel nach Aragonien reisen: Die schwierige Vorstellung von Silverstone soll möglichst schnell vergessen gemacht werden.

Beim Großbritannien-Grand-Prix blieb der Italiener erstmals in dieser Saison komplett ohne Punkte. Das erinnerte an schwierige Phasen seiner Saison 2025, als Bagnaia teilweise selbst keine Erklärung für seine mangelnde Performance finden konnte.

Insgesamt verlief seine Saison 2026 allerdings deutlich besser im Vorjahr. Vieles spricht deshalb dafür, dass Silverstone lediglich ein Ausreißer nach unten war. Aragonien bietet Bagnaia zudem gute Voraussetzungen für eine positive Trendwende.

Der Ducati-Fahrer konnte auf dem Kurs bereits gewinnen und stand im vergangenen Jahr als Dritter auf dem Podium. Sein Ziel wird sein, an jene Form anzuknüpfen, die ihn vor der Sommerpause regelmäßig zu einem Kandidaten für die vorderen Plätze machte. Zwischen Barcelona und Brünn wurde er viermal Dritter.

5. Kann Toprak Razgatlioglu seine Saison drehen?

Auch Toprak Razgatlioglu hat nach einem ernüchternden Großbritannien-Wochenende einiges wiedergutzumachen. Der einzige Fahrer, den der Pramac-Yamaha-Pilot in Silverstone hinter sich lassen konnte, war Testfahrer Augusto Fernandez.

Besonders in den langgezogenen Kurven fehlte dem dreifachen Superbike-Weltmeister die nötige Performance. Die Streckencharakteristik von Aragonien könnte ihm jedoch entgegenkommen. Das Stop-and-Go-Layout dürfte besser zu den Stärken seiner Yamaha passen als der schnelle und flüssige Kurs von Silverstone.

Allerdings steht Razgatlioglu vor einer zusätzlichen Herausforderung: Wenn er sein erklärtes Ziel erreichen und erstmals ein MotoGP-Rennen innerhalb der Top 10 beenden will, muss er seinen Fahrstil weiter an die Königsklasse anpassen.

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