Seit rund einem halben Jahr befinden sich die USA, Israel und der Iran im Krieg. Was als schneller Militärschlag geplant war, artet für Trump immer mehr zum Problem aus. Der unbeliebte Krieg könnte die Republikaner die Kongresswahlen kosten.

Als „kurzen Ausflug“ und „kleines Scharmützel“ hatte Donald Trump den Iran-Krieg anfangs verharmlost. Nun aber dauert der Militärkonflikt bereits knapp sechs Monate (am 28. Februar 2026 begannen die Kampfhandlungen) und hat sich für den US-Präsidenten zu einer immensen Bürde ausgewachsen. Vor den Kongress-Zwischenwahlen Anfang November wächst in den USA weiter der Unmut über Trumps Kurs. Seine Beschwörungen eines „Siegs“ über Teheran haben stark an Glaubwürdigkeit verloren.

Trump versprach keine langen Kriege

Vor seiner Wiederwahl hatte Trump immer wieder versichert, er werde die USA nicht mehr in „ewige Kriege“ wie im Irak und in Afghanistan führen. Jetzt findet er selbst im Iran keinen Ausweg. Mindestens 18 US-Soldaten sind getötet worden und mehr als 750 verletzt. Der Krieg hat die Treibstoff- und Lebenshaltungskosten in den USA wie auch die Staatsschulden massiv in die Höhe getrieben.

Eine aktuelle YouGov-Umfrage für die Zeitschrift „Economist“ ergab, dass sich die US-Bürgerinnen und Bürger ein schnelles Kriegsende wünschen. Allerdings meinen inzwischen 50 Prozent, der Krieg werde noch ein Jahr oder länger dauern.

Aktualisiert
am 25.08.2026, 10:00 Uhr

Washington droht dem Iran mit einem beispiellosen Wirtschaftskrieg. Fast 60 Organisationen und Personen sollen sanktioniert werden. Zugleich geraten Staaten unter Druck, die weiterhin Geschäfte mit Teheran machen und damit seine Einnahmen sichern.‘

Stillstand im Iran-Krieg

Aktuell gibt es keine wesentlichen Kampfhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Das US-Militär bleibt jedoch in der Region präsent. Dabei setzt die Marine die Seeblockade iranischer Häfen durch, um Teheran von wichtigen Einnahmequellen abzuschneiden. Zugleich hilft sie nach US-Angaben Tankern bei der Passage durch die Straße von Hormus.

Ohne einen dauerhaften Waffenstillstand droht der Konflikt jederzeit wieder aufzuflammen, wie zuletzt Mitte Juli. Seitdem sind auf diplomatischer Ebene keine erkennbaren Fortschritte erzielt worden. Im Iran haben sich inzwischen Politiker durchgesetzt, die Verhandlungen mit den USA skeptisch sehen und stattdessen auf eine erneute militärische Eskalation vorbereitet sein wollen. Zugleich will die iranische Führung die Straße von Hormus, die vor dem Krieg für den Schiffsverkehr offen war, weiter als Druckmittel nutzen.

Trump fehlt Exit-Strategie

Trump sei „überzeugt gewesen, dass er im Iran wiederholen kann, was in Venezuela gelungen ist, eine schnelle Machtdemonstration“, sagt der Politologe Garret Martin von der American University in Washington. „Jetzt ist er in einer Lage, aus der es keinen einfachen Ausweg gibt“. Trump fehle eine glaubwürdige Exit-Strategie, befindet William Galston von der Denkfabrik Brookings Institution. „Hat er ein Kaninchen im Hut?“, fragt Galston. „Nein, ich glaube, sein Hut ist leer.“

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) warf Trump bereits im Frühjahr vor, „offensichtlich keine Strategie“ im Iran-Krieg zu haben. Zudem sah Merz die Vereinigten Staaten durch die iranische Staatsführung „gedemütigt“. Trump reagierte eingeschnappt und kündigte den bereits geplanten Rückzug tausender US-Soldaten aus Deutschland an.

Inzwischen reagiert der 80-Jährige gereizt bis gelangweilt, wenn er auf den Iran angesprochen wird. Er schwärmt lieber von seinen Bauprojekten wie den Ballsaal am Weißen Haus oder den Triumphbogen, als immer neue Fragen zur Straße von Hormus und den massiv gestiegenen Spritpreisen zu beantworten.

Zudem hat der Konflikt Trump und seinen langjährigen Verbündeten Benjamin „Bibi“ Netanjahu entzweit, der ihn nach Recherchen von US-Medien zu dem riskanten Militäreinsatz überredet hatte.

Vom „Regime Change“ zum „Wirtschaftskrieg“

Statt auf Verhandlungen mit Teheran setzt der US-Präsident neuerdings auf Drohungen mit einem „Wirtschaftskrieg“, mit dem er den Iran in die Knie zwingen will. US-Finanzminister Scott Bessent sprach in Anspielung auf die Landung der Alliierten in Nordfrankreich 1944 sogar von einem „D-Day“ für den Iran. Unklar ist allerdings, wann die angedrohten Sanktionen gegen Irans Handelspartner überhaupt greifen sollen. Unter den Folgen des Kriegs und der hohen Inflation leidet allerdings schon jetzt vor allem die einfache Bevölkerung.

Trump hatte seit Jahresbeginn immer wieder unterschiedliche Kriegsziele genannt – neben einer bedingungslosen Kapitulation und einem „Regime Change“ besonders häufig, dass der Iran niemals Atomwaffen besitzen dürfe. Dies ist seit Jahrzehnten ein umstrittener Punkt, der vor allem für Israel große Bedeutung hat.

60 Tage laufen aus

Was hat das US-Rahmenabkommen mit Iran gebracht?

Einen Durchbruch haben die USA bislang bei keinem Thema erreichen können. Israels Luftwaffe hatte sich nach der im April vereinbarten Waffenruhe nicht mehr an den Attacken gegen den Iran beteiligt – mit Ausnahme eines kurzen Vergeltungsangriffs im Juni als Reaktion auf iranische Raketenangriffe.

Militärisch ist der Iran zwar geschwächt, sein Raketenprogramm aber nicht vollständig zerstört. Experten führen die festgefahrene Lage am Persischen Golf auch darauf zurück, dass der Trump-Regierung eine klare Strategie fehlt.

Stehen die Zeichen auf Eskalation oder Diplomatie?

Irans Führung misstraut den USA und wirft Regierungsvertretern in Washington vor, kein Interesse an der Einhaltung der im Juni unterzeichneten Vereinbarung zu haben. Der Machtapparat stimmt die Bevölkerung daher zunehmend auf eine neue Eskalation ein. Beobachter halten es für möglich, dass Irans Streitkräfte wenige Wochen vor den Wahlen in den USA mit militärischem Druck versuchen könnten, Washington weitere Zugeständnisse abzuringen. „Iraner waren früher professionelle Schachspieler, heute sind sie auch gute Pokerspieler“, sagte Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai am Montag mit Blick auf die Lage.

Unklar ist, wie stark der wirtschaftliche Druck durch die neuen US-Sanktionen und die bestehende Seeblockade in den kommenden Wochen noch zunimmt. Irans Währung, der Rial, fiel Anfang der Woche auf ein Rekordtief. Bewohner großer Städte berichten seit Monaten von massiven Preissteigerungen im Alltag. Viele Menschen haben ihren Konsum deshalb eingeschränkt und kaufen nur noch das Nötigste. Die schwere Wirtschaftskrise setzt auch die Regierung unter Druck, die neue Proteste fürchtet.

Die Regierung im Nachbarland Pakistan, das in dem Konflikt zwischen Teheran und Washington vermittelt, sprach am Dienstag nach einem Besuch in der iranischen Hauptstadt von „sehr positiven und produktiven Gesprächen“. Die pakistanische Delegation unter Leitung des Armeechefs Asim Munir habe sich zudem mit Mohsen Resai, dem neu eingesetzten Chef des nationalen Sicherheitsrats, Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi getroffen. Ob die Gespräche zu weiteren Friedensverhandlungen führen werden, bleibt abzuwarten.

Iran-Krieg als Bürde bei den Kongresswahlen

Bei den Kongresswahlen am 3. November droht Trumps Republikanern einen Denkzettel für den unvollendeten Krieg. Nicht besser wird die Lage dadurch, dass der Präsident mehrfach durchblicken ließ, die Inflationssorgen der Wähler seien ihm egal, denn die Preissteigerungen seien nur „vorübergehend“. Sollten Trumps Republikaner eine oder beide Kammern verlieren, könnten sie keine größeren Gesetzesvorhaben mehr durchbringen.

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Derweil hat die US-Staatsverschuldung mit 40 Billionen Dollar (gut 34 Billionen Euro) einen neuen Höchststand erreicht. Das liegt nicht nur an Trumps Steuersenkungen und den hohen Ausgaben für die Einwanderungsbehörde ICE, sondern auch am Iran-Krieg und an den Rückzahlungen aufgrund seiner gescheiterten Zoll-Politik.

„Was als zweiwöchige Operation angekündigt war, ist jetzt ein umfassender Krieg, der seit über 150 Tagen andauert, mehr als 37 Milliarden Dollar gekostet und das Leben von 18 Soldaten gefordert hat“, schrieben rund 50 Abgeordnete der oppositionellen Demokraten diese Woche in einem Brief an Trump. „Die Regierung sollte sich darauf konzentrieren, den Konflikt zu beenden und die sehr realen finanziellen Sorgen der amerikanischen Öffentlichkeit anzugehen.“ (afp/dpa/bearbeitet von the)