Szene aus dem Film "Everytime": Drei Personen sitzen auf einem Berg und blicken auf die Küste und das Meer

AUDIO: Oscars 2027 Vorauswahl: Die Chancen der deutsche Filme (5 Min)

Stand: 26.08.2026 13:33 Uhr

„Everytime“ von Sandra Wollner soll Deutschland beim Rennen um den „Besten internationalen Film“ bei den Oscars 2027 vertreten. Das hat German Films am Dienstag bekannt gegeben. Aber auch ein norddeutscher Film hat eine Chance: İlker Çataks „Gelbe Briefe“.

von Patricia Batlle

Sandra Wollners deutsch-österreichisches Drama „Everytime“ hatte im Mai bei den Filmfestspielen in Cannes den Hauptpreis der Reihe „Un Certain Regard“ gewonnen. Der Film erzählt von Trauer und vom tragischen Verlust in einer Familie. Das Drama lebt besonders von seiner Stimmung, den starken Bildern und ist mit Birgit Minichmayr hochkarätig besetzt.

Wollner gelinge das Kunststück, mit rein filmischen Mitteln und einer überraschenden Leichtigkeit Trauer als Zustand einer aus den Fugen geratenen Welt erlebbar zu machen“, hieß es in der Jury-Begründung von German Films. „Die herausragende Kameraarbeit erzeugt eine flirrende, bisweilen entrückte Atmosphäre, ohne sich vor die Figuren zu drängen“.

Der Film lebt stark von den Bildern, sagt Kino-Expertin Anna Wollner. Das könne bei den Academymitgliedern ein Vorteil sein, weil er sich abhängig klebt. Es kann aber genauso gut auch eine Hürde werden.

Szene aus dem Film "Everytime": Eine junge Frau steht auf einem Flachdach, während ein junger Mann links auf dem Dach liegt.

Sandra Wollners Cannes-Sieger ist Kino von seltener Kraft. Das Drama verzichtet auf Erklärungen – und trifft damit umso tiefer.

İlker Çatak mit „Gelbe Briefe“ hat Oscar-Chance

Durch eine neue Regeländerung der Oscar-Academy hat auch İlker Çataks Drama „Gelbe Briefe“, in der Kategorie „bester internationaler Film“ ins Rennen zu gehen. Denn alle Hauptsieger bestimmter Filmfestivals haben nun automatisch eine Chance, in der Kategorie qualifiziert zu werden.

Im Februar hat der Berliner Regisseur und Drehbuchautor İlker Çatak mit „Gelbe Briefe“ den Goldenen Bären erhalten. Daher könnte die von der MOIN geförderte und in Hamburg und Berlin gedrehte Produktion theoretisch auch ins Rennen um einen Oscar als „Bester internationaler Film“ gehen. Laut Informationen der Deutschen Presse Agentur müsste die Produktionsfirma von „Gelbe Briefe“ ihre Kandidatur noch formal bei der Oscar-Academy für diese Kategorie einreichen. Das sei jedoch eine Formsache.

Vergangene Woche hatte German Films eine Liste der Filme bekannt gegeben, die Deutschland gern ins Oscar-Rennen schicken würde. Unter den elf Produktionen waren mehrere Filme mit norddeutschem Bezug.

Oscar für „bester internationaler Film“ – Das waren die möglichen Filme aus Deutschland

23.000 Leben“ von Markus Goller
Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Simon Verhoeven
„Babystar“ von Joscha Bongard
Das geträumte Abenteuer“ von Valeska Grisebach
„Der Heimatlose“ von Kai Staenicke
Everytime“ von Sandra Wollner (Diese Produktion hat German Films nun als Oscar-Hoffnung benannt)
Heimsuchung“ von Volker Schloendorff
„Minotaurus“ von Andrei Zvyagintsev
„No Good Men“ von Shahrbanoo Sadat
„Sie glauben an Engel, Herr Dworak“ von Nicolas Steiner
„Staatsschutz“ von Faraz Shariat

Erfolgsfilme wie „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ dabei

Unter den potenziellen Kandidaten waren Kassenhits wie Simon Verhoevens Romanverfilmung „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ (nach Vorlage von Joachim Meyerhoffs Roman) und Markus Gollers „23.000 Leben“. Auch Dramen, die in Cannes preisgekrönt wurden und noch auf den deutschen Kinostart warten, sind dabei. Etwa Volker Schloendorffs Jenny-Erpenbeck-Romanverfilmung „Heimsuchung“ und Valeska Griesebachs „Das Geträumte Abenteuer“.

Video:
Berlinale-Sieger „Gelbe Briefe“ feiert Premiere in Hamburg (2 Min)

„Gelbe Briefe“, „No Good Men“ und „Der Heimatlose“ teils im Norden gedreht

Regisseur Kai Stänicke sitzt dunklem Shirt und Hemd beim Berlinale-Empfang der Moin Filmförderung

Regisseur Kai Stänicke hat für seinen Debütfilm „Der Heimatlose“ bereits den Gläsernen Teddy bei der Berlinale erhalten.

Dazu gehörten auch Filme, die in Norddeutschland gedreht oder zum Teil hier finanziert wurden. Kai Staenicke hatte sein Drama „Der Heimatlose“ auf Sylt und Norderney gedreht. Der Film erzählt die Geschichte eines Mannes, der nach langer Zeit in die Heimat zurückkehrt, aber von niemandem erkannt wird, Das Regiedebüt feierte Deutschlandpremiere beim Filmfest Emden-Norderney.

Mehrere Filme hat die MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein unterstützt. Etwa das russische Gesellschaftsdrama „Minotaurus“ von Andrey Zvyagintsev und die zum Teil in Hamburg gedrehte Komödie „No Good Men“. Die in der Hansestadt lebende Afghanin Shahrbanoo Sadat eröffnete damit im Februar die Berlinale.

Szene aus dem Film "Gelbe Briefe": Eine Frau und ein Mann sitzen im Freien an einem Hafen

In İlker Çataks neunmal für den Deutschen Filmpreis nominiertem Drama verliert ein gefeiertes Künstlerpaar über Nacht alles, weil es Haltung zeigt.

Oscars 2027: Shortlist am 15. Dezember, Gala am 14. März

Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Kandidaten automatisch auch eine Nominierung bekommen. Am 15. Dezember verkündet die Oscar Academy die Shortlist für den Oscar als „bester internationaler Film“. Davon bleiben allerdings am Ende nur fünf Titel über. Diese werden am 21. Januar 2027 bekannt gegeben. Die Filmteams treffen dann Sonntag, 14. März 2027, in Hollywood bei der 99. Oscar-Gala aufeinander.

Die Crew des Films "Gelbe Briefe" auf dem Podium bei der Lola Verleihung.

Das zu großen Teilen in Hamburg gedrehte Drama „Gelbe Briefe“ wurde mit der silbernen Lola ausgezeichnet.

Szene aus dem Film "Everytime": Drei Personen sitzen auf einem Berg und blicken auf die Küste und das Meer

Das Drama, das aktuell im Kino läuft, handelt von Trauerbewältigung nach einer Familientragödie. German Film schickt es ins Rennen um den „Oscar als bester internationaler Film“.

Helge Albers, Geschäftsführer der Moin Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein GmbH, bei einem Fototermin im Zeise Kino.

Zehn Regeln für ein neues Kino – dafür steht die neue Bewegung Dogma 25. Helge Albers von der Moin Filmförderung erläutert im NDR Interview die Beweggründe.

Regisseur Kai Stänicke (links) mit Hauptdarsteller Paul Boche und dem Jury Preis Teddy Award der Berlinale

Kai Stänickes Spielfilmdebüt hat bei der Berlinale den Teddy Jury Award erhalten. Das auf auf Sylt und Norderney gedreht Drama feiert nun auf Norderney Deutschlandpremiere.

Die Produzentin Katja Adomeit (Mitte) sitzt neben Sharbanoo Sadat (r.) und Mohammad Anwar Hashimi (l.) bei einem Empfang

Bilderstrecke

Unter der norddeutschen Filmprominenz waren Monika Treut, Hanna Reifgerst, das Filmteam von „No Good Men“ und Regisseur Kai Stänicke.

Ilker Çatak (l-r), Özgü Namal , Tansu Bicer und Produzent Ingo Fliess zeigen den Goldenen Bären für den Besten Film

Das zum Teil in Hamburg gedrehte Drama „Gelbe Briefe“ des Berliner Regisseurs hat sich gegen 21 Beiträge durchgesetzt. Auch Sandra Hüller erhielt einen Preis.

Regisseurin Mascha Schilinski (links) und Louise Peter halten deutsche Filmpreise (Lolas) in den Händen für "In die Sonne schauen"

Großer Gewinner des Deutschen Filmpreises ist das Historiendrama von Mascha Schilinski. Auch „Gelbe Briefe“ von İlker Çatak erhält eine Lola.

Christoph Maria Herbst (r.) und Mala Emde sitzen im Dunkeln vor einem Hochhaus - Szene aus "Sommer auf Asphalt"

Die NDR-Koproduktion „Sommer auf Asphalt“ hat das Festival eröffnet. Mehr als 30 Premieren stehen auf dem Programm. Zudem kommen Stars wie Florian Lukas und Nora Tschirner.

Video:
„Moin Mittsommer“: Filmbranche feiert auf Kampnagel (4 Min)