Der bosnisch-serbische Ex-General Ratko Mladić ist ​tot. ⁠Er sei in der ​Haftanstalt ⁠in ​Den Haag gestorben, teilte der Internationale Strafgerichtshof mit. In dem UN-Gefängnis in den Niederlanden verbüßte der 84-Jährige eine lebenslange Haftstrafe.

Mladić sei während eines Krankenhausaufenthalts in der Haft verstorben, hieß es. Der medizinische Leiter der Haftanstalt sei umgehend benachrichtigt worden. Daraufhin hätten die niederländischen Behörden die vorgeschriebenen Standardverfahren und Ermittlungen eingeleitet. Zudem habe Richterin Graciela Gatti Santana eine umfassende Untersuchung der Todesumstände angeordnet.

Reaktionen auf Mladićs Tod

Eine Vertreterin des Opferverbandes Mütter von Srebrenica sagte der Nachrichtenagentur AFP, sein Name werde für immer »ein Symbol für Völkermord« sein. »Für uns ist er ein verurteilter Kriegsverbrecher und wird in unserer Geschichte auch als solcher in Erinnerung bleiben«, sagte eine Sprecherin des Gedenkzentrums von Srebrenica, Almasa Salihović. Bei dem Massaker war ihr 18-jähriger Bruder getötet worden. »Dieser Mann hat ihn mit seinen Befehlen in den Tod geschickt«, sagte sie.

Auch UN-Generalsekretär António Guterres erinnerte an die Opfer der Kriegsverbrechen des Ex-Generals. Guterres solidarisiere sich »mit den Opfern, den Überlebenden und ihren Familien«, erklärte sein Sprecher Stéphane Dujarric.

In der serbischen Teilrepublik von Bosnien und Herzegowina überwog dahingegen die Trauer. Die örtlichen Behörden riefen die Einwohner dazu auf, Mladić in Kirchen die letzte Ehre zu erweisen. Der ehemalige Präsident der Republika Srpska, Milorad Dodik, zündete in einer Kirche in Banja Luka, der Hauptstadt der Teilrepublik, eine Kerze für Mladić an. Er sagte, Mladić sei »eine große Persönlichkeit für das serbische Volk«, der »in einer schwierigen Zeit das Kommando über die Armee übernommen« habe.

Mehrere Schlaganfälle

Mladić war 2011 in Serbien festgenommen worden, nachdem er zuvor 16 Jahre lang auf der Flucht gewesen war. 2017 verurteilte ihn das UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in erster Instanz. Das Urteil wurde 2021 letztinstanzlich bestätigt. Mladić selbst hatte stets seine Unschuld beteuert.

© Lea Dohle

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Erst am 20. August war ein Eilantrag von Mladićs Anwalt auf vorzeitige Haftentlassung aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt worden. Der Verteidiger hatte gefordert, den inzwischen schwer kranken Mladić zur Behandlung nach Serbien zu überstellen. Sein Gesundheitszustand habe sich stark und dauerhaft verschlechtert, sagte er. Zuvor habe Mladić mehrere Schlaganfälle erlitten.

Belagerung Sarajevos und das Massaker von Srebrenica

Mladić war während des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995 Oberkommandierender der bosnisch-serbischen Armee. Die UN-Richter sahen es als erwiesen an, dass er unter anderem die mehrjährige Belagerung Sarajevos maßgeblich leitete. Dabei kamen rund 10.000 Menschen ums Leben. Mladić wurden zudem Mord, Vertreibung und Folter zur Last gelegt.

Zu den insgesamt elf Anklagepunkten gehörte auch das Massaker von Srebrenica. Serbische Einheiten hatten die damalige UN-Schutzzone im Juli 1995 überrannt und etwa 8.000 muslimische Männer und Jungen ermordet. Die Richter stuften das Verbrechen als Völkermord ein und machten Mladić dafür verantwortlich. Das Massaker gilt als eines der schlimmsten Verbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Im Jahr 2025 rief die UN den 11. Juli als Gedenktag für die Opfer von Srebrenica ins Leben.

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