Autobranche und Zulieferer in der Krise

Europa droht eine oft übersehene Gefahr

Christopher Clausen Porträt

28.08.2026 – 08:07 UhrLesedauer: 5 Min.

Schaeffler-Werk in Stuttgart (Symbolbild): Der Autozulieferer schließt zwei Werke.Vergrößern des Bildes

Schaeffler-Werk in Stuttgart (Symbolbild): Der Autozulieferer schließt Werke – mit Auswirkungen auf ganz Europa. (Quelle: Fotostand / K. Schmitt via www.imago-images.de)

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Stellenabbau und mögliche Werksschließungen bei den Autokonzernen machen Schlagzeilen. Doch hinter den Herstellern steht eine riesige Zulieferindustrie – Zehntausende Jobs in Europa sind bedroht.

Wenn Volkswagen, Mercedes oder Stellantis Stellen streichen, Werke verkleinern oder Investitionen überprüfen, geht es schnell um Tausende Arbeitsplätze in den betroffenen Konzernen. Was viele übersehen: Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Denn bebt es in der deutschen, der europäischen Autoindustrie, schlägt das riesige Wellen. Hinter den Fabriken steht ein weitverzweigtes Netz aus Zulieferern – vom kleinen Spezialisten bis zu Konzernen wie Bosch, ZF oder Continental. Es stehen also nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, Italien oder Österreich Zehntausende Jobs auf dem Spiel.

Geraten die Hersteller unter Druck, endet das Problem nicht an ihren Werkstoren. EU-Kommissionsvizepräsident Stéphane Séjourné, zuständig für Wohlstand und Industriestrategie, sprach Anfang Juli im Europäischen Parlament von einer „existenziellen Krise“ der europäischen Autoindustrie und warnte vor Millionen gefährdeten Arbeitsplätzen, wie das „European Business Magazine“ berichtete.

imago images 0480246478Vergrößern des BildesProduktion eines VW Golf in Wolfsburg: Hunderte Unternehmen sind an der Produktion eines Autos beteilit. (Quelle: IMAGO/Darius Simka/imago)

Wie stark die Verflechtungen sind, zeigt das Beispiel Volkswagen: Mehr als 55.000 Lieferanten gehören zum globalen Einkaufsnetzwerk des Konzerns. Für einzelne Fahrzeugmodelle liefert eine dreistellige Zahl Zulieferer direkt Teile und komplette Module an die Werke. Dahinter folgen weitere Unternehmen, die etwa Chips, Kabel, Dichtungen oder andere Komponenten herstellen. Über mehrere Stufen hinweg sind so Tausende Unternehmen an einem Auto beteiligt.

Der Stellenabbau ist bereits in vollem Gang. Allein 2024 und 2025 wurden laut dem europäischen Zulieferverband Clepa 104.000 Stellenstreichungen angekündigt. Bis 2030 könnten dem Verband zufolge bis zu 350.000 Arbeitsplätze gefährdet sein.

Europas Zulieferer verlieren an Boden

Die Industrie steht vor großen Herausforderungen: Der Hochlauf der Elektromobilität verläuft langsamer als früher erwartet, gleichzeitig kostet die Umstellung auf neue Antriebe und die rasante technologische Entwicklung mit vernetztem und autonomem Fahren viel Geld. Die europäischen Hersteller stehen unter Sparzwang, während der Wettbewerb aus China zunimmt.

Laut der Strategieberatung von PwC, Strategy&, stiegen die Umsätze der zehn größten Automobilhersteller weltweit 2025 um zehn Prozent. Die untersuchten führenden Zulieferer verzeichneten dagegen einen Rückgang um drei Prozent. Gleichzeitig entfielen inzwischen 49 Prozent des untersuchten Zuliefermarktes auf asiatische Unternehmen. Chinas Anteil stieg zwischen 2015 und 2025 von 5 auf 14 Prozent, der Anteil deutscher Unternehmen sank von 26 auf 23 Prozent.

imago images 0824054030Vergrößern des BildesSchematischer Blick in ein SUV von BYD: Europäische Unternehmen sind an der Wertschöpfung immer weniger beteiligt. (Quelle: IMAGO/imageBROKER/Ingo Schulz/imago)

Chinesische Zulieferer kamen laut der Auswertung im vergangenen Jahr durchschnittlich auf 30.320 Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern je Beschäftigtem. Bei deutschen Unternehmen waren es 4.190 Euro. Dabei investieren die deutschen Zulieferer keineswegs wenig. Ihre Forschungs- und Entwicklungsquote liegt mit durchschnittlich 7,2 Prozent über der aller anderen untersuchten Regionen. Ihre durchschnittliche Marge beträgt allerdings 5,2 Prozent, bei chinesischen Unternehmen sind es 8,4 Prozent. Hohe Ausgaben treffen auf sinkende Einnahmen.