Wer mit Psoriasis oder atopischer Dermatitis lebt, kennt das Problem: Die Behandlung ist oft ein langer Weg mit vielen Arztbesuchen und wenig Austausch zwischen den beteiligten Fachleuten. Das soll das Projekt EsmeDerm ändern.
Das Ziel: Spezialisierte Zentren für die Haut
Kernstück von EsmeDerm sind 16 sogenannte „Zentren für inflammatorische Dermatosen“, kurz ZiD. Diese Zentren gibt es bundesweit, leider mit einem deutlichen Schwerpunkt auf den alten Bundesländern. Die Ärztinnen und Ärzte dieser Zentren begleiten die Behandlung mit einer digitalen Plattform. Diese Plattform hilft dabei, die Therapie individuell zu planen, den Verlauf zu überwachen und den Erfolg der Behandlung besser abzusichern.
Um herauszufinden, ob dieses Konzept wirklich etwas bringt, läuft eine wissenschaftliche Studie mit randomisiertem Design. Insgesamt sollen bundesweit 700 Patientinnen und Patienten teilnehmen.
Die Teilnehmenden werden per Zufall in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe startet sofort in einem der Spezialzentren, die andere bleibt erst sechs Monate in der gewohnten Praxis und wechselt danach ebenfalls ins Spezialzentrum. So lässt sich gut vergleichen, ob die neue Versorgungsform tatsächlich Vorteile bringt. Nebenbei wird untersucht, wie gut das Konzept in der Praxis funktioniert und ob es sich wirtschaftlich lohnt.
Welche Vorteile haben Betroffene?
Für Patientinnen und Patienten, die an EsmeDerm teilnehmen, ergeben sich mehrere konkrete Vorteile.
eine individuelle Betreuung durch ein eingespieltes Team aus Fachärzten.
eine ausführliche Beratung zum Umgang mit der Erkrankung, zu möglichen Auslösern und Risikofaktoren, inklusive praktischer Tipps für den Alltag.
eine moderne, digital unterstützte Therapieplanung, die auf die eigene Situation abgestimmt ist.
Das übergeordnete Ziel: weniger Beschwerden und eine spürbar geringere Krankheitsaktivität im Alltag.
Beim ersten Termin wird zudem eine kleine Probe der obersten Hautschicht entnommen. Das kann bei der genauen Diagnostik helfen.
Niemand bekommt ein noch nicht zugelassenes Medikament. Es ist also keine Medikamenten-Studie. Aber andersherum: Wenn der Studienarzt meint, dass eine zugelassene innerliche Therapie zur Behandlung nötig ist, dann können Studienteilnehmer darauf eingestellt werden. Das kann also auch eine Chance sein, eine für sie besser geeignete innerliche Therapie zu bekommen.
Wie können Betroffene teilnehmen?
Wer an EsmeDerm teilnehmen möchte, muss ein paar Grundvoraussetzungen erfüllen. Man muss
mindestens 18 Jahre alt sein
an Psoriasis oder atopischer Dermatitis leiden
sichtbare Stellen haben
gesetzlich krankenversichert sein
innerhalb von zwölf Monaten mindestens sechs Mal in eines der Studienzentren kommen können
die Smartphone-App bedienen können
Die Registrierung läuft ausschließlich über die EsmeDerm-App. Dort laden Interessierte nach der Registrierung Fotos von ihren aktuellen Stellen der Hauterkrankung hoch. Ärzte beurteilen dann, ob eine Teilnahme möglich ist.
Auf der Internetseite zum Projekt und in der App finden Interessierte weitere Informationen zur Teilnahme.
Wer steckt hinter dem Projekt?
Die Idee hinter EsmeDerm ist nicht neu erfunden. Ein Vorläuferprojekt namens EsmAiL hat bereits erfolgreich ein ähnliches Versorgungskonzept für Menschen mit Hidradenitis suppurativa getestet. Jetzt wird geprüft, ob sich dieses Modell auch auf Psoriasis und atopische Dermatitis übertragen lässt.
Die Abkürzung EsmeDerm steht für „Evaluation eines strukturierten und leitlinienbasierten multimodalen Versorgungskonzepts für Menschen mit entzündlichen Dermatosen“.
Das Projekt wird mit rund 3,2 Millionen Euro vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert. Die Leitung liegt bei Prof. Dr. Stephan Grabbe von der Universitätsmedizin Mainz. Als Partner sind außerdem die DAK-Gesundheit, die Techniker Krankenkasse, die Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung sowie die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg dabei.