LONDON (IT BOLTWISE) – Eine klinische Studie mit 42 Teilnehmenden vergleicht Keto, die mediterrane Ernährungsweise und eine fettarme, pflanzenbetonte Kost bei Adipositas. Alle drei Diäten führten zu Gewichtsverlust und weniger Körperfett, doch die Keto-Variante verbesserte die Leber- und Stoffwechselmarker stärker. Besonders auffällig: Leberfett sank im Schnitt um 67% unter Keto, während der Anteil in den Vergleichsgruppen bei 45% lag. Rund die Hälfte der Keto-Gruppe erfüllte nach der Studiendauer nicht mehr die Kriterien für Prädiabetes.

Keto bei Adipositas: Studie zeigt Vorteile für Leber- und StoffwechselgesundheitKeto bei Adipositas: Studie zeigt Vorteile für Leber- und Stoffwechselgesundheit (Foto: IT BOLTWISE)

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Wer bei Adipositas nach einem einfachen „Mehr Kalorien runter“-Rezept sucht, bekommt aus der aktuellen Forschung eine deutlich differenziertere Antwort. In einer randomisierten klinischen Untersuchung wurden eine ketogene Kost (Keto), die mediterrane Ernährung sowie eine fettarme, pflanzenbetonte Variante direkt gegeneinander getestet. Entscheidend war dabei nicht nur, dass alle Gruppen abnahmen, sondern wie sich die Stoffwechselgesundheit und speziell die Leberparameter im Verlauf veränderten. Die Studie wurde in Cell Metabolism veröffentlicht.

Der Studiendesign-Ansatz war relativ strikt: 42 Personen nahmen teil, die gleichzeitig mit Adipositas, Prädiabetes und einer Fettlebererkrankung in Verbindung gebracht wurden. Alle Teilnehmenden erhielten ihre Mahlzeiten vollständig durch das Forschungsteam, und sie trafen wöchentlich eine Ernährungsfachkraft, um die jeweilige Makroverteilung einzuhalten. Über vier bis fünf Monate war das Ziel darauf ausgerichtet, etwa 10% des Körpergewichts zu verlieren. Danach zeigte sich zwar in allen Gruppen eine signifikante Abnahme von Körperfett und eine bessere Insulinsensitivität, doch die Keto-Gruppe stach bei den Leber- und Stoffwechselmarkern heraus.

Technisch lässt sich der Unterschied an den verordneten Makros festmachen. Keto lieferte nur 4% der Kalorien aus Kohlenhydraten, stellte aber 73% aus Fett bereit; die mediterrane Diät lag bei 50% Kohlenhydraten und 35% Fett. Die pflanzenbetonte, fettarme Variante kam dagegen auf 70% Kohlenhydrate und 15% Fett. Unter diesen Bedingungen sank das Leberfett in der Keto-Gruppe im Schnitt um 67%, während es in den anderen beiden Gruppen bei 45% blieb. Auch die hormonelle „Werkzeugmaschine“ des Stoffwechsels wurde messbar: Die Forschenden beobachteten über 24 Stunden die metabolischen Aktivitäten, indem sie wiederholt Blutproben analysierten, und berichteten für Keto den größten Anstieg von Glukagon, also jenes Hormons, das die Freisetzung von Energieträgern in der Leber begünstigt.

Bemerkenswert ist dabei auch, was in der Keto-Gruppe nicht passiert sein soll. In dem Zusammenhang sagte Max Petersen, MD, Assistenzprofessor für Medizin und Erstautor der Studie, in einer Pressemitteilung: „The most surprising finding was that participants in the ketogenic diet group didn’t experience an increase in blood fat or cholesterol levels despite consuming the most fat.“ Gleichzeitig zeigte sich laut Studiendaten unter Keto eine stärkere Reduktion des Insulinspiegels im Blut, was wiederum als Vorteil für die Leberfett-Entlastung interpretiert wird. Ergänzend dazu verschob sich auch die klinische Risikoeinteilung: Am Ende erfüllte etwa die Hälfte der Keto-Teilnehmenden nicht mehr die Kriterien für Prädiabetes, verglichen mit 29% in der mediterranen Gruppe und 7% in der pflanzenbetonten Kontrollgruppe.

Für die Praxis ist die Größenordnung der Studie zugleich eine Chance und eine Einschränkung. Yesika Garcia, MD, Endokrinologin und nicht an der Untersuchung beteiligt, bewertete die Ergebnisse als „small but well-designed and controlled“ und hob hervor, dass bei gleicher Gewichtsabnahme die Zusammensetzung der Ernährung trotzdem Effekte auf die Leber haben kann. In ihrem Statement benannte sie jedoch klare Grenzen: Die Studie sei klein (42 Personen), die Beobachtungsdauer betrage etwa fünf Monate, und die Ergebnisse ließen sich nicht ohne Weiteres auf die gesamte Bevölkerung übertragen. Ebenso wichtig ist ihr Punkt, dass der Nutzen für die Muskelmasse über alle drei Diäten hinweg gleich geblieben sei – Muskelgewebe als größter „Zuckerbrenner“ des Körpers profitiere demnach primär durch Gewichtsverlust, weniger durch das konkrete Makro-Setup.

Damit wird der Vergleich zwischen den Diätformen in einem technisch relevanten Rahmen greifbar. Die ketogene Ernährung ist darauf ausgelegt, eine ernährungsbedingte Ketose zu erzeugen: Der Körper verlagert die Energiegewinnung stärker auf Fett. Typischerweise wird dafür eine Verteilung von ungefähr 50–60% Fett, 30–35% Protein und 5–10% Kohlenhydraten angestrebt. Die mediterrane Ernährung setzt dagegen auf Früchte und Gemüse, Vollkorn, Nüsse und Hülsenfrüchte, also deutlich mehr „minimal verarbeitete“ Lebensmittel im Alltag; sie ist in der Regel kohlenhydratreicher und fettreduzierter als Keto. Eine pflanzenbetonte Ernährung teilt die Grundausrichtung auf pflanzliche Lebensmittel, ohne zwingend auf tierische Produkte verzichten zu müssen, und macht Fleisch nicht zum dominierenden Element einer Mahlzeit.

Für Unternehmen im Gesundheits- und Ernährungsbereich liegt die Marktbedeutung weniger in der Frage „Keto gut oder Keto schlecht“, sondern in der präzisen Übersetzung von Ernährungsparametern in messbare Endpunkte. Wenn bei ähnlichem Gewichtsverlust die Leber- und Stoffwechselmarker differenziert reagieren, wird ein streng makronährstofforientiertes Storytelling relevanter als reine Kalorienbotschaften. Gleichzeitig deutet die Studie an, dass Keto vor allem für bestimmte Konstellationen – etwa Fettleber, Prädiabetes und Adipositas – einen zusätzlichen metabolischen Hebel liefern kann. Die entscheidende Umsetzungshürde bleibt jedoch: Diäten funktionieren nur, wenn Menschen sie über Zeit auch tatsächlich durchhalten; genau daran setzt auch die kritische Einordnung aus der klinischen Praxis an.

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