Zwischen Provinzfarce und Utopie: Ein Künstlerprojekt widmete sich der Bewerbung von Graz für die Winterolympiade 2026.
Vor acht Jahren gelangte die Idee aus den Köpfen von zwei Bürgermeistern in die Öffentlichkeit: Eine Bewerbung der Steiermark, namentlich von Graz und Schladming, als Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2026. Wie die Realität gezeigt hat, haben diese Winterspiele in diesem Februar in Mailand sowie halb Norditalien stattgefunden. Der Bewerbung der beiden steirischen Städte war so wenig Glück beschieden, dass man sie acht Jahre später schon fast vergessen hat. Nicht vergessen hat es der Kurator Michael Petrowitsch, der das Jahr der intendierten Austragung zum Anlass genommen hat, ein Projekt zu der (gottlob?) verpassten Chance zu kuratieren, das sich künstlerisch und theoretisch mit der Idee von Olympia in der Steiermark auseinandersetzt.
Es gäbe natürlich viele Vernunftgründe, die Idee „Graz und Schladming 2026“ als bizarre Großmannssucht abzuqualifizieren. Ökonomische und ökologische. Und nicht zuletzt gab es in Graz in dieser Zeit eine Reihe von Großprojekten (Murgondel, Bienenstock-Garage), die es nie übers Konzeptpapier hinaus geschafft haben. So auch die kurzlebige Olympiabewerbung, die es letztlich nur zu einer Machbarkeitsstudie (Kostenpunkt: 180.000 Euro) brachte, deren überaus positive Ergebnisse man selbst als ökonomischer Laie anzweifeln darf und muss.
Die Landesregierung war nicht für die Idee zu begeistern, das Projekt verlief bald im Sand. Nicht zu vergessen: Bereits 1994 hatte es einen Vorstoß in Richtung Winterspiele in der Steiermark gegeben, damals vom mittlerweile verstorbenen Landesrat Gerhard Hirschmann, einer Persönlichkeit, die aus Gewohnheit groß dachte.
Zwischen Unsinn und Notwendigkeit
2002 und 2026 scheiterten, was nicht heißt, dass dieses Scheitern nicht interessant wäre. Oder dass solche Ideen rein absurd wären. Das Bild von ein und demselben Projekt kann ja von einem Moment auf den anderen völlig anders sein. Die Elbphilharmonie in Hamburg war bis zum Tag ihrer Eröffnung ein Skandalon, ein Millionengrab und Symbol einer außer Rand und Band geratenen Stadtpolitik. Seit dem Tag ihrer Eröffnung ist es ein Wahrzeichen, ein Touristenmagnet und stolzes Haus mit Weltgeltung. Dieser Doppelcharakter zeigte sich im Kulturbereich in Graz im Jahr 2003, das, je nach Blickwinkel, völliger Unsinn oder absolute Notwendigkeit gewesen ist.
Die künstlerischen Untersuchungen des Projekts sind vielfältig: Günther Friesinger hat im Namen der legendären „Lord Jim Loge“ ein Pamphlet für „Graz 2038“ entwickelt, das der Dialektik solcher Großprojekte Rechnung trägt. Ein Text, wo man nicht weiß, wo der vom Futurismus inspirierte scheinende grandiose Künstlergestus aufhört und der Wahnsinn anfängt. Jörg Vogeltanz überführte in Plakatcollagen die Leibesertüchigungen der Athleten in die Welt der Erotik, während Uwe Gallaun Sujets für die imaginierten Spiele entwarf. All diese Dinge waren in den vergangenen Monaten im Grazer Stadtraum affichiert, nun ist ein Katalog zum Projekt erschienen, der von Wenzel Mraček, Elisabeth Passath und Michael Petrowitsch theoretisch unterfüttert wurde.
Olympia 2026 von EPeKa Austria, Hrsg. Michael Petrowitsch. Der Katalog ist unter michael.petrowitsch@epeka.at erhältlich