Europas politische, wirtschaftliche und intellektuelle Elite diskutiert im idyllischen Tiroler Bergdorf darüber, wie der Kontinent wieder stärker werden kann. Doch was halten eigentlich jene davon, die das Forum jedes Jahr direkt vor ihrer Haustür erleben? Über den Wunsch nach „mehr europäischem Selbstbewusstsein“ und „weniger Gesprächsblasen“, einen Auftrag an Forumspräsident Othmar Karas und einen Bus ohne Fahrer.

„Wir wissen genau, was falsch läuft“, sagt Othmar Karas, Präsident des Forum Alpbach, im Podcast. Europa habe „kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem“. Elisabeth Mandl
30.08.2026 um 02:03
von
Sissy Rabl und David Freudenthaler


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Bevor das Forum Alpbach ab Sonntag mit den Conference Days in seine entscheidende Phase geht, hat sich die „Presse“ mit Menschen aus dem Ort an einen Stammtisch gesetzt: mit dem Bürgermeister, zwei Gastwirtinnen, einer Gemeindeangestellten und dem Chef der Bergbahnen. Sie erzählen, was das Forum dem Dorf bringt – und warum nach all den Diskussionen manchmal mehr bleiben dürfte als bloße „Gesprächswolken“.
„Auf dem Forum Alpbach wird über alles viel diskutiert. Aber ich fände es schön, wenn man nachher auch mitkriegen würde, was da wirklich rausgekommen ist. Was ist über diese Wochen in Alpbach entstanden und welche Probleme wurden hier gelöst?“, sagt Touristikerin Christine Marrgreiter vom Leirerhäusl in Alpbach. Kristen-images.com / Michael Kristen
„Wir verkennen in Europa oft unseren Wert. Wir haben so großartige Sachen: Technologie, eine funktionierende Wirtschaft und viele Innovationen. Wir dürfen da wirklich ein bisschen Selbstbewusstsein dazuaddieren und dann läuft das schon“, sagt Gastwirtin Eva Lederer vom Alpbacher Fürstenhäusl. Kristen-images.com / Michael Kristen
„Ich bin der Meinung, dass wir uns als Europa auf Dauer nicht mehr auf andere verlassen sollen. Wenn wir jetzt in Sicherheit investieren, sollten wir das nicht in Amerika tun oder anderswo. Sondern bei uns in Europa, auch um unsere eigene Wirtschaft zu stärken. Denn wenn wir unsere Sozialsysteme stärken wollen, brauchen wir eine starke Wirtschaft – das ist die Basis für Investitionen im sozialen Bereich. Wenn wir es da als Europa schaffen, das Heft in die Hand zu nehmen, haben wir viel erreicht“, sagt Reinhard Wieser, Chef der Alpbacher Bergbahnen. Kristen-images.com / Michael Kristen
„Eine Zeitlang war’s sicher so, dass zu viele Leute gekommen sind, da waren’s 6000 oder so. Und das ist zu viel für einen kleinen Ort wie Alpbach. Die übernehmen dann den Ort. Wir Einheimischen sagen dann halt: Wir freuen uns, wenn ihr kommt. Wir freuen uns aber auch, wenn ihr wieder weg seid“, sagt Renate Candlin, Klimaschutzbeauftragte von Alpbach und Angestellte beim Recyclinghof. Kristen-images.com / Michael Kristen
„Wir haben viele Jahre von der Friedensdividende gelebt und haben militärisch gar nichts mehr investiert. Früher hat man sich sogar rechtfertigen müssen, wenn man überhaupt nur einen Hubschrauber gekauft hat. Aber es gibt halt auch militärische Aufgaben. Und jetzt braucht es einen Angriffskrieg auf dem europäischen Kontinent und einen amerikanischen Präsidenten, der uns die Route ins Fenster stellt, dass man sagt: Hopperla, so geht das ja nicht weiter“, sagt der Alpbacher Bürgermeister, Reinhard Wieser. Kristen-images.com / Michael Kristen
Forumspräsident Othmar Karas erklärt, warum hinter dem diesjährigen Motto „How Europe Wins“ für ihn kein Fragezeichen, sondern ein Auftrag steht. Europa habe kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Am Stammtisch klingt das ähnlich: weniger schlechtreden, mehr Selbstbewusstsein – und vor allem mehr sichtbare Ergebnisse.
Und dann wäre da noch die Zukunft, die bereits durchs Dorf fährt: ein autonomer Shuttlebus, der eigentlich keinen Fahrer mehr braucht. Eigentlich. Denn Chauffeur Magdi sitzt vorerst zur Kontrolle noch hinter dem Lenkrad – und hofft, dass das auch nächstes Jahr noch so ist.
Der Podcast:
„Was in Alpbach wichtig ist“ ist unser Kongressjournal zum Hören. Wir berichten seit 2020 jedes Jahr vom Europäischen Forum Alpbach. Der Podcast erscheint ab 30. August 2026 in fünf Folgen.
Abrufbar ist der Podcast auf der „Presse“-Webseite, in der „Presse“-App, auf Apple Podcasts, Spotify und überall sonst wo es Podcasts gibt.
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