Angehörige von Leokadia Justman besuchten Ausstellung in Innsbruck; Sonderausstellung noch bis 26. Oktober.
INNSBRUCK. Was verbindet zwei Männer aus New York mit der Sonderausstellung „Leokadia Justman“ im Tiroler Landhaus? Es ist die gemeinsame Familiengeschichte, die nach dem Zweiten Weltkrieg auch eng mit Innsbruck verbunden ist.
Im heurigen Jahr haben zwei Angehörige von Leokadia Justman die Ausstellung besucht: Jeffrey Wisnicki, Sohn von Justman und ihrem Ehemann Józef, sowie Herbert Jay Wisnicki, Neffe von Justman. In den vergangenen Monaten besuchten die beiden Nachkommen gemeinsam mit ihren Familien das Innsbrucker Landhaus und setzten sich als direkte Nachfahren von Holocaust-Überlebenden mit der Geschichte ihrer Eltern auseinander.
Ausstellung bis 26. Oktober
Noch bis zum 26. Oktober, an dem auch der Tag der offenen Tür im Landhaus stattfindet, ist die Ausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus! Als polnische Jüdin auf der Flucht in Tirol“ im Landhaus zu sehen. Beim Tag der offenen Tür selbst wird es die letzte Möglichkeit sein, die Ausstellung inklusive Führungen zu besuchen.
Erste jüdische Hochzeit nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Ende des Krieges kehrte Justman nach Innsbruck zurück und brachte ihre Fluchtgeschichte zu Papier. In dieser Zeit lernte sie Józef Wisnicki kennen, der mit falschen Dokumenten in Vorarlberg überleben konnte. 1946 heirateten Justman und Wisnicki in Tirol – es war die erste jüdische Hochzeit in Innsbruck nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Gemeinsam mit David Wisnicki, dem Bruder Józefs, den das Ehepaar nach seiner sowjetischen Kriegsgefangenschaft aufspüren konnte, emigrierte das Ehepaar 1950 nach New York. Dort bauten sich Leokadia und die beiden Brüder ein neues Leben auf.
Autobiografischer Überlebensbericht wurde vorgestellt
Die Besuche der Familien machen damit eine besondere Verbindung zwischen der Geschichte Justmans und der Gegenwart sichtbar: 80 Jahre nach der Hochzeit von Justman und Wisnicki in Innsbruck kehren die Angehörigen jener Familie an den Ort zurück, an dem die gemeinsame Nachkriegsgeschichte ihren Anfang nahm. Wie auch Justman verfasste Wisnicki einen autobiografischen Überlebensbericht, der im Mai 2026 erstmals in Tirol vorgestellt wurde (MeinBezirk berichtete).
Sonderausstellung bis 26. Oktober geöffnet
Als Sonderpräsentation ergänzt die Ausstellung zu Justman die Rahmenausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus. Ein Tiroler NS-Bau und seine Geschichte“ und ist von Montag bis Freitag (9 bis 17 Uhr) im Landhaus 1 zu sehen. Die selbstverfassten Gedichte von Justman können jeweils freitags (12 bis 17 Uhr) ebenfalls im Landhaus 1 (Festsaal) besichtigt werden (Ausnahmen: 18. September, 13. November, 20. November).
Das Projekt ist eine Kooperation des Landes Tirol mit der Universität Innsbruck und dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, der Pädagogischen Hochschule Tirol, dem Archiv für Bau.Kunst.Geschichte, dem Programm Erinnern:AT der OeAD (Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung) zum Lehren und Lernen über Nationalsozialismus und Holocaust sowie dem Verein Wissenschaft und Verantwortlichkeit. Alle Veranstaltungen zum Thema „Tirol erinnert“ sind unter tirol.gv.at/erinnern zu finden – dort steht auch der virtuelle 360°-Rundgang der Ausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus“ zur Verfügung.
Tirol erinnert: Leokadia Justman und ihr außergewöhnliches Leben