Drei Diäten, derselbe Gewichtsverlust
Die Ernährungsformen unterschieden sich deutlich. In der Keto-Gruppe stammten nur vier Prozent der Energie aus Kohlenhydraten und 73 Prozent aus Fett. Bei der mediterranen Kost waren es 50 Prozent Kohlenhydrate und 35 Prozent Fett, bei der pflanzenbetonten Variante 70 Prozent Kohlenhydrate und 15 Prozent Fett. Die Forscher stellten den Teilnehmern sämtliche Mahlzeiten bereit und passten die Energiemenge so an, dass alle innerhalb von etwa vier bis fünf Monaten ungefähr zehn Prozent ihres Ausgangsgewichts verloren.
Der Gewichtsverlust allein zeigte bereits einen klaren Effekt, denn in allen drei Gruppen stieg die Insulinempfindlichkeit der Muskulatur um ungefähr 50 Prozent. Die Muskelzellen reagierten damit nach der Diät deutlich besser auf Insulin, unabhängig davon, ob die Kost sehr kohlenhydratarm oder sehr kohlenhydratreich gewesen war.
Leber reagiert besonders stark auf Keto
Bei der Leber unterschieden sich die Gruppen dagegen deutlich. Ihre Insulinempfindlichkeit verbesserte sich in der Keto-Gruppe zwei- bis dreimal stärker als in den beiden Vergleichsgruppen. Auch der Fettgehalt der Leber sank dort im Mittel um 67 Prozent. Bei mediterraner und fettarmer, pflanzenbetonter Ernährung lag der Rückgang jeweils bei rund 45 Prozent.
„Eine Fettleber betrifft weltweit etwa 75 Prozent der Erwachsenen mit Adipositas und ist zur am schnellsten zunehmenden Ursache für chronische Lebererkrankungen und Leberzirrhose geworden“, erklärt Max C. Petersen von der Washington University School of Medicine in St. Louis.
Parallel nahm die Neubildung von Fett in der Leber, die sogenannte hepatische De-novo-Lipogenese, unter der sehr kohlenhydratarmen Kost am stärksten ab. Dasselbe galt für mehrere Marker des Zuckerstoffwechsels. Der über 24 Stunden gemessene Blutzucker sank in der Keto-Gruppe um rund 20 Prozent, in den beiden anderen Gruppen um etwa acht Prozent. Die über den Tag gemessenen Insulinspiegel verringerten sich um 74 Prozent unter Keto, um 44 Prozent unter mediterraner Kost und um 27 Prozent unter der fettarmen Diät.
Auch beim Prädiabetes zeigte sich ein Unterschied, denn nach der Gewichtsabnahme erfüllte etwa die Hälfte der Keto-Gruppe die Kriterien für Prädiabetes nicht mehr. In der mediterranen Gruppe waren es 29 Prozent und in der pflanzenbetonten Gruppe sieben Prozent. Wegen der kleinen Teilnehmerzahl sind diese Anteile allerdings besonders vorsichtig zu interpretieren.
Kein Vorteil bei allen Blutfetten
Die Vorteile der Keto-Diät zeigten sich nicht bei jedem Messwert. Zwischen den drei Gruppen gab es keine Unterschiede beim LDL-Cholesterin, beim Apolipoprotein B und bei den über 24 Stunden gemessenen Triglyceriden im Blut. Der hohe Fettanteil der Keto-Kost führte in diesem kurzen, kontrollierten Versuch somit bei diesen Markern nicht zu einem messbar schlechteren Ergebnis als die beiden Vergleichsdiäten.
Die Daten deuten zugleich auf einen möglichen Grund für den besonders starken Leber-Effekt hin. Unter der Keto-Kost sanken Insulin und die Fettneubildung in der Leber stärker. Cell Press berichtet zudem über einen stärkeren Anstieg des Hormons Glukagon. Zusammen passt dieses Stoffwechselmuster dazu, dass weniger Fett neu gebildet und mehr Leberfett abgebaut wird. Einen einzelnen ursächlichen Mechanismus beweist die Studie damit aber nicht.
Kontrollierte Bedingungen begrenzen die Aussage
Die Untersuchung zeigt vor allem, was unter sehr eng kontrollierten Bedingungen möglich ist, weil sämtliche Mahlzeiten bereitgestellt und die Teilnehmer wöchentlich von Ernährungsfachleuten begleitet wurden. Das unterscheidet sich deutlich von einer frei gewählten Ernährung im Alltag, bei der Durchhaltevermögen, Lebensmittelauswahl und langfristige Verträglichkeit eine größere Rolle spielen.
Hinzu kommen die kleine Studiengruppe und die kurze Dauer von wenigen Monaten. Untersucht wurden außerdem gezielt Menschen mit Adipositas, Prädiabetes und Fettleber. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf gesunde Menschen, andere Patientengruppen oder eine jahrelange ketogene Ernährung übertragen. Auch langfristige Folgen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurden nicht geprüft.
Für die untersuchte Patientengruppe spricht die Studie dennoch dafür, dass nicht nur das Ausmaß des Gewichtsverlusts zählt. Die Zusammensetzung der Kost kann bestimmte Stoffwechselreaktionen zusätzlich beeinflussen. Eine sehr kohlenhydratarme Ernährung brachte bei gleichem Gewichtsverlust besonders deutliche kurzfristige Vorteile für Leberfett und Blutzucker, ohne sich in diesem Versuch bei LDL-Cholesterin, Apolipoprotein B oder den 24-Stunden-Triglyceriden von den anderen Diäten zu unterscheiden.
Quellen:
30. August 2026
– Clara Lyu