Bei Krebs rund dreimal höher

Das Team analysierte 1.010 Mund- und Stuhlproben von 507 Menschen. Darunter waren 129 Gesunde, 215 Menschen mit Stoffwechselstörungen, 77 Patienten mit Magenkrebs und 86 mit Darmkrebs. Bei den Krebspatienten wurden die Proben vor der Behandlung genommen.

Der MF-Index war bei Magen- und Darmkrebs im Mittel rund dreimal höher als bei den gesunden Kontrollen. In der zusammengefassten Gruppe mit Stoffwechselstörungen zeigte sich dagegen kein vergleichbarer Anstieg. Der Unterschied bei den Krebserkrankungen blieb auch bestehen, nachdem die Forscher unter anderem Alkoholkonsum, Bewegung und den Body-Mass-Index berücksichtigt hatten. Außerdem unterschieden sich die übertragenen Mikroben je nach Krebsart und Krankheitsstadium.

Krebssignal aus einer Mundspülung

Aus den übertragenen Mikroben baute das Team anschließend Klassifikationsmodelle. Am zuverlässigsten arbeitete dabei ein Random-Forest-Verfahren. Die Forscher prüften die Modelle an sieben unabhängigen internationalen Kohorten. Zusammen mit der Ausgangsgruppe umfasste die Auswertung 2.031 Proben von 1.096 Menschen, und die krebsbezogenen Signaturen ließen sich auch in den externen Datensätzen wiederfinden.

Besonders interessant war die Auswertung allein aus Mundproben. In einer externen Gruppe von 66 Menschen, für die zusätzlich ein Test auf verborgenes Blut im Stuhl vorlag, kam das Mundmodell auf eine AUC von 0,969, eine Sensitivität von 92,9 Prozent und eine Spezifität von 92,1 Prozent. Der Blut-im-Stuhl-Test erreichte in derselben Gruppe eine AUC von 0,800, eine Sensitivität von 61,0 Prozent und eine Spezifität von 100 Prozent.

Damit fand das Mundmodell in diesem Datensatz mehr Erkrankte, produzierte jedoch etwas mehr falsch-positive Treffer als der Stuhltest. Der Vergleich beweist noch nicht, dass eine Mundspülung den etablierten Test im Screening insgesamt übertrifft, denn er stammt nur aus einer kleinen externen Teilgruppe.

„Eine zentrale Leistung dieser Studie ist die präzise Verfolgung der mikrobiellen Übertragung vom Mund in den Darm durch eine hochauflösende Analyse auf Ebene einzelner Sequenzen. Dadurch konnten wir subtile diagnostische Signale erkennen, die bei herkömmlichen Analysen auf Arten- oder Gattungsebene übersehen werden könnten“, erklärt Prof. Ji-Won Huh von der Chungnam National University (CNU).

Noch kein Screeningtest

Die Studie war beobachtend und zeigt daher nicht, ob Mundmikroben zur Krebsentstehung beitragen oder ob ein Tumor Bedingungen schafft, unter denen diese Bakterien leichter im Verdauungstrakt bestehen. Auch die diagnostische Leistung muss erst prospektiv bei Menschen geprüft werden, die noch keine Krebsdiagnose haben. Die Forscher wollen dafür größere Screening-Populationen untersuchen und die Mikroben künftig mit höher auflösender Metagenom-Sequenzierung analysieren.

„Bevor irgendetwas davon in der Praxis eingesetzt werden könnte, müsste es klinische Studien in realen Screening-Populationen durchlaufen“, betont Prof. Tae Il Kim vom Yonsei University College of Medicine.

Für eine spätere Anwendung wäre die Probennahme denkbar einfach: In der CNU-Studienmeldung wird eine etwa 30 Sekunden lange Spülung mit Kochsalzlösung beschrieben. Sollte sich der Ansatz in prospektiven Studien bewähren, könnte ein solcher Test helfen, Menschen mit erhöhtem Verdacht für weiterführende Untersuchungen wie Magen- oder Darmspiegelungen zu priorisieren. Er wäre damit zunächst eine Ergänzung, keine Ablösung der etablierten Diagnostik.

Quellen:

26. August 2026

– Clara Lyu