Die österreichweite Allianz für den freien Sonntag hat sich erneut gegen eine weitere Ausweitung der Sonntagsöffnung im Handel ausgesprochen. Anlass sind Debatten über eine Übernahme des Vorarlberger Modells für kleine Lebensmittelgeschäfte auch in anderen Bundesländern.
Eine Vertretung der Initiative Christlicher Orient (ICO), der Linzer Sektion von Pro Oriente sowie der Kardinal König Stiftung bricht in der kommenden Woche zu einer Reise in den …
Der kirchliche Sprecher der Sonntagsallianz, der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl, warnte in einer aktuellen Stellungnahme auf der Homepage seiner Diözese vor einer weiteren Aushöhlung des gemeinsamen arbeitsfreien Sonntags. „Sonn- und Feiertage sind bereits für viele Menschen Arbeitstage anstatt Freizeit oder Zeit für eine kirchliche Feier“. Bei systemrelevanten Berufen sei Sonntagsarbeit notwendig und den Beschäftigten dafür zu danken. „Ob irgendein Einkauf an Sonntagen einen gesellschaftlichen Mehrwert bringt, ist mehr als zweifelhaft.“
„Ob irgendein Einkauf an Sonntagen einen gesellschaftlichen Mehrwert bringt, ist mehr als zweifelhaft“
In Vorarlberg dürfen Lebensmittelgeschäfte mit bis zu 400 Quadratmetern seit Ende Juni sonntags von 7 bis 18 Uhr öffnen. Personal darf dabei nicht eingesetzt werden, das Geschäft muss von der Inhaberin oder dem Inhaber selbst betreut werden.
Steiermark gegen Ausweitung
Für die Steiermark signalisierte die Diözese Graz-Seckau eine klare Ablehnung einer Ausweitung dieses Modells. Peter Hochegger vom diözesanen Fonds für Arbeit und Bildung betonte, es gehe dabei um eine grundsätzliche Frage. Notwendige Sonntagsarbeit etwa im Gesundheitswesen oder bei der Polizei sei von Tätigkeiten zu unterscheiden, die ausschließlich profitorientiert seien. Auch Arbeiten in Gastronomie, Kultur oder Kinos könnten gesellschaftlich sinnvoll sein, weil sie der Erholung anderer dienten. Hingegen widerspreche eine Aufweichung der gesetzlichen Sonntags-Regelungen im profitorientierten Bereich der „Idee des freien Sonntags als gemeinsamen freien Tag zur Erholung“, so Hochegger.
„Sonntag als gemeinsamer freier Tag zur Erholung“
Bernhard Schwarzenegger, Geschäftsführer des Fonds, bezeichnete den weitgehend arbeitsfreien Sonntag als „hohes gesellschaftliches Gut“. Er schaffe gemeinsame Zeit für Familie und Freunde sowie Raum zum Innehalten und zur Erholung.
Auch die Katholische Arbeitnehmer/innenbewegung Steiermark sprach sich gegen eine weitere Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten aus. Ihr Vorsitzender Heinz Zeiringer warnte, auch wenn zunächst nur Geschäftsinhaber betroffen seien, würde damit „wieder eine Gruppe mehr am Sonntag arbeiten“. Andreas Gjecaj, Präsident der Katholischen Aktion Steiermark, sprach vom Sonntag als „Geschenk“, das Raum für Pausen, Gemeinschaft und Feiern schaffe.
Die österreichische Sonntagsallianz, die seit 2001 für den Schutz des arbeitsfreien Sonntags eintritt, versteht den Sonntag ausdrücklich als breites gesellschaftliches Anliegen. Ihr gehören neben kirchlichen Einrichtungen auch Gewerkschaften, Arbeiterkammer und weitere gesellschaftliche Organisationen an. Ziel ist es, den Sonntag als gemeinsamen freien Tag vor einer schleichenden Ausweitung von Arbeits- und Konsumzeiten zu schützen.
(kap – sst)