
Streaming-Tipps
Stand: 31.08.2026 04:00 Uhr
Die besten Filme im September in der ARD Mediathek: Der Bestseller-Film „Der Buchspazierer“ mit Christoph Maria Herbst, die vielfach gelobten Werke von Christian Petzold („Phoenix“, „Die innere Sicherheit“), der Oscar-nominierte Coming-of-Age-Film „Licorice Pizza“ von Paul Thomas Anderson und das Kult-Liebesdrama „Before Midnight“. Das sind unsere Streaming-Highlights im September 2026.
„Der Buchspazierer“ – märchenhafter Film über Literatur
Als Christoph Maria Herbst durch Zufall privat den Bestseller „Der Buchspazierer“ von Carsten Henn las, dachte er noch: Endlich ein Buch, aus dem kein Film wird – weil er es für unverfilmbar hielt. Er hat sich getäuscht. Nun spielt er selbst die titelgebende Hauptrolle, den knorrigen, menschenscheuen Buchspazierer Carl Kollhoff.

Der Film nimmt uns mit hinein in eine fast schon märchenhaft anmutende deutsche Kleinstadt. Verwinkelte Gassen, Kopfsteinpflaster, Marktstände mit glänzendem, perfektem Obst und Gemüse. Es ist eine analoge Welt ohne Autos, die ganz heimelig anmutet. In dieser Welt bringt der Buchspazierer mit seinem Tornister-Rucksack noch selbst jeden Tag die Bücher zu seinen Kunden nach Hause, eingepackt in schönes Papier, jedes Buch eine persönliche Empfehlung.
Der Film ist – ähnlich wie das Buch – voller Querverweise auf die große Weltliteratur. Das Lesen ist das verbindende Element zwischen zwei Außenseitern – dem Buchspazierer und einem kleinen Mädchen – die neben der Leidenschaft für das geschriebene Wort vor allem auch eint, dass sie einsam sind. So wird „Der Buchspazierer“ zu einem gefühligen Wohlfühlfilm mit Hang zum Kitsch für alle Leseratten.
„Der Buchspazierer“
Deutschland, 2024
Regie: Ngo The Chau
Besetzung: Christoph Maria Herbst, Yuna Bennett, Maren Kroymann, Edin Hasanovic, Ronald Zehrfeld
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 6 Jahren
Verfügbar bis: 1. Oktober 2026
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„Phoenix“ – verstörender Film Noir mit Nina Hoss
Berlin 1945. Die jüdische Sängerin Nelly hat Auschwitz überlebt, ihr Gesicht ist durch schwere Verletzungen entstellt. Nach einer Operation sucht sie ihren Mann Johnny. Der erkennt sie nicht – hält sie aber für geeignet, seine totgeglaubte Frau zu spielen, um an deren Erbe zu kommen. Nelly lässt sich auf das verstörende Spiel ein.

Die Ausnahmeschauspielerin Nina Hoss ist hier wie immer ein Ereignis, macht aus dieser eigentlich unglaubwürdigen Konstruktion eine Geschichte über Verrat, Identität und die Unmöglichkeit, nach dem Holocaust einfach weiterzumachen.
Regisseur Christian Petzold erzählt bewusst künstlich, bedient sich beim Film Noir und bei Hitchcocks „Vertigo“. Vergangenheit lässt sich in „Phoenix“ weder rekonstruieren noch abschütteln. Allein das Ende gehört mit zu den besten Szenen, die Petzold jemals inszeniert hat.
„Phoenix“
Deutschland, 2014
Regie: Christian Petzold
Drehbuch: Christian Petzold
Besetzung: Nina Hoss, Ronald Zehrfeld, Nina Kunzendorf, Michael Maertens, Imogen Kogge
Länge: 98 Minuten
Verfügbar bis: 8. November 2026
„Die innere Sicherheit“ – Christian Petzolds Kino-Debüt
Für seinen ersten Kinofilm hatte „Berliner Schule“-Regisseur Christian Petzold sich einen politischen Stoff ausgesucht – allerdings mit einem Kniff. Er erzählt in „Die innere Sicherheit“ von der RAF, aber nicht als Politthriller, sondern als Familiendrama.
Clara und Hans leben seit Jahrzehnten im Untergrund, gemeinsam mit ihrer 15-jährigen Tochter Jeanne. Während die Eltern ihre Vergangenheit nicht abschütteln können, will Jeanne endlich in der Gegenwart ankommen. Mit Freunden, der ersten Liebe, einem ganz normalen Leben.

Julia Hummer spielt Jeanne mit einer Mischung aus Trotz, Sehnsucht und großer Wachsamkeit. Das Herausragende: Christian Petzold interessiert sich kaum für die früheren Taten der Eltern, ihn treibt um, was ein Leben auf der Flucht mit den Menschen macht. Und was passiert, wenn politische Überzeugung wie eine Last an die nächste Generation weitergegeben wird. Ein karger, konzentrierter Film, der – obwohl er 26 Jahre alt ist – noch immer brandaktuell ist.
„Die innere Sicherheit“
Deutschland, 2000
Regie: Christian Petzold
Drehbuch: Christian Petzold, Harun Farocki
Besetzung: Julia Hummer, Barbara Auer, Richy Müller
Länge: 106 Minunten
Verfügbar bis: 8. November 2026
„Licorice Pizza“ – Oscar-nominierter Coming-of-Age-Film
Kultregisseur Paul Thomas Anderson macht in „Licorice Pizza“ aus einer ziemlich ungewöhnlichen Liebesgeschichte einen der schönsten Coming-of-Age-Filme der vergangenen Jahre. Der Film spielt in den 70er-Jahren in Los Angeles, in einer Welt aus Schlaghosen, langen Haaren und großen Träumen. Es geht um den 15-jährigen Gary, Kinderschauspieler, Geschäftemacher und ziemlich selbstbewusst. Bei einem Schulfoto-Shooting verliebt er sich Hals über Kopf in die zehn Jahre ältere Fotoassistentin Alana. Der Beginn einer wunderbar verschrobenen Freundschaft.

„Licorice Pizza“ lebt von seinen Figuren, kleinen Abenteuern und einer wunderbar lässigen Atmosphäre. Alana Haim von der Band Haim und Cooper Hoffman, Sohn des 2014 verstorbenen Schauspielers Philip Seymour Hoffman, geben hier beide ihr Kinodebüt und spielen, als hätten sie noch nie etwas anderes in ihrem Leben getan. Dazu kommt ein großartiger 70er-Jahre-Soundtrack mit David Bowie, The Doors und vielen anderen.
„Licorice Pizza“
USA/Kanada, 2021
Regie: Paul Thomas Anderson
Drehbuch: Paul Thomas Anderson
Besetzung: Alana Haim, Cooper Hoffman, Sean Penn, Tom Waits, Bradley Cooper, Benny Safdie u. a.
Länge: 131 Minuten
Verfügbar bis: 17. September 2026
„Before Midnight“ – schöne Langzeitliebe
Es ist die schönste Langzeit-Liebesgeschichte des Kinos. Richard Linklaters „Before“-Trilogie. Im dritten Teil, 18 Jahre nach ihrer ersten Begegnung im Nachtzug nach Wien, sind Jesse und Céline längst kein romantisches Versprechen mehr, sondern ein Paar mit Kindern, Alltag und einer Menge gemeinsamem Gepäck. Im Griechenland-Urlaub reden sie über Jobs, verpasste Chancen, Jesses Sohn in den USA – und irgendwann darüber, ob ihre Beziehung überhaupt noch funktioniert.

Richard Linklater macht daraus fast ausschließlich Gespräche, die sich beiläufig zuspitzen und plötzlich brutal präzise werden. Ethan Hawke und Julie Delpy spielen Jesse und Céline nicht wie Figuren, sondern wie Menschen, die tatsächlich miteinander älter geworden sind. Gerade deshalb ist „Before Midnight“ der stärkste und schmerzhafteste Teil der Reihe: ein Liebesfilm darüber, was nach dem Verlieben kommt.
„Before Midnight“
USA/Griechenland, 2013
Regie: Richard Linklater
Drehbuch: Richard Linklater, Julie Delpy, Ethan Hawke
Besetzung: Ethan Hawke, Julie Delpy, Seamus Davey-Fitzpatrick
Länge: 105 Minuten
Verfügbar bis: 23. September 2026
Über mich
Ich bin Anna Wollner, lebe in Berlin und schreibe und spreche seit über 15 Jahren für MDR KULTUR über Filme und Serien, treffe die großen und kleinen Filmstars aus Hollywood und Umgebung zu Interviews. Mein Motto: Hauptsache es flimmert.
Redaktionelle Bearbeitung: Juliane Streich
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