Genau deshalb wäre es aktuell besonders problematisch, den Sanktionsdruck zu lockern. Der Iran-Krieg hat den globalen Energiemarkt ohnehin erschüttert: Normalerweise läuft rund ein Fünftel des Welthandels über die Straße von Hormus. Weil der Iran diesen Seeweg aber massiv stört, wird Öl knapper und teurer. In diesem Umfeld gewinnt russisches Öl bereits an Attraktivität: Je höher der Weltmarktpreis liegt, desto größer ist der Anreiz für Käufer, doch auf zwar sanktionierte, aber rabattierte Energie aus Russland auszuweichen.

Eine Lockerung der Sanktionen könnte diesen Effekt noch verstärken. Weiten etwa Länder wie Indien und China ihre Importe aus Russland aus, klingelt es in Putins Kriegskasse. Was kurzfristig helfen könnte, den Preisanstieg an Tankstellen zu bremsen, würde Moskau mittelfristig finanziellen Spielraum verschaffen.

Für Europa ist das besonders heikel. Der Krieg wütet auf dem Kontinent, seine politischen und wirtschaftlichen Folgen tragen vorrangig die Europäer. Wenn Putin plötzlich wieder höhere Einnahmen aus Ölexporten erzielt, verlängert das seinen Krieg gegen die Ukraine und damit auch die negativen Folgen für Europa.

Die EU versucht aktuell, Schlupflöcher ihrer Russland-Sanktionen zu schließen. Wenn Washington gleichzeitig aber über Lockerungen nachdenkt, gerät diese Strategie ins Wanken. Dabei gäbe es durchaus andere Möglichkeiten, Preisspitzen abzufedern. Ökonomen schlagen etwa vor, die strategischen Ölreserven der G7-Staaten freizugeben, um kurzfristig ein zusätzliches Angebot auf den Markt zu bringen. Die Europäer müssen jetzt alles tun, um Trump eine Lockerung der Sanktionen auszureden – bevor es zu spät ist.