Mit »Before/After« liefert Sofie Royer ein Album ab, das so musikalisch eingängig wie inhaltlich abgeklärt ist. Und sie imponiert gerade durch diese unaufgeregte Nonchalance.

© Oskar Burger
Es ist schon erstaunlich passend, dass die Rezension des vierten Studioalbums von Sofie Royer genau in unsere Ausgabe mit dem Creative-Industries-Special fällt. Denn wenn sich ein thematischer roter Faden durch »Before/After« zieht, dann ist dieser rund um all jene Niederungen gesponnen, denen man im Marktsegment Indiepop ausgesetzt ist. Da kann man vielleicht mal einen Jazzclub füllen, verdient damit aber weniger als früher als DJ hinterm Mischpult (»Sold Out the Jazz Club«). Royer stapelt damit natürlich tief, schafft sie es doch längst, mehr als nur nischige Kellerlokale zu füllen. Doch die nüchterne Abgeklärtheit der 35-Jährigen ist angesichts der aktuellen Situation in der Musikbranche völlig nachvollziehbar – und klingt hier ausgesprochen gut.
Sofie Royer liefert Indiepop, bei dem der Pop großgeschrieben wird und der Indie für genug Edge sorgt, um nicht in der Masse unterzugehen. Stimmlich erinnert das von Timbre und Dynamik stellenweise frappant an Art-Pop-Darling Caroline Polachek, aber mal mit eingängigeren Eighties-Synths (»Actress«), mal mit rockigeren Gitarrenriffs (»Best in Show«), mal gar mit NDW-Vibes (»Auto«). Das meiste ist irgendwo im Midtempobereich angesiedelt, nichts zum Schunkeln oder Einschlafen, aber auch nicht so schnell oder hyperaktiv, dass die hohe textliche Qualität nicht einschlagen könnte.
Imponierend!
»Before/After« ist eine Platte, die im besten Sinn erwachsen klingt – allem lyrischen Widerspruch zum Trotz (»I was so young while I behaved twenty-five / But now it appears I have grown into a child«). Sofie Royer wirkt selbstsicher in dem, was sie tut. Sie weiß, wer sie ist und wo ihre Stärken liegen. Sie muss niemandem mehr imponieren, tut es aber gerade deshalb. Nur logisch also, dass Leute sie ständig ermuntern, nicht aufzugeben. Denn, obwohl der Weg zu schwer, das Geld zu wenig und das Leben manchmal zu anstrengend ist, braucht die Musikszene Menschen wie Sofie Royer, die unbeirrt ihr Ding durchziehen und Indiepop abliefern, der locker mit den ganz großen, bekannten Namen mithalten kann – ungeachtet von Airplay, Preisen und Chartplatzierungen. Also: »Keep on keeping on!« We’ll keep listening.
Sofie Royer »Before/After«
Das Album »Before/After« von Sofie Royer erscheint am 4. September 2026 bei Stones Throw Records. Die nächsten Konzerttermine der Musikerin: 12. September, Wien, Porgy & Bess — 20. Oktober, Zürich (CH), Bogen F — 21. Oktober, München (DE), Import Export — 22. Oktober, Hall in Tirol, Kulturlokal Stromboli — 27. Oktober, Berlin (DE), Mikropol — 28. Oktober, Hamburg (DE), Betty.
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